EM 2016

30.06.2016 - 16:00 Uhr


Comans Psychotest gegen Finnbogason und Bödvarsson

Obacht: Kingsley Coman warnt vor Island

Paris - Wenn Frankreich und Island am Sonntag im EM-Viertelfinale aufeinandertreffen, sind auch drei Bundesligaspieler dabei. Kingsley Coman und Jon Dadi Bödvarsson haben bislang alle vier EM-Spiele ihrer Teams mitgemacht. Und auch Alfred Finnbogason hat zum bisherigen Erfolg der Isländer beigetragen.

Christoph Dugarry schwante Böses. "Es gibt nichts Schlimmeres“, sagte das Mitglied der französischen Weltmeister-Mannschaft von 1998, als er erfuhr, dass es gegen Island geht. Es bestehe die Gefahr, dass man unterbewusst den Gegner unterschätze. "In Sachen Motivation ist so ein Spiel ganz schwer vorzubereiten.“ Kingsley Coman würde am Sonntag liebend gerne zeigen, dass sich der Alt-Internationale täuscht. Und zumindest aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen seinen Einsatz. Der Schlag auf den Knöchel, erhalten im Irland-Spiel, ist ausgeheilt. Coman brennt auf einen Einsatz.

Zwei Mal wurde er bislang eingewechselt, zwei Mal stand er in der Stammelf. Dass er alle Spiele mitmachen würde, hatte ihm vorher kaum einer zugetraut. Mit fehlendem Respekt vor dem allgemein anerkannten Riesentalent hatte das nichts zu tun. Eher mit der Einschätzung, dass ein Spieler, der vor ein paar Tagen erst 20 Jahre alt geworden ist, vielleicht noch etwas Zeit braucht.

Kritik an Guardiola? Von wegen.

Derweil wurde in einigen Medien kolportiert, Coman habe dezente Kritik an seinem bisherigen Bayern-Trainer Pep Guardiola geäußert. Und tatsächlich betonte der Youngster im Interview mit der Tageszeitung "Le Parisien“, dass er in der Nationalmannschaft taktisch nicht so festgelegt sei wie beim deutschen Rekordmeister, dass er auch nach innen ziehen dürfe und weniger nach hinten arbeiten müsse. Nach einer Kritik klang das allerdings nicht, eher nach der Beschreibung unterschiedlicher Trainerphilosophien.  

Allerdings lobte Coman seinen bisherigen Vereinscoach in dem gleichen Interview mehrfach. So habe der Spanier ihm "viel Vertrauen entgegengebracht und mir die Gelegenheit gegeben, zu spielen". Guardiola habe ihn nach missratenen Dribblings immer wieder ermuntert, es noch einmal zu versuchen. Über den Wechsel zum FC Bayern sagt er: "Ich glaube, das ist das Beste, was mir passieren konnte."

>>> Zum Artikel: Kingsley Coman geht mit Bayern-Schwung in die Heim-EM

Mit Island auf der Euphoriewelle 

Comans Nationaltrainer Didier Deschamps hat bislang alle EM-Spiele in voller Länge gesehen, das Ausscheiden der Engländer gegen Island hat er sich in allen Einzelheiten zu Gemüte geführt. Dass die "Three Lions“ auch deswegen verloren haben, weil sie mit ihrem 4-3-3-System im Mittelfeld keinen Zugriff bekamen, dürfte ein Argument für das 4-4-2-System sein, das Frankreich auch beim hochverdienten Sieg gegen Island gespielt hat – mit Coman. Und wer dessen Trainer kennt, weiß: Hätte er den Eindruck, dass tatsächlich einer seiner Spieler unterschätzen könnte, würde der ihn von seiner ganz unangenehmen Seite kennenlernen.

Für zwei Kollegen aus der Bundesliga ist die Partie am Sonntag hingegen zumindest auf den ersten Blick mit weniger Druck verbunden: Jón Dadi Bödvarsson vom 1. FC Kaiserslautern und Alfred Finnbogason vom FC Augsburg sind schließlich Teil eines Teams, das – gemessen an den Erwartungshaltungen – kein Spiel gewinnen musste, aber drei von vier Matches dennoch gewann. Dementsprechend euphorisch ist die Stimmung im Land, dementsprechend massiv fliegen den sympathischen Underdogs die Sympathien der Fans zu, deren Teams bereits ausgeschieden sind.

Umgekehrte Verhältnisse

Dabei ist das Turnier für beide bislang sehr unterschiedlich verlaufen. Während Bödvarsson in allen vier Spielen in der Startformation stand und gegen Österreich den ungeheuer wichtigen Führungstreffer erzielte, kommt Finnbogason bislang lediglich auf eine halbe Turnierstunde, gegen Ungarn und gegen Portugal wurde er eingewechselt.

Das sind umgekehrte Verhältnisse wie in der Bundesliga, wo der Augsburger nach seinem Wechsel nach Augsburg eine fulminante Halbserie mit sieben Treffern in 14 Spielen hinlegte, während sein Lauterer Kollege in 15 Spielen zwei Mal traf. Seine große Stärke, die ihn auch für die Isländer so wertvoll macht, zeigte er jedoch auch in der Pfalz: Vier Assists gingen auf das Konto des kampfstarken Angreifers.

>>> Zum Artikel: Finnbogason ist Islands EM-Hoffnung

Von Christoph Ruf

Video: Kingsley auf dem Weg zum King

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