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21.07.2014 - 09:26 Uhr


"Jugendförderung in der Bundesliga ist beispielhaft"

Niemand bestritt mehr Bundesliga-Spiele als Karl-Heinz Körbel, der 602 Mal für Eintracht Frankfurt auflief

Köln - Karl-Heinz Körbel ist begeistert. Der Rekordspieler der Bundesliga (602 Spiele für Eintracht Frankfurt) glaubt, dass der vierte Stern für Deutschland nur positive Auswirkungen auf die Bundesliga und die Jugendarbeit in Deutschland haben wird. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 59-Jährige über die Perspektiven der Bundesliga und die Topspieler von Rekordmeister Bayern München.

bundesliga.de: Herr Körbel, die WM 2014 in Brasilien ist Geschichte, Deutschland zum vierten Mal Weltmeister. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Karl-Heinz Körbel: Die WM war der Wahnsinn. Ich bin normalerweise kein Mensch, der zusammen mit den Massen Fußball guckt. Aber bei dieser WM habe ich mir alle Spiele in der Commerzbank Arena beim Public Viewing zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter angeschaut. Das hatte ich vorher nie gemacht. Aber der Funke ist dann auch bei mir im ausverkauften Stadion dermaßen übergesprungen. Bei jedem Spiel gab es andere Erlebnisse. Der Höhepunkt war das Brasilien-Spiel, bei dem ich nach einer halben Stunde beim Stand von 5:0 gedacht habe, dass jeden Moment Guido Cantz auf der Leinwand erscheint und die versteckte Kamera enttarnt. Die Menschen waren fassungslos und außer Rand und Band. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Selbst ich, der ich schon alles erlebt habe, habe mich von der Stimmung tragen lassen. Es hat mich berührt, wie sich die Mannschaft weiterentwickelt hat. Am meisten hat mich gefreut, dass die Mannschaft und Joachim Löw belohnt wurden.

bundesliga.de: Profitiert die Bundesliga von dem Erfolg der Nationalmannschaft? Wird sie auch für Spieler aus dem Ausland noch interessanter?

Körbel: Nicht nur das. Ich sehe das bei unserer Fußballschule. Viele Jugendliche kommen im Sommer auch aus China zu uns. Wir waren mit der Schule auch schon in Shanghai, das nächste Mal wieder im September. Der "German Football" hat seit einem Jahr einen unheimlich hohen Stellenwert und in Shanghai den englischen überholt. Vorher gab es dort nur den englischen Fußball. Doch das änderte sich durch das deutsche Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im letzten Jahr. Das haben wir spürbar gemerkt.

bundesliga.de: Und jetzt ist Deutschland auch noch Weltmeister geworden.

Körbel: Das wird uns und der Bundesliga noch einmal helfen. Das größte Kompliment hat uns die brasilianische Staatspräsidentin gemacht, die sagte, dass die deutsche Jugendförderung auch beispielhaft für Brasilien sei. Auch die Brasilianer wissen, dass wir die Elite, die wir jetzt in der Nationalmannschaft haben, nur über eine Jugendförderung bekommen, wie sie in der Bundesliga bestens funktioniert. Zwischendurch waren die Franzosen das Vorbild, dann die Spanier. Aber diese Länder haben es versäumt, sich weiterzuentwickeln. Wir haben ein funktionierendes Team. Wir werden keinen Einbruch bekommen wie die anderen Nationen. Aus dem jetzigen Kader können mindestens noch zwölf Spieler bei der EM 2016 dabei sein. Und in der Bundesliga rücken weitere Topspieler nach. Die Jugendarbeit und die Leistungszentren sind enorm wichtig. Ich hoffe, das geht auch so weiter und die U23-Mannschaften der Bundesligisten brechen nicht weg. Ich bin überzeugt, dass wir noch mehr in die Jugend investieren müssen.

bundesliga.de: Auf die Topclubs wie Bayern, Dortmund oder Schalke könnte jetzt eine schwere Vorbereitung zukommen. Die Nationalspieler stoßen erst drei Wochen vor dem Bundesliga-Start dazu. Lässt sich das kompensieren?

Körbel: Das ist das Los der großen Vereine. Aber die Spieler sind fit. Beim Pokalendspiel hatte ich mich noch erschrocken, als Neuer verletzt war, Lahm, Schweinsteiger. Auch ein Khedira. Und nach wenigen Wochen waren die Spieler wieder einsatzbereit und fit. Sie sind so durchtrainiert. Da wird im Urlaub nicht viel verloren gehen. Im Gegenteil. Sie haben jetzt den vierten Stern, sie sind selbstsicher. Der Rhythmus wird innerhalb von 14 Tagen ruckzuck kommen. Jetzt sollen die Spieler den Erfolg erst einmal genießen, die WM und das Jahrhundertspiel gegen Brasilien verarbeiten. Die Spieler werden am Anfang vielleicht ein paar Probleme haben. Aber die Maschinerie kommt schnell wieder in Gang. Und die Bayern oder die Dortmunder haben noch andere Spieler hintendran.

bundesliga.de: Die Bayern waren 1974 und 1990 Deutscher Meister, viele Stars wurden dann kurz darauf Weltmeister. Aber in der kommenden Saison konnten die Münchener ihren Meistertitel jeweils nicht verteidigen. Ist das ein schlechtes Omen für den FC Bayern?

Körbel: Nein, da mache ich mir keine Sorgen. Die Bayern sind im Kader zu stark besetzt. Ein Ribery hat gar nicht bei der WM gespielt. Und andere Spieler bekommen dann die Chance, sich zu zeigen und weiterzuentwickeln. Ich denke da an einen Shaqiri. Wahrscheinlich wird Pep Guardiola den Spielern am Anfang einige Pausen gönnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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