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11.08.2014 - 17:08 Uhr


Ein Mythos in Schwarz-Gelb

Hier fing alles an: In der Gaststätte Wildschütz gründeten 18 Männer den Ballspielverein Borussia (Foto © Imago)

Der Dortmunder Borsigplatz ist Teil des BVB-Mythos und Ort großer Feierlichkeiten der Borussia

Dortmund - Kein Zweifel: Borussia Dortmund gehört zur Beletage des deutschen Fußballs, hat in Europa einen guten Namen. Aber woher kommt dieser Verein? Wie entstand der Mythos Borussia, der alle zwei Wochen über 80.000 Fans in den heimischen Signal Iduna Park pilgern und Millionen weltweit mitfiebern lässt? Was macht diesen Club aus, der gegen den FC Bayern zurück in die Spur finden will?

Wer Borussia Dortmund verstehen will, muss in die Geschichte zurückblicken. Gerd Kolbe, Archivar des BVB, weiß, wo dieser Klub seinen Ursprung hat: "Es ist ein Verein aus dem Dortmunder Norden, aus der Arbeiterschaft, der sich 1909 als Underdog gegründet hat. Eine sehr verschworene Gemeinschaft hat sich damals aufgemacht, es den Südlichen in Dortmund - den Arrivierten und Wohlhabenden - zu zeigen. "Der große Zusammenhalt und der Willen, sich ganz oben zu etablieren, "sind noch immer die Triebfeder, warum dieser Verein mit so viel Verve an die aktuellen Aufgaben geht", meint Kolbe.

Zunächst aber galt es damals, die Widerstände im eigenen Umfeld zu überwinden. Denn die fußballbegeisterten jungen Männer waren allesamt Mitglieder der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde, die immer sonntags ihrem Hobby frönten. Das allerdings sehr zum Unwillen des dortigen Kaplans Dewald. Der lehnte den Fußball als Fußlümmelei ab, predigte von der Kanzel gegen die Männer und ihren Sport und ließ über seine Getreuen auch mal Taten sprechen. "Da wurden Torpfosten und Latten, die bei einem Bauern untergebracht waren, einfach mal geklaut oder angesägt. Es waren wenig subtile Aktionen, um den jungen Männern das Fußballspiel zu verleiden", lacht Gerd Kolbe.

Immer auch widerborstig

Das aber machte die Jungs nur noch stärker und ließ sie für ihre Überzeugung noch engagierter einstehen. In einer Form von Kirchenrebellion sagte man sich 1909 von der katholischen Kirche los und rief in der Gaststätte Wildschütz den Ballspielverein Borussia ins Leben. Für Kolbe ist "genau das einer der Wesenszüge der Borussen geworden, der sicher etwas mit dem historischen Mythos zu tun hat. Der Verein war immer auch widerborstig, in diesem Fall gegen die katholische Kirche."

Der Verein selbst blieb tief im Milieu der Dortmunder Nordstadt - einer Hochburg der Antifaschisten - verwurzelt. Bis in die späten Kriegsjahre arbeiteten Nationalsozialisten, Kommunisten, Sozialdemokraten und Bürgerliche zum Wohl des Vereins zusammen. "Hier spiegelt sich die widerborstige Haltung wider: Wir sind nicht stromlinienförmig, wir lassen uns nicht in eine Schublade packen. Wir suchen unseren eigenen Weg, auch wenn er dornenreich ist und wir damit anecken", erläutert Gerd Kolbe. Und hier zeigt sich für ihn auch der Grundgedanke eine großen Fußballfamilie: "Ohne den inneren Zusammenhalt wäre all das nicht möglich gewesen."

Rettung durch "Kobra" Wegmann

Natürlich waren es in den Folgejahren auch Titel und Triumphe, die den Mythos Borussia festigten. Wie die Doppelmeisterschaft in den 50er Jahren, als man zwei Mal in Folge mit der exakt gleichen Mannschaft Meister wurde. Aber eben auch jene anderen Momente, in denen  der Verein aus einem Moment  der Schwäche umso stärker wieder hervorging. "Aus dem Abstieg 1972 ist der BVB erwachsen wie Phoenix aus der Asche", erinnert Kolbe. Oder auch die Relegation 1986: Nur einen Schritt vom erneuten Abstieg entfernt rettete Jürgen "Kobra" Wegmann die Borussia mit einem Treffer in letzter Minute.

Wegmann wird bei den Dortmunder Fans auch heute noch ganz oben auf dem Heldenolymp angesiedelt, ist damit selbst ein Teil des Mythos. Für Gerd Kolbe gibt es aber eine andere Person, die diesen Rahmen noch viel mehr ausfüllt: "Auch wenn er es selbst nicht gerne hört, zählt ohne Zweifel Dr. Reinhard Rauball dazu. Macht man den Mythos an Personen fest, ist er die Gallionsfigur." Drei Mal hat der heutige BVB-Präsident den Verein 1979, 1986 und 2005 quasi vor dem Absturz ins Nichts gerettet.

Großer Dank an Dr. Rauball

Bei der fulminanten Finanzkrise 2005 hing das Fortbestehen des gesamten Vereins am seidenen Faden, als Dr. Rauball sich wieder in die Pflicht nehmen ließ. "Die Menschen sind ihm unheimlich dankbar, dass es den BVB in dieser Form von heute noch gibt", weiß Kolbe.

Und so sind es die Geschichten, die eine tragische Komponente haben, aber auch jene Momente überschwänglicher Freude nach großen Erfolgen, die den Mythos Borussia bis heute ausmachen. Auch aus der bislang größten Krise des Vereins gingen die Dortmunder gestärkt heraus, entdeckten ihren Zusammenhalt neu. Die Deutsche Meisterschaft 2011 und das erste Double der schwarz-gelben Historie 2012 tragen aber auch den Namen einer Person, die für Archivar Gerd Kolbe "in ihrer ganzen Art in diese Phalanx von 1909 bis zur Gegenwart sehr gut hinein passt": Jürgen Klopp, Trainer seit 2008, längst selbst ein Teil des personenbezogenen Mythos.

"Dieses Ursprüngliche, Unangepasste und Widerborstige, das auch er verkörpert, passt unheimlich gut zur Historie von Borussia Dortmund", ist Gerd Kolbe überzeugt. "Und das ist der Stoff, aus dem Legenden entstehen."

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Dietmar Nolte

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