Bundesliga

05.02.2017 - 20:30 Uhr


Borussia erleichtert - ein Push zur rechten Zeit

Borussia Dortmund gewinnt das Topspiel gegen Leipzig mit 1:0

Dortmund - Die Spieler feierten mit den Fans, tanzten vor der Südtribüne, klatschten sich mit einem befreiten Lachen beim Gang in die Kabine ab. Der Trainer drückte jeden Einzelnen an sich. Endlich dröhnte auch wieder laute Musik aus der Umkleide – für die Dortmunder war der 1:0-Erfolg über RB Leipzig ganz offenbar mehr als nur ein Sieg. Das Spiel hat das Potenzial zum Brustlöser. Genau darauf hatte Thomas Tuchel gehofft.

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Noch einen Tag vor dem Spitzenspiel hatte der Dortmunder Trainer das Hinspiel in Leipzig Revue passieren lassen, als der Aufsteiger sich durch ein spätes Tor von Naby Keita mit 1:0 durchgesetzt hatte. Für Rasenballsport war es eine Art Initialzündung, wie Tuchel im Rückblick befand: "Mit diesem Sieg haben sie einen enormen Schub bekommen, mit dem jetzt die ganze Liga umgehen muss, weil sie seitdem auf einer Euphoriewelle reiten."

Fast wirkte der Coach dabei ein bisschen neidisch, denn für den BVB bot die Liga seither ein stetes Auf und Ab, das sich bis Samstag in satten elf Punkte Rückstand auf die ambitionierten Leipziger ausdrückte. Das wollte die Borussia im direkten Vergleich so auf keinen Fall stehen lassen. Mehr noch: Tuchel wollte die Geschichte umkehren und jetzt mit einem Erfolg seinerseits die Weichen für die nächsten Wochen stellen: "Wir werden alles dafür tun, enormes Selbstvertrauen und einen Push zu bekommen für die entscheidende Phase der Saison."

Mit Herzblut und Leidenschaft

Im Prestigeduell gegen den Rasenballsportverein waren Herzblut und Leidenschaft spürbar und sorgten auch für einen neuen Schulterschluss mit den Fans. Lange war es nicht mehr so laut im Signal Iduna Park, was auch die Mannschaft wohlwollend registrierte. "Für uns war es wichtig, dass wir den zwölften Mann spüren konnten. Das haben wir gebraucht", bekannte Julian Weigl.

Geben Stimmung, Spielverlauf und Ergebnis dem BVB tatsächlich einen Push, dann kommt der wohl gerade zur rechten Zeit. Schon am Mittwoch ist die Borussia im DFB-Pokal gefordert und kann gegen Hertha BSC den nächsten Schritt ins Viertelfinale machen. Vier der letzten fünf Endspiele hat Dortmund bestritten – warum nicht auch wieder in diesem Jahr, zumal sich so am einfachsten ein Titel in den Pott holen lässt.

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Aber auch in der Champions League kann der BVB Rückenwind gebrauchen, wo in neun Tagen das erste Duell mit Benfica Lissabon steigt. Und in der Bundesliga ist der Rückstand auf Leipzig mit acht Punkten zwar immer noch sehr ordentlich, doch noch sind 45 Zähler zu vergeben. Pierre-Emerick Aubameyang jedenfalls hat die Kronprinzenrolle hinter den Bayern noch nicht aus den Augen verloren. "Natürlich können wir den zweiten Platz erreichen", erklärte der Torjäger im Interview (Hier geht's zum Interview) im Brustton der Überzeugung.

90 Minuten und einen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang später hat seine Mannschaft genau das umgesetzt und endlich mal wieder einen Big Point gesetzt - vor allem für das eigene Selbstbewusstsein. "Man hat beim Tor und beim Abpfiff gesehen, dass vieles aus uns herausgebrochen ist. Wir haben unseren Emotionen freien Lauf gelassen", bestätigte Julian Weigl das Offensichtliche.

Sokratis: "Nicht schön spielen, einfach gewinnen"

Dass sich die Mannschaft spielerisch eher schwer getan hat gegen RB, tat der allgemeinen Erleichterung und Freude dieses Mal keinen Abbruch. "In einigen Spielen musst du nicht schön spielen, da musst du einfach gewinnen – und fertig", brachte es Verteidiger Sokratis so kompromisslos auf den Punkt, wie er zuvor seine Zweikämpfe geführt hatte.

Vielleicht kann dieses Spiel und diese Leistung für die weitere Saison der Dortmunder sogar ein wichtiger Maßstab sein. Eine Mannschaft, die sich in erster Linie über Ballbesitz und Kombinationsfußball definiert, hat den Fans und sich selbst gezeigt, dass sie auch Kampf kann. "Wir haben voll dagegen gehalten, das war der Schlüssel zum Sieg", stellte Julian Weigl fest. Für Sokratis, der 76 Prozent seiner Duelle für sich entschied und damit bester Zweikämpfer auf dem Platz war, eine Selbstverständlichkeit: "Jede Partie müssen wir genau so angehen. Wir müssen in jedem Training und in jedem Spiel fighten."

Erst einmal müssen die Dortmunder aber bestätigen, dass ihnen der Sieg über RB Leipzig tatsächlich einen Schub gegeben hat – und zwar nach dem Auftritt im Pokal gleich am nächsten Samstag in der Liga beim Tabellenletzten Darmstadt 98. Sokratis hat an seine Mitspieler schon einmal warnende Worte gerichtet: "Wenn wir gegen Darmstadt nicht gewinnen, dann waren auch die drei Punkte gegen Leipzig wertlos. Wir müssen jetzt weitermachen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Im Video: Die Young Guns des BVB

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