Europa League

21.04.2017 - 09:00 Uhr


Schalke-Kapitän Höwedes: "Riesenkompliment an alle"

Benedikt Höwedes lobt den Kampfgeist seiner Knappen

Gelsenkirchen - Hinspiel-Niederlage gedreht, schon 3:0 geführt, Überzahl gehabt - und am Ende trotz eines 3:2-Sieges über Ajax Amsterdam nach 120 langen Minuten das Halbfinale der Europa League doch noch verpasst. Ein tief trauriger Kapitän Benedikt Höwedes versuchte das für den FC Schalke 04 so bittere Aus nach dem Abpfiff in Worte zu fassen und vorauszublicken auf die nächste Aufgabe. Am Sonntag kommt RB Leipzig nach Gelsenkirchen.

Frage: Benedikt Höwedes, ist das einer der traurigsten Siege, den Sie bisher erlebt haben?

Benedikt Höwedes: Das war schon bitter! Wenn man in die Kabine kommt und die hängenden Köpfe sieht, dann versucht man als älterer Spieler trotzdem, die Jungs irgendwie aufzumuntern. Wir haben uns nichts vorzuwerfen, wir haben ein Riesenspiel gemacht. Wir haben gefightet, wir haben uns Torchancen herausgespielt. Allein in den ersten zwei Minuten haben wir schon klar gemacht, wohin die Reise geht. Manchmal ist der Fußball nicht gerecht. Wir haben alles probiert und alles rausgehauen. Auch die Fans haben uns nach vorne getragen. Es hat so viel Spaß gemacht, auf dem Platz zu stehen. Und am Ende scheidest du dann doch aus, weil Ajax eine Situation bekommt, die noch nicht einmal eine richtige Chance ist. Wir versuchen den Ball zu klären, Viergever hält irgendwie den Fuß dazwischen. Das tut so weh! Das tut wirklich so weh!

"Manchmal ist der Fußballgott nicht gerecht"

Frage: Haben Sie eine derartige emotionale Achterbahnfahrt schon mal mitgemacht?

Höwedes: Wir haben 110 Minuten lang einen Freudentaumel sondergleichen erlebt – sowohl wir auf dem Platz als auch auf den Rängen. Wir haben wirklich daran geglaubt, dass wir die Partie nach der Hinspiel-Niederlage noch rumreißen können. Auch wenn wir in Amsterdam ein schlechtes Spiel gemacht haben, haben wir diese Partie mit dem Rückspiel endgültig vergessen gemacht. Ich sage es ja, manchmal ist der Fußballgott einfach nicht gerecht.

Frage: Gab es vor der Partie noch eine besondere Ansprache oder etwas ähnliches, dass sich die Mannschaft dann so leidenschaftlich präsentiert hat?

Höwedes: Jeder war heiß auf dieses Spiel. Jeder wollte das Spiel aus der Vorwoche in Amsterdam wieder gutmachen. Es war eine absolute Pflichtaufgabe für uns, uns besser zu präsentieren. Wir haben das so toll gemacht, ich kann nur ein Riesenlob an die Mannschaft aussprechen. Wir haben so Gas gegeben und uns nie aufgegeben, auch nach dem Gegentor zum 3:1 nicht.

"Mental richtig was rausgehauen"

Frage: War die internationale Bühne noch einmal eine Zusatzmotivation?

Höwedes: In der Bundesliga sind wir weit weg von dem, was wir uns vorgenommen haben. Der Europapokal war für uns eine Riesenchance, für diese Saison doch noch ein schönes Ende zu haben. Wir haben so fest daran geglaubt. Wie gesagt – ein Riesenkompliment an alle.

Frage: Stand Leon Goretzka in dieser Partie symbolisch für den Willen und den Kampf, den Schalke abgeliefert hat? Er war schon vor der Pause angeschlagen, hat dann aber noch bis zur 84. Minute durchgehalten, bis er benommen vom Platz geführt werden musste.

Höwedes: Er hat alles gegeben, was in seinem Körper steckte. Er hat uns mit seinem wichtigen Tor zum 1:0 erst den Weg geebnet Richtung Sieg. Er hat uns Hoffnung gegeben mit seinem Tor. Wir sind sehr stolz auf ihn, dass er das Spiel so durchgestanden hat. Ich hatte schon in der Halbzeit das Gefühl, dass er angeknockt war. Er hat die Pause auch mehr bei den Therapeuten als bei uns verbracht. Alle Hochachtung, dass er sich so für uns aufgeopfert hat.

Frage: Wie schwer ist es jetzt, diese Enttäuschung wieder wegzuwischen und sich auf die restlichen Spiele in der Bundesliga zu konzentrieren?

Höwedes: So blöd es sich nach einem Ausscheiden auch anhört – wir haben gewonnen, wir haben tollen Fußball gespielt. Wir haben mental richtig was rausgehauen. Das sind Sachen, die wir uns auch am Tag danach noch einmal vor Augen halten müssen. Wir haben jetzt leider noch ein paar Verletzte hinzubekommen, was uns richtig weh tut. Aber dann müssen am Sonntag eben andere Spieler in die Bresche springen und auch einen starken Leon Goretzka ersetzen.

Video: #S04RBL - Wegweisendes Duell

"Was haben wir uns vorzuwerfen?"

Frage: Der Bundesligaspielplan meint es nicht unbedingt gut mit Schalke, denn mit RB Leipzig kommt am Sonntag ein richtig großes Kaliber.

>>> Alle Infos zu #S04RBL im Matchcenter

Höwedes: Natürlich wartet mit Leipzig eine richtig schwere Aufgabe auf uns, aber jetzt sitzt die Enttäuschung auch bei mir erst mal tief. Es ist am Sonntag ein ganz wichtiges Spiel für uns und wir müssen unsere Kräfte irgendwie bündeln. Aber noch fällt es auch mir schwer, die richtigen Worte dafür zu finden.

Frage: Kann die Mannschaft überhaupt in so kurzer Zeit bis Sonntag das Positive aus dem Aus in der Europa League herausfiltern und mitnehmen?

Höwedes: Wir sind auch nur Menschen und haben Gefühle. Die Enttäuschung sitzt tief, aber trotzdem: Was sollen wir uns vorwerfen? Nichts aus meiner Sicht, weil wir vieles richtig gemacht haben. Nur sind wir leider trotzdem nicht weitergekommen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

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