Bundesliga

21.06.2016 - 12:38 Uhr


Leverkusen: Die Werkself ist bereit für groSSe Taten

Ein typisches Bild der kommenden Saison? Bayer Leverkusen könnte 2016/17 eine sehr gute Rolle spielen

Julian Baumgartlinger (2.v.l.) verstärkt das Leverkusener Mittelfeld und spielt in der kommenden Saison gemeinsam mit Hakan Calhanoglu (r.)

Köln - Wenn sich zwei streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. Bezogen auf den Titelkampf der kommenden Bundesliga-Saison stellt sich die Frage, wer dies sein könnte. Angenommen, die Streithähne sind der FC Bayern München und Borussia Dortmund: Wer ist dann der lachende Dritte? Ein Team, das sich bei genauerer Analyse aufdrängt, ist Bayer Leverkusen. Sollte das Spitzenduo ein wenig schwächeln, könnte die Werkself tatsächlich um den Titel mitspielen.

Wie stark die Mannschaft von Roger Schmidt wirklich ist, bewies sie schon in der Endphase der vergangenen Saison. Aus den letzten zehn Spielen holte Bayer ganz starke 25 Punkte. Der FC Bayern holte in diesem Zeitraum nur einen Zähler mehr, der BVB sogar vier weniger. Leverkusen als Bayern-Jäger Nummer 1? Es gibt gute Argumente, warum Leverkusen diese überragende Form im kommenden Jahr konstant bestätigen kann.

1) Das Team ist eingespielt und fit

Beim FC Bayern München sitzt mit Carlos Ancelotti ein neuer Trainer auf der Bank und der BVB verliert mit Mats Hummels und Ilkay Gündogan zwei Schlüsselspieler der vergangenen Jahre. Die Werkself bleibt hingegen - stand jetzt - zusammen. Lediglich Christoph Kramer wechselt zu Borussia Mönchengladbach. Der defensive Mittelfeldspieler konnte in Leverkusen allerdings nie an seine ganz starke Zeit bei der Borussia anknüpfen und war in der vergangenen Saison nicht immer erste Wahl.

Video: Die herausragende Fitness der Werkself

2) Neuzugänge erhöhen die Qualität

Die Planstelle von Christoph Kramer nimmt Julian Baumgartlinger vom 1. FSV Mainz 05 ein. Der ehemalige Mainzer Kapitän ist ein etwas anderer Spielertyp als der Weltmeister von 2014 und besticht vor allem durch Führungs- und Zweikampfstärke (zum Porträt). "Ein Charakter-Spieler mit Führungsqualitäten, ehrgeizig, körperlich stark und mit strategischen Fertigkeiten. Er wird das Niveau unserer Mannschaft heben und den Konkurrenzkampf erhöhen", ist Bayer-Sportdirektor Rudi Völler von den Fähigkeiten des Österreichers überzeugt.

Darüber hinaus verstärkt Kevin Volland die schon zuvor üppig besetzte Leverkusener Abteilung Attacke. In der vergangenen Saison steckte der 23-Jährige - wie viele seiner Hoffenheimer Teamkollegen - über weite Strecken in einem Formtief.

An der Seite von Chicharito, Bellarabi, Brandt und Co. will sich der sechsfache Nationalspieler weiterentwickeln und zu einer festen Größe in der Werkself wie im Nationalteam reifen. Und das aggressive Offensivspiel von Roger Schmidt scheint wie geschaffen für den dynamischen Volland. Es spricht viel dafür, dass die Offensive der Rheinländer in der kommenden Saison nur schwer zu stoppen sein wird.

3) Aranguiz direkt voll da

Obwohl Charles Aranguiz schon im Sommer 2015 nach Leverkusen wechselte, ist der Chilene fast so etwas wie ein Neuzugang. Wegen eines Achillessehnenrisses fiel der technisch beschlagene Mittelfeldakteur fast die komplette Saison aus und konnte erst in der Endphase zeigen, was er kann. In den letzten fünf Partien spielte der 27-Jährige jeweils durch und deutete mit zwei Toren und einem Assist seine großen Fähigkeiten an.

Video: Die erste Saison von Charles Aranguiz

Bei der Copa America ist er ein wichtiger Baustein der chilenischen Mannschaft. Bis zum Halbfinale landeten bei Aranguiz lediglich 13 seiner 230 Pässe beim Gegner. Mit seiner Passquote von 94 Prozent übertrifft er sogar seinen Partner in der Nationalmannschaft, Bayerns Arturo Vidal (90 Prozent). Bleibt er verletzungsfrei, ist er ein ganz wichtiger Spieler für Roger Schmidt.

4) Automatismen greifen

Roger Schmidt verlangt viel von seiner Mannschaft. "Entweder wir haben den Ball und versuchen, schnell nach vorne zu spielen. Oder der Gegner hat den Ball, und wir versuchen schnell zu attackieren. Oder es gibt den Moment des Ballbesitzwechsels. In jedem Fall sind die Spieler gefordert, sich sofort auf eine neue Situation einzustellen und darauf zu reagieren", erklärte Schmidt in der Anfangsphase in Leverkusen seine Philosophie.

In den letzten zwei Jahren funktionierte das nicht immer so, wie es sich der Bayer-Coach vorstellte, aber mittlerweile haben die Spieler seine Vorgaben verinnerlicht - ein ganz großes Plus für die kommende Saison.

Bayer ist der Favorit der Nicht-Favoriten

Die Aussichten der Werkself für die nächste Saison sind zweifellos sehr gut. Zum Titelfavoriten macht das Bayer zwar nicht, aber bei optimalen Saisonverlauf könnte Leverkusen Bayern München und Borussia Dortmund richtig ärgern. Und wer weiß: Vielleicht freut sich im Sommer 2017 ja tatsächlich der Dritte.

Florian Reinecke

>>> Die erste Bundesliga-Saison von Chicharito im Video

Weitere Artikel
#BLFantasy
#BLTippspiel
Zu- und Abgänge

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH