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Bundesliga

12.01.2016 - 14:00 Uhr


Labbadia: "Es ist etwas zusammengewachsen"

Köln - Nach dem knapp geschafften Klassenerhalt in der Vorsaison läuft es beim Hamburger SV wieder gut. Trainer Bruno Labbadia hat die Hanseaten in ruhige Fahrwasser geführt und spielerisch deutlich verbessert. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Coach, der gerade seien Vertrag beim HSV bis 2017 verlängert hat, über das Trainingslager in Belek, den Aufschwung beim HSV und seine Saisonziele.

Frage: Herr Labbadia, Sie sind jetzt seit einer knappen Woche im Trainingslager in Belek. Wie ist Ihr bisheriger Eindruck?

Bruno Labbadia: Das ist bisher ein hervorragendes Trainingslager. Aufgrund der tollen Platzverhältnisse und der Witterung – vor allem, wenn man sich das aktuelle Wetter in Hamburg anschaut – können wir hier ausgezeichnet arbeiten, haben viel im taktischen Bereich gemacht. Auch unser erstes Trainingsspiel gegen Ajax Amsterdam war vielversprechend. Da haben wir gegen einen sehr starken Gegner viele gute Sachen gemacht, aber auch Dinge, die wir noch verbessern müssen. Daran werden wir in den nächsten Tagen hart arbeiten.

Frage: Wie weit ist die Mannschaft schon in dieser Vorbereitung?

Labbadia: Das ist ja keine richtige Vorbereitung. Wir hatten ja nur 14 Tage frei. Das war eher eine kurze Unterbrechung. Die Spieler mussten im Urlaub am Erhalt ihrer Fitness arbeiten, diese ist daher sehr ordentlich. Allerdings haben wir den ein oder anderen Ausfall durch Verletzungen vor allem in den zentralen Positionen. Das bereitet uns noch Schwierigkeiten, da das Herzstück einer Mannschaft die defensiven Mittelfeldspieler sind. Wir versuchen das zu kompensieren, probieren Einiges aus. Aber da haben wir noch einige Fragezeichen.

Frage: Sie sprachen es an, die Sechser-Position ist derzeit nicht so gut besetzt. Welche Alternativen haben Sie da?

Labbadia: Wenn man vier etatmäßige Sechser hat und alle ausfallen, dann ist das schon ein Problem. Wir setzen schon mit Lewis Holtby auf einen eigentlich offensiveren Spieler. Gegen Ajax haben wir es mit Cleber probiert, also einem gelernten Innenverteidiger. Das ist schwierig. Aber die Situation ist, wie sie ist. Wir müssen damit leben und zurecht kommen.

Frage: Zahlreiche Bundesliga-Clubs bereiten sich aktuell in Belek auf die Rückrunde vor (Mehr Infos finden Sie in der Infografik: Hier überwintert die Bundesliga). Die Club-Scouts schauen ständig bei den Einheiten der Konkurrenz zu. Ist das ein Nachteil, dass man quasi auf dem Präsentierteller trainiert?

Labbadia: Für uns nicht. Es ist ja heute alles gläsern geworden, teilweise werden schon während des Trainings Videos ins Netz gestellt, auch von unsern eigenen Reportern. Du kannst mittlerweile nichts mehr im Training geheim halten, außer du trainierst im Stadion. Aber wir machen es ja auch nicht anders, unsere Scouts sind auch unterwegs und schauen sich unsere Gegner an. Viel wichtiger sind die Bedingungen und die Testspielgegner – und die sind hier in Belek top.

Frage: Nach zwei Fast-Abstiegen liegen Sie in dieser Saison im sicheren Mittelfeld. Wie haben die Negativ-Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre die Mannschaft verändert?

Labbadia: Das ist natürlich noch nicht aus den Köpfen der Spieler raus. Wenn man mit einem so großen Club wie dem HSV zwei Mal in Folge in die Relegation muss, steckt das in den Knochen. Aber wir haben einen unglaublich harten Abstiegskampf gemeistert mit einer wahnsinnigen Geschlossenheit in und um die Mannschaft herum. Trotz aller Schwierigkeiten ist da etwas zusammengewachsen. Das wollten wir in diese Saison mitnehmen, und das ist uns gelungen.

Frage: Sehr erfolgreich sogar, der HSV ist Zehnter mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Labbadia: Es ist aber nicht so, dass wir uns in Sicherheit wiegen. Wir haben 22 Punkte geholt. Das sind ein paar zu wenig für die Art, wie wir in der Hinrunde gespielt haben. Aber wir wissen, dass die Mannschaften hinter uns jetzt voll angreifen werden. Deshalb müssen wir konzentriert weiter arbeiten. Es liegt noch ein sehr steiniger Weg vor uns. Wir haben eine hohe Bereitschaft gezeigt, das war die Grundlage für unsere gute Hinrunde. Das müssen wir beibehalten und noch weiter verbessern. Das bleibt harte Arbeit, da darf sich keiner ausruhen, wir dürfen nicht nachlässig werden. Vor allem im fußballerischen Bereich müssen wir uns weiterentwickeln, aber auch die einzelnen Spieler selbst müssen sich verbessern. Das ist in der Vorrunde schon passiert, aber noch nicht abgeschlossen.

Frage: Sie haben einzelne Spieler angesprochen, die sich schon verbessert haben. Was haben Sie mit denen gemacht, dass sie einen solchen Schub bekommen haben?

Labbadia: In erster Linie haben die Jungs an sich selbst gearbeitet und umgesetzt, was wir ihnen vorgegeben haben. Ob das grundlegende Dinge wie die Fitness waren oder Technik und Taktik. Man hat gemerkt, dass die Spieler jetzt aus diesem Negativstrudel der vergangenen beiden Jahre raus sind. Sie waren alle sehr motiviert. Aufgrund unserer Situation – es ist ja bekannt, dass der Club finanziell nicht perfekt dasteht – müssen sich unsere vorhandenen Spieler verbessern. Das ist gelungen. Aber wir haben das Gefühl, dass noch mehr geht. Das müssen wir rauskitzeln.

Frage: Sie sind beim Training sehr aktiv, greifen häufig ein, sprechen mit den Spielern. Ist das Ihre innere Energie oder Teil Ihrer Philosophie?

Labbadia: Sicherlich beides. Ich muss bei dem, was wir vorhaben, permanent an Dingen feilen, weil es um Details geht. Fußball ist Detailarbeit. Da wir viel über Spielformen und Positionsspiele machen, muss ich viel coachen. Wenn man die Fitness über Laufarbeit aufbaut, kann sich keiner verstecken. Bei Spielformen muss man die Jungs aber permanent antreiben, ihnen auch teilweise sagen, was sie tun müssen. Das macht mir viel Freude und ist Teil meiner Philosophie.

Frage: Weniger Freude wird Ihnen wahrscheinlich der Auftaktgegner bereiten. Am 18. Spieltag geht es gegen den FC Bayern München. Hätten Sie lieber einen leichteren Gegner gehabt.

Labbadia: Wir kennen das ja schon aus der Hinrunde, dass wir zuerst gegen die Bayern ran müssen. Es ist in den letzten zwei, drei Jahren schwieriger geworden, die Bayern zu schlagen, weil sie eine Bombenmannschaft haben. Sie sind gespickt mit genialen Einzelspielern, funktionieren aber auch als Team überragend. Trotzdem ist man gegen sie nicht immer chancenlos. Es ist schwer, aber wir wollen versuchen, ein gutes Spiel abzuliefern und auch Punkte zu holen. Jeder muss zwei Mal in der Saison gegen die Bayern spielen, wir halt gleich zum Start.

Frage: Was ist für den HSV in dieser Saison möglich?

Labbadia: Das ist schwer zu sagen, wir sind noch sehr schwankend in unseren Leistungen, was keine Überraschung ist. Wenn man die Hinrunde Revue passieren lässt, muss man klar sagen: wir hätten mehr Punkte holen können. Das ist positiv. Dass wir aber nicht mehr Punkte haben, hat auch seine Gründe. Bei uns muss alles funktionieren, damit wir Erfolg haben können. Wir müssen immer versuchen, das Optimale herauszuholen. Das Optimale wäre gewesen, wenn wir mit  26, 27 Punkten in die Rückrunde gehen könnten.

Frage: Wo steht der HSV denn dann am Ende der Saison?

Labbadia: Wir hoffen, dass wir mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben werden und uns mit Tuchfühlung nach oben bewegen werden. Aber wir müssen aufgrund unserer Möglichkeiten immer schauen, dass wir hinten wegkommen und die Klasse schnell sichern. Und dann können wir an vielen Dingen weiterarbeiten, auch mit Blick auf die nächste Saison.

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