Bundesliga

21.09.2016 - 13:18 Uhr


Schalkes Abdul Rahman Baba: "Die Rückkehr in die Bundesliga ist wie Nach-hause-kommen"

Gelsenkirchen - Nach drei Niederlagen steht der FC Schalke 04 vor der Partie gegen den 1. FC Köln unter Druck. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der vom FC Chelsea ausgeliehene Neuzugang Abdul Rahman Baba über die schwierige Situation bei den Königsblauen, über seine ersten Erfahrungen mit den Schalker Fans und über die Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Premier League.

bundesliga.de: Abdul Rahman Baba, nach der couragierten Leistung gegen den FC Bayern München und dem überzeugenden Sieg in Nizza schien der FC Schalke 04 auf einem guten Weg auch für die Bundesliga. Wie erklären Sie sich den Rückschlag beim 0:2 in Berlin?

Abdul Rahman Baba: Das ist eine schwierige Frage. Gegen Bayern München und gegen Nizza haben wir uns viel Selbstvertrauen holen können. Und doch haben wir in Berlin in der ersten Halbzeit nicht so agiert, wie wir es können und vorher schon gezeigt haben. Am Anfang der zweiten Halbzeit war es zunächst zwar besser. Dann aber sind uns innerhalb von zehn Minuten zwei Fehler passiert, die beide zu Toren geführt haben. Und mit dem Spiel von Donnerstag war es dann schwer dieses 0:2 in der verbleibenden Viertelstunde doch noch wettzumachen.

bundesliga.de: Sie persönlich haben nach der Top-Leistung und dem Tor aus dem Nizza-Spiel auch gegen Berlin eine recht ordentliche Partie gemacht.

Baba: Es war vielleicht keine Katastrophe, aber wirklich zufrieden war ich mit meiner Leistung in Berlin nicht.

bundesliga.de: Nun kommt mit dem 1. FC Köln eine sehr defensivstarke Mannschaft in die VELTINS-Arena, die noch keinen Gegentreffer hinnehmen musste, während Schalke noch kein einziges Tor in der Bundesliga erzielt hat...

Baba: Das ist ohne Frage eine schwierige Situation für uns. Der 1. FC Köln ist eine sehr gute Mannschaft, die sich seit längerem kontinuierlich steigert. Nichtsdestotrotz brauchen wir diese drei Punkte. Und ich bin trotz unserer bisherigen Ergebnisse positiv gestimmt. Zum einen wissen wir, dass wir über große Qualität im Kader verfügen, zum anderen setze ich auf die fantastische Unterstützung unserer Fans. Auf Schalke hat es im Sommer einen großen Umbruch gegeben, bei den handelnden Personen und auch im Kader. Bis das alles zusammengewachsen ist, braucht es einfach etwas Zeit.

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bundesliga.de: Sie kennen Trainer Markus Weinzierl bereits aus Ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Augsburg. Wie reagiert er auf die schwierige Situation, hat er sich verändert?

Baba: Ich erlebe den Trainer so, wie ich ihn bereits in Augsburg kennengelernt habe. Er hat für jeden seiner Spieler ein offenes Ohr und hört dir zu, wenn du ein Problem hast. Für mich ist natürlich besonders wichtig, dass er mir das Gefühl gibt, unbedingt an mich zu glauben. Das ist sehr wichtig, gerade für einen jungen Spieler. Und wie in Augsburg legt er auch auf Schalke viel Wert auf das Spiel über die Außenbahnen. Das kommt mir als offensiv ausgerichteter Außenverteidiger besonders entgegen.

bundesliga.de: Neben Weinzierl ist auch eine Schalker Ikone für Sie ein alter Bekannter...

Baba: Sie meinen natürlich Gerald Asamoah, mit dem ich eine Saison lang ich Fürth gespielt habe! Ich bin unglaublich stolz, dass ich mit der "14" ausgerechnet seine ehemalige Rückennummer tragen darf. Gerald ist ein Freund und ein toller Typ, mit dem es immer viel Spaß gibt. Ich bin sehr oft beim ihm zuhause. Wir reden dann einfach, mal über Schalke, aber natürlich auch über unser gemeinsames Geburtsland Ghana.

bundesliga.de: Sie sind nun seit einigen Wochen zurück in der Bundesliga. Anpassungsschwierigkeiten scheinen Sie – wohl auch dank Ihrer Fürther und Augsburger Zeit - kaum zu haben.

Baba: Das stimmt. Ein bisschen war und ist es für mich wie Nach-hause-kommen, wenn ich in Stadien wie die Commerzbank-Arena in Frankfurt oder das Olympiastadion in Berlin einlaufe. Und die VELTINS-Arena bei Heimspielen im Schalke-Trikot zu erleben, das ist natürlich das Highlight.

bundesliga.de: Wie empfinden Sie Schalke und seine Fans bisher?

Baba: Schalke ist für mich ein absoluter Top-Club der Bundesliga. Und obwohl auch die Fans in Augsburg großartig waren, muss ich sagen, dass ich solche Begeisterung wie auf Schalke noch nie erlebt habe. Unglaublich, in welcher Art und Weise und vor allem auch in welcher Zahl uns die Fans in der Europa League in Nizza unterstützt haben. Ich glaube, es waren rund 2.000, die die weite Anreise auf sich genommen haben. Das war – entschuldigen Sie den Ausdruck – einfach nur geil!

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bundesliga.de: Sie haben mit dem FC Chelsea ebenfalls international gespielt, sogar in der Champions League. War dort die Unterstützung der Fans bei Auswärtsspielen geringer?

Baba: Der FC Chelsea ist ein großer Club, der die Champions League bereits einmal gewinnen konnte. Klar, dass auch die "Blues" eine große Anhängerschaft haben. Trotzdem ist Schalke ganz anders. Zwar habe ich keine Zahlen parat. Aber rein gefühlsmäßig würde ich sagen, dass die Reisebereitschaft der Schalker Fans weit größer ist.

bundesliga.de: Wie unterscheiden sich die Bundesliga und die Premier League, weniger bezüglich ihrer Infrastruktur als vielmehr in Bezug aus das Spiel selbst?

Baba: Ich denke, dass die Spielweise in der Premier League eine robustere, noch körperbetontere ist als die in der Bundesliga. In der Bundesliga dagegen wird der feinere Fußball gespielt. Das alte Klischee, dass in England die Bälle nur lang von hinten herausgeschlagen werden, stimmt zwar nicht mehr, und großartige Fußballer und Techniker gibt es in beiden Ligen. Aber der Fußball in der Bundesliga ist taktisch noch ausgefeilter als der in der Premier League.

bundesliga.de: Sie selbst sind ohne Frage ein feiner Fußballer. War das einer der Gründe, warum es für Sie bei Chelsea nicht so gut gelaufen ist?

Baba: Ich denke, dass es eine ganze Reihe von Faktoren waren, die zusammengekommen sind. Der damalige Trainer José Mourinho wollte mich unbedingt verpflichten. Schon von Anfang an aber hatte unsere Mannschaft große Schwierigkeiten. Zum Auftakt gab es damals nur ein 2:2 gegen Swansea. Und am 2. Spieltag waren wir beim 0:3 bei Manchester City chancenlos, so dass Chelsea als damals amtierender Meister von Beginn an großem Druck ausgesetzt war. Neue Spieler haben es dann naturgemäß besonders schwer.

bundesliga.de: Und als man im Dezember 2015 nur 16. war, trennte man sich von Ihrem Fürsprecher Mourinho.

Baba: Richtig. Unter Übergangstrainer Guus Hiddink habe ich in der Rückrunde zwar durchaus meine Einsatzzeiten bekommen. In der Sommervorbereitung auf die jetzige Saison aber hat mir der neue Trainer, Antonio Conte, gesagt: "Baba, Du bist ein sehr guter Spieler. Aber wir spielen nicht international, keine Champions League (Chelsea wurde in der Saison 2015/16 nur 10.; d. Red.) und haben deshalb weniger Spiele. Deshalb wirst Du bei mir nur wenig Einsatzzeit bekommen". Als dann das Angebot von Schalke kam, war für klar „Das musst du machen! Schalke ist ein super Club, und der Trainer baut auf dich. Besser kann es gar nicht kommen!“.

bundesliga.de: Nun sind Sie für diese Saison zunächst nur ausgeliehen. Bringt das ein kleines Identifikationsproblem mit sich, weil man nicht weiß, ob man im kommenden Sommer noch königsblauer Schalker oder doch wieder einer der Londoner "Blues" sind?

Baba: Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich denke jetzt nur an Schalke und fühle mich auch hundertprozentig als Schalker. Ich kann nicht voraussagen, ob alles so klappt, wie wir uns das jetzt vorstellen. Aber ich kann versprechen, dass ich alles, wirklich alles für diesen Club geben werde.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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