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25.08.2014 - 17:40 Uhr


"Hart arbeiten und dann besser machen"

Kein Durchdringen. Auch Henrikh Mkhitaryans Schuss wird von Ömer Toprak abgeblockt

Rästelraten. Trainer Jürgen Klopp und Kapitän Marco Reus sprechen über die Gründe für die Niederlage gegen Bayer 04

Hängende Köpfe bei den BVB Stars Henrikh Mkhitaryan und Ciro Immobile (mitte)

Nach der Niederlage zum Saisonauftakt ist beim BVB im Training ordentlich Pfeffer drin. Bis zum Spiel am Freitag in Augsburg muss Jürgen Klopp am Spielsystem und am Selbstvertrauen gleichermaßen feilen, um den Vize-Meister wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Vermutlich hatte Klopp in der 83. Minute der Partie gegen Bayer Leverkusen kein Auge für die Anzeigentafel im Stadion. Ein Blick hätte ihm vermutlich auch nur noch mehr Falten auf die Stirn getrieben. Die Statistik für die meisten Torschüsse war dort eingeblendet. Auf Seiten des BVB stand nur der Name Ginter, seines Zeichens Innenverteidiger. Anzahl der Schüsse:1.

Klopp: "Wir waren nicht wach"

Zwar hatte Dortmund seine Bilanz bis zum Ende des Spiels noch auf schmeichelhafte elf Schüsse aufgehübscht. Doch die Statistik aus der 83. Minute sprach Bände und wird Klopp und seine Mannschaft in dieser Trainingswoche deutlich mehr beschäftigen als die 0:2-Niederlage gegen die ambitionierte Bayer-Elf an sich.

Natürlich war auch die Heimpleite so nicht eingeplant, ebenso wenig wie das schnellste Gegentor der Liga-Geschichte nach nur neun Sekunden. Das aber kreidete der Trainer sich mit an: "Das war so schlecht, das können die Jungs nicht alleine verbockt haben. Wir waren nicht wach. Und für die Einstellung bin ich zuständig."

Was aber noch mehr für nachdenkliche Gesichter sorgte: Der bekannte Vollgasfußball Marke BVB fand zum Saisonauftakt überhaupt nicht statt - höchstens auf der anderen Seite. Bayer machte der Borussia vor allem in einer fulminanten ersten Halbzeit mit extremem Pressing immer wieder vor, wie es geht. Bei der Borussia aber ist man nach Spieltag eins auf der Suche nach aggressivem Anlaufen, schnellem Umschalten und klugem Aufbauspiel inklusive Torgefahr gleichermaßen.

Kein Konzept gegen Bayers Pressing

Problem eins: Gegen das Pressing der Gäste hatte der BVB kein Rezept. "Leverkusen hat uns sein Spiel aufgedrückt", wunderte und ärgerte sich Matthias Ginter gleichermaßen. Zwar betonten alle Spieler, auf dieses Spiel vorbereitet gewesen zu sein. "Wir wussten vorher, dass Leverkusen ein sehr gutes Pressing spielt. Wir haben vorher auch das Spiel von Bayer in Kopenhagen gesehen", erzählte Lukasz Piszcek. Aber statt etwa die Seiten zu wechseln und Bayers verwaiste Flanke zu nutzen, um selbst schnell nach vorne zu spielen, ließ sich Dortmund von drei, vier heranstürmenden Leverkusenern festsetzen. "Vielleicht waren wir im Kopf nicht richtig bereit für so etwas. Es hat irgendwie am Selbstvertrauen gefehlt, um auf dieses Pressing eine Antwort zu haben", vermutet Dortmunds polnischer Außenverteidiger.

Problem zwei: Selbst wenn man das Forechecking der Gäste überstanden hatte, fiel dem BVB nicht viel ein. Kein geordneter Aufbau, nahezu keine Ideen, weitgehend Ratlosigkeit - das war auch für Marco Reus eine unangenehme Überraschung: "Wir haben uns nichts zugetraut. Wir haben uns schwer getan im Spielaufbau und haben uns keine richtigen Chancen herausgespielt - dann können wir auch keine Tore schießen."

Reus, der die Mannschaft gegen Leverkusen als Kapitän aufs Feld geführt hatte, verkörpert ganz persönlich Problem drei: Dem BVB-Personal fehlt es zurzeit zum Teil noch an Frische, Kraft und Leistung. Gleich acht Spieler fehlten zum Auftakt angeschlagen. Reus braucht nach seiner langen Verletzung noch Zeit, um wieder volle Fitness und das alte Level zu erreichen. Neuzugänge wie Ciro Immobile müssen sich ganz offensichtlich noch mehr an Spiel und Mannschaft gewöhnen; dem Italiener fehlte es deutlich an Bindung.

"Wille und Bereitschaft sind da"

Was Jürgen Klopp allerdings optimistisch stimmt für die nächsten Aufgaben: "Wille und Bereitschaft sind da." Auch gegen Leverkusen hat sich der BVB in der zweiten Halbzeit gegen die Niederlage gewehrt. Der Einsatz stimmte – es fehlte aber eben an überzeugenden Ideen und Torgefahr.

Ob dies auch ein Problem Nummer vier beinhaltet, darüber wird der Trainer in dieser Woche grübeln. Denn ob die neue  4-4-2-Taktik mit Mittelfeldraute nun passt oder nicht, darüber lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt trefflich streiten. Gegen die Bayern im Supercup sah es gut aus. Gegen Bayer 04 allerdings wurde das BVB-Spiel erst besser, als Klopp wieder auf die alte Formation mit Doppelsechs umgestellt hatte. Zumindest Reus will aber noch nicht am neuen System rütteln: "Wir haben mit 4-4-2 gespielt und trainiert – und es hat funktioniert. Das darf keine Ausrede sein. Wir haben gegen Leverkusen einfach nicht gut gespielt und waren in den wichtigen Zweikämpfen nicht da."

Bis Freitag hat der BVB nun Zeit, an einer neuen Erfolgsformel zu feilen. Wie das aussehen soll, gab Neuzugang Ginter seinen Mitspielern kurz und knapp mit auf den Weg: "Hart arbeiten, hart trainieren und dann besser machen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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