Bundesliga

09.03.2017 - 14:33 Uhr


Bayer will mit Korkut zum "Minimalziel" Europa League

Tayfun Korkut soll Bayer Leverkusen doch noch nach Europa führen

Leverkusen - An diesem Freitag soll für Bayer 04 Leverkusen nach dem Trainerwechsel von Roger Schmidt zu Tayfun Korkut mit einem Heimsieg gegen den SV Werder Bremen die Aufholjagd Richtung Europapokalplätze beginnen. Korkut verspricht vor seinem Debüt für Bayer mit Elan: "Wir werden alles ran setzen, das Ziel, international dabei zu sein, in Angriff zu nehmen."

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Der Trainerwechsel soll laut Sportdirektor Rudi Völler noch einmal Energien freisetzen, um das "Minimalziel Europa League" zu erreichen. Derzeit hat Bayer als Tabellenachter mit 30 Punkten fünf Zähler Rückstand auf Eintracht Frankfurt auf Tabellenrang 6, die TSG 1899 Hoffenheim auf Champions-League-Rang 4 scheint mit 41 Punkten hoffnungslos enteilt.

Vier Trainingseinheiten nur wird der 42 Jahre alte ehemalige türkische Nationalspieler und EM-Teilnehmer 1996 und 2000 bis zum Anpfiff mit seiner neuen Elf absolviert haben. Viel Zeit ist das nicht, weswegen der gebürtige Stuttgarter "nicht alles umkrempeln will", er sagt: "Alles über den Haufen zu werfen und nur nach den eigenen Ideen zu gehen, dafür ist die Zeit zu kurz." Seinen Vorgänger Roger Schmidt kennt er sehr gut, die beiden machten 2011 zusammen den Fußballlehrerschein, Korkut nennt Schmidt "einen Freund". Der neue Trainer wird vor allem versuchen, der hochtalentierten Bayer-Elf mehr Stabilität in der Defensive zu verleihen - ohne dass diese ihre Schlagkraft in der Offensive verliert.

Video: Korkut - volle Konzentration

Dabei vertraut Korkut seiner grundsätzlichen Herangehensweise in diesem Beruf: Ein Trainer brauche eine Idee, aber es gehe immer um drei Säulen, erklärte Korkut vergangenen August bundesliga.de im exklusiven Interview seine Herangehensweise: "Erstens: Die Eigenschaften der Spieler. Zweitens: Die Kultur des Vereins, und was für eine Art des Fußballs erwartet wird. Und Drittens: Der Trainer mit seiner Spielidee. Diese drei Säulen sollten sich respektieren und bestenfalls zusammenkommen."

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In Kaiserslautern klappte das zuletzt nicht, Korkut beendete an Weihnachten sein Engagement in der Pfalz vorzeitig. Wie schon in Hannover aber suchte der Familienvater auch beim 1. FC Kaiserslautern den engen Austausch mit den Spielern. Die Kommunikation mit den Profis ist diesem Trainer sehr wichtig. Korkut kann auf einen großen Erfahrungsschatz als Spieler und Trainer zurückgreifen und wurde von vielen verschiedenen Fußballkulturen geprägt. Drei spätere Weltmeistertrainer beeinflussten seine Sicht auf den Fußball besonders.

Gelernt bei drei Weltmeistertrainern

Als Spieler bei Fenerbahce Istanbul trainierte er unter Joachim Löw und dem Brasilianer Carlos Alberto Parreira, bei Besiktas unter dem Spanier Vicente del Bosque. In Spanien spielte Korkut, der sagt, er neige dazu, den offensiven Gedanken dem defensiven vorzuziehen, für Real Sociedad San Sebastian und Espanyol Barcelona. Erste Erfahrungen nach der Arbeit im Nachwuchsbereich in San Sebastian, Hoffenheim und Stuttgart sammelte Korkut dann als Co-Trainer von Abdullah Avci bei der türkischen Nationalmannschaft (2012-2013). Aus der Zeit stammt auch der Kontakt zu Rudi Völler und Bayer.

>>> Tayfun Korkut übernimmt Bayer 04 Leverkusen

Nun also soll Korkut Leverkusen wieder in die Spur bringen. Einen so hochklassigen Kader hat Korkut, der seinen langjährigen Co-Trainer Xaver Zembrod mit ins Rheinland bringt, noch nie trainiert. Vielleicht kommt deshalb seine grundlegend auf Spielgestaltung ausgerichtete Spielidee bei Bayer besser zum Tragen. Seine Mannschaft solle agieren, nicht reagieren, sagt er. Und sie solle die Kontrolle haben bei eigenem Ballbesitz und auch bei Ballbesitz des Gegners: "Der Ballbesitz muss aber immer zielführend dahingehend sein, um das zu schaffen, um was es im Fußball geht - nämlich ein Tor zu machen. Auch Geschwindigkeit und schnelle Läufe in die Tiefe sind wichtig. Wenn der Gegner den Ball hat, dürfen wir ihm keine Ruhe gönnen. Der Grundgedanke ist immer, nicht abzuwarten, sondern eher ein Schritt nach vorne zu machen als einen nach hinten."

Bewerbung für langes Engagement

Viele dieser Ideen waren schon Spielphilosophie dieser Bayer-Mannschaft unter Roger Schmidt. Vielleicht findet die Elf unter Korkut jene Balance, die sie unter Schmidt in dieser Saison zu selten auf den Platz gebracht hat.

Gelingt das, ist für Bayer Leverkusen in dieser Saison das Erreichen des Minimalziels Europa League doch noch möglich. Für Korkut bedeutet das zunächst bis Saisonende befristete Engagement bei Bayer eine große Chance, sich zu präsentieren. Schafft er das Ziel, winkt ihm womöglich eine Anstellung über das Saisonende hinaus.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Schächter

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