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02.09.2014 - 20:00 Uhr


Ein ganz eigener Kopf

Pep Guardiola ist seit Juli 2013 Chef-Trainer beim FC Bayern München

Matthias Sammer (l.) und Pep Guardiola sind "ein Herz und eine Seele"

In der letzten Saison holt Pep Guardiola mit dem FCB das Double aus Meisterschaft und Pokal

München - Es ist Pfingstsonntag, in Berlin gehen die Menschen auf die Straße, demonstrieren für die Unabhängigkeit Kataloniens. Am Alexanderplatz liest einer der Teilnehmer eine Erklärung vor. Es ist Pep Guardiola, Katalane und Trainer des FC Bayern München.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Guardiolas Bayern", die am Montag begonnen hat.

Unabhängigkeit, sich nichts vorschreiben lassen, das ist Pep Guardiola sehr wichtig. Der gebürtige Katalane hat seinen eigenen Kopf, überrascht immer wieder mit seinen Entscheidungen, ist bekannt für seine Selbstdisziplin. Seine erste Pressekonferenz für den FC Bayern hält der Spanier in astreinem Deutsch ab.

"Er weiß, wie man Gutes noch optimieren kann"

In München hat der 43-Jährige eine anspruchsvolle Aufgabe übernommen. Sein Vorgänger Jupp Heynckes hatte mit den Bayern gerade das Triple geholt - und überhaupt: Der FC Bayern München ist der erfolgreichste Club der Bundesliga, gehört auch international zu den Topadressen. Pep soll es trotzdem noch besser machen. "Er ist deshalb ein so guter Trainer, weil er weiß, wie man Gutes noch einmal optimieren kann", sagt sein ehemaliger Coach Johan Cruyff über ihn.

Pep Guardiola, der sich nach seinem Schulabschluss zunächst in einem Jura-Studium versucht und gelernter Physiotherapeut ist, wird in La Masia, der Talentschmiede des FC Barcelona, ausgebildet. Barca wird ihn etwa die Hälfte seines Lebens begleiten. Als Profi spielt er elf Jahre für den Verein, die Liste seiner Titel ist lang. 2001 verlässt er seine Heimat, an die großen Erfolge kann er danach nicht mehr anknüpfen. 2007 beendet er seine Spielerkarriere - und kehrt kurz darauf zurück zum FC Barcelona, diesmal als Trainer. Mit 14 Titeln - in nur vier Jahren - wird Pep Guardiola der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte. Eine Auszeit nimmt er sich danach, denn Guardiola ist auch Familienmensch, hat eine Frau und drei Kinder. Gemeinsam geht die Familie für ein Jahr nach New York.

Bayerns Erfolgsgeschichte

Diese Erfolgsgeschichte versucht er jetzt mit dem FC Bayern weiterzuschreiben. Aber ausgerechnet der Erfolg, den er mit Barca hatte, verfolgt ihn nun. Er war es schließlich, der das Kurzpassspiel bei den Katalanen revolutionierte. Die Sorge, er würde aus Bayern ein zweites Barcelona machen, ist groß. Dabei sei es doch das, was er "hasse". "Sich den Ball einfach nur zuspielen, dieses Tiki-Taka", sagt der Trainer selbst.

Reinreden lässt sich Guardiola aber nicht. Er ist es, der Philipp Lahm ins defensive Mittelfeld stellt. Lahm, der in seiner gesamten Karriere fast nur als Außenverteidiger agierte. Eine Entscheidung, die schlussendlich sogar den Bundestrainer während der WM in Brasilien beeinflusst. Rechtsverteidiger Rafinha, der unter Heynckes gar keine Rolle spielte, wird dafür plötzlich zur Stammkraft bei den Bayern.

Vom Privatmenschen Guardiola weiß man wenig

Bei der Club-Führung ist er beliebt, besonders mit Matthias Sammer versteht sich Pep Guardiola gut. "In meinen Augen sind wir ein Herz und eine Seele", hatte Sportvorstand Sammer der katalanischen Zeitung Ara gesagt. "Ich bewundere ihn. Von der ersten Sekunde an hatte ich den Eindruck, dass er ein aufrichtiger und wunderbarer Mensch ist." Vom Privatmenschen Pep Guardiola weiß man allerdings wenig. Abseits des Platzes ist er zurückhaltend, gibt keine Interviews. Cannelloni soll er mögen, im Mai dieses Jahres hat er nach 25 Jahren Partnerschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Partnerin Cristina geheiratet (Infografik: Pep Guardiola vs. Jürgen Klopp).

Fünf Spanier gehören aktuell zum Kader des FC Bayern. Vier von ihnen hat Guardiola nach München geholt, besonders der Lastminute-Transfer von Real-Madrid-Star Xabi Alonso war dabei nicht ganz unumstritten. "Ich war überrascht, weil man auf dieser Position einen deutschen Weltmeister an Real Madrid verloren hat. Für das Gehalt, das nun Alonso bekommt, wäre wohl auch Kroos geblieben", kritisiert zum Beispiel Lothar Matthäus den Transfer. Guardiola dürfte das egal sein. Er hat eben seinen eigenen Kopf.

Helge Winter

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