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04.07.2014 - 09:30 Uhr


Fischer: "Die Nationalelf steigert sich immer"

Klaus Fischer wurde 1982 Vizeweltmeister. Er schoss 32 Tore in 45 Länderspielen

Fischer erzielte im Halbfinale 1982 gegen Frankreich per Fallrückzieher ein Traumtor

"Thomas Müller und Weltmeisterschaften - das passt. Er ist ein Spieler, der nie aufgibt, immer unterwegs ist", sagt er über seinen Nachfolger im DFB-Sturm

München - Deutschland gegen Frankreich bei einer Weltmeisterschaft, da war doch was. Drei Mal trafen die beiden großen Fußballnationen bereits bei WM-Endrunden aufeinander. Zwei Mal siegte Deutschland im Halbfinale (1982 und 1986), das Spiel um Platz 3 bei der WM 1958 ging an Frankreich. Nun spielen die beiden Nachbarn im Viertelfinale wieder gegeneinander.

Die spektakulärste Partie fand sicherlich vor 32 Jahren in Sevilla statt, als sich Deutschland nach einem 3:3 nach Verlängerung im Elfmeterschießen mit 5:4 durchsetzte. Klaus Fischer gelang damals per Fallrückzieher der Treffer zum 3:3. Im Interview mit bundesliga.de erinnert sich die Stürmerlegende (32 Tore in 45 Länderspielen) und wagt einen Ausblick auf das Duell am Freitag (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Fischer, am Freitag trifft Deutschland im Viertelfinale der WM auf Frankreich. Da dürften bei Ihnen die Erinnerungen an 1982 wieder präsent sein.

Klaus Fischer: Natürlich kommen da bei mir Erinnerungen an 1982 hoch. Die Franzosen hatten damals eine super Mannschaft mit Spielern wie Michel Platini, Alain Giresse oder Jean Tigana. Wir lagen in der Verlängerung bereits mit 1:3 hinten und waren praktisch schon raus. Aber dann wurde Karl-Heinz Rummenigge eingewechselt, der während des ganzen Turniers mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Er hat dann das 2:3 gemacht. Danach ging ein Ruck durch unsere Mannschaft. Dann kam ein Angriff von uns, Pierre Littbarski spielte Horst Hrubesch an, der den Ball auf mich zurücklegte. Ich stand mit dem Rücken zum Tor und musste den Ball per Fallrückzieher verwerten. Mir blieb nichts anderes übrig. Er ging in den Winkel.

bundesliga.de: Kann man die Situation der deutschen Mannschaft von 1982 ein bisschen mit der aktuellen Truppe vergleichen?

Fischer: Wir spielen noch nicht den ganz großen Fußball. Das war 1982 auch so. Damals haben wir zum Auftakt gegen Algerien verloren, natürlich nur weil ich nicht gespielt habe (lacht). Dann folgte das Spiel gegen Österreich. Das Spiel gegen Frankreich hat dann für vieles entschädigt. Jetzt spielen wir wieder gegen Frankreich. Jetzt heißt es: Butter bei die Fische, es muss eine Leistungssteigerung folgen.

bundesliga.de: Wie ordnen Sie die bisherigen Auftritte der deutschen Mannschaft ein?

Fischer: Wir sind weiter gekommen. Gegen Portugal war alles wunderbar, das Spiel lief optimal. Das war die halbe Miete. Dadurch hätten uns ja sogar zwei Unentschieden zum Gruppensieg gereicht. Ganz optimal lief es in den folgenden Spielen dann nicht. Aber wir wissen, dass sich eine deutsche Nationalmannschaft in einem Turnier immer steigert. Davon bin ich überzeugt.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie die Franzosen ein?

Fischer: Viele hatten die Franzosen vor dem Turnier nicht auf der Rechnung. Aber sie haben sich gemausert und treten als Team auf, das sich Chancen herausarbeitet. Aber gegen Nigeria hatten auch die Franzosen Probleme. Eigentlich hatten alle Teams, die das Viertelfinale erreicht haben, im Achtelfinale so ihre Probleme. Selbst Brasilien oder Argentinien. Es wird ein offenes Spiel gegen Frankreich. Ich finde, dass keine Mannschaft, die jetzt im Viertelfinale steht, wirklich überragend ist. Es gibt keinen WM-Favoriten. Es hängt von Kleinigkeiten ab.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Leistungen Ihrer Nachfolger im deutschen Sturm, Thomas Müller und Miroslav Klose?

Fischer: Müller und Weltmeisterschaften - das passt. Er hat ja schon bei der letzten WM fünf Tore gemacht. Jetzt macht er wieder seine Tore. Er ist ein Spieler, der nie aufgibt, immer unterwegs ist. Vor Klose habe ich immer Hochachtung, weil er ein Spieler ist, der auch immer seine Tore erzielt. Er ist kopfballstark, beweglich, aber irgendwann kommen alle in ein bestimmtes Alter. Ich glaube trotzdem, dass wir ihn noch brauchen werden.

bundesliga.de: Wie gefällt Ihnen die WM insgesamt bis jetzt?

Fischer: Es waren einige interessante Spiele dabei. Enttäuscht haben die Spanier und Italiener, die Standfußball gespielt haben. Genauso England. Keiner hätte damit gerechnet, dass Costa Rica in der starken Gruppe mit Italien und England verdient Erster wird.

bundesliga.de: Wer wird Weltmeister?

Fischer: Das Rennen um den Titel ist völlig offen. Da muss man Hellseher sein. Ich wünsche unserer Mannschaft, dass sie Weltmeister wird. Das kann sie auch, es ist alles möglich.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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