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01.09.2014 - 16:09 Uhr


FC Bayern: Lernen mit Xabi Alonso

Bayerns prominenter Neuzugang Xabi Alonso dirigierte bereits in seinem ersten Spiel für die Münchner seine Mitspieler (© imago)

Köln - Xabi Alonso sagte nach der Partie gegen den FC Schalke, dass er in den wenigen Stunden die er in Deutschland ist, schon einige Dinge von Pep Guardiola gelernt hat. Der FC Bayern wiederum hat Alonso vor allem deswegen geholt, weil Pep Guardiola etwas gelernt hat.

Dieser Artikel ist der Auftakt der Serie "Guardiolas Bayern", die am Dienstag fortgesetzt wird.

Er hat aus seiner Zeit bei Barcelona gelernt und aus seinem ersten Jahr bei den Bayern. In einem exzellenten Artikel in der "Zeit" wird beschrieben, wie Guardiola in einem Münchner Restaurant über seine Spielidee philosophiert. Dass er möchte, dass seine Spieler "über Außen das Spiel öffnen um nach innen zu flanken. Nicht um direkt aufs Tor zu schießen, sondern um den gegnerischen Abwehrversuch auszunutzen und den zweiten Angriff zu starten, den wirklich gefährlichen."

Der häufig erwähnte "absichtliche Ballverlust", den Guardiola beim FC Barcelona praktiziert haben soll, wird so auf ein neues Level gehoben. Eine gefährliche Situation dient dazu eine noch gefährlichere zu erzeugen. Und dafür gibt es wenige, die besser geeignet wären als Xabi Alonso.

Warum nicht Toni Kroos behalten?

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Der Spanier spielt präzise, sichere Pässe in sämtlichen Varianten. Ob kurze Pässe, Flankenwechsel, den Pass in die Spitze oder den längeren Diagonalball – Alonso kann sie alle. Er kann das Spiel verlagern und nach Außen tragen, die erste Welle initiieren und dennoch geduldig viele Pässe spielen, so wie man es von den Bayern gewohnt ist. Warum man dann nicht Toni Kroos mehr Gehalt gibt - den die Bayern zweifelsohne behalten hätten, wenn Pep das gewollt hätte – der das alles mindestens genauso gut kann, sondern auf Alonso setzt, liegt an der zweiten Welle.

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Alonsos Playercard und Heatmap gegen S04

Der Spanier ist ein Meister darin, gegnerische Angriffe zu unterbinden. Er antizipiert gut, hat ein starkes Stellungsspiel und die körperlichen Voraussetzungen um in Zweikämpfen zu bestehen.

 

Er spielt tiefer als Kroos, robuster als sein Nachfolger bei Real, der gleichzeitig sein Vorgänger bei Bayern ist. Kroos fiel selten in der Defensive auf. Sein Abwehrverhalten könnte den Ausschlag gegeben haben, dass Guardiola nicht mehr auf ihn setzte. Zwar hat der FCB mit Bastian Schweinsteiger einen Spieler mit ähnlichen Eigenschaften, wie Alonso im Kader. Aber der Weltmeister plagte sich zuletzt häufig mit Verletzungen.

Kurzpass-Spiel ist kein Selbstzweck

Was die beiden verbindet ist unter anderem hohe taktische Intelligenz und hohe Energie bei der Bereitschaft Räume eng zu machen und Passwege zu erahnen. Guardiola möchte, dass die Spieler eng beieinander stehen, damit sie den Ball nach einem abgewehrten Angriff sofort wieder erobern können. Im Erobern von Bällen im Mittelfeld sind Schweinsteiger und Alonso herausragend. Der dritte Spieler, der in diese Richtung geht ist Javi Martinez, der aber vor seiner Verletzung für die defensive Dreierkette vorgesehen war.

Und Pep Guardiola hat noch mehr gelernt. Er hat bei Barca auf die überragende Offensive gebaut. Die Defensivabteilung war immer mehr ein Mittel zum Zweck um Lionel Messi und Co. abzusichern. Der Ball zirkulierte, der Gegner hatte kaum eine Chance, ihn zu bekommen. Aber die Pässe sind kein Selbstzweck. "Das ist genau das, was ich hasse, sich den Ball einfach nur zuspielen", sagt Guardiola in der "Zeit". "Man muss den Ball in einer bestimmten Absicht in den eigenen Reihen halten, in der Absicht nämlich, vors gegnerische Tor zu kommen und Schaden anzurichten." Dafür ist er bereit, ein höheres Risiko einzugehen.

Alonso kann alleine auf der Sechs spielen

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Beim FC Barcelona ging es darum, die Lücke in der gegnerischen Abwehr zu finden, um hindurch zu passen oder im Dribbling auszunutzen. Bei den Bayern möchte Guardiola diese Lücke erst öffnen und dann ausnutzen. Dafür ist Alonso der richtige Mann. Vorne wirbeln andere. Die Offensiv-Abteilung der Münchner ist bei weitem gut genug, auch schon die erste Welle erfolgreich abzuschließen. Welcher der Sechser die Angriffe einleitet ist bei der Qualität im Kader zwar nicht dasselbe, aber nichtsdestotrotz immer auf höchstem Niveau. Beim zweiten Ball sieht das ein wenig anders aus.

Die Bayern haben mehrere kleine, spielerisch orientierte Spieler für das zentrale Mittelfeld. Die Umstellung auf eine Dreierkette wird Philipp Lahm wohl wieder mehr Einsätze als rechter Verteidiger bescheren. Alonso bringt eine andere Spielweise mit, als die meisten Sechser der Bayern. Er kann die Position zudem auch mit nur drei Spielern hinter ihm alleine ausfüllen, wenn das nötig ist. Die Bayern können durch diese Umstellungen mit mehr Leuten angreifen, weil sie sich einen Mann in der Abwehr sparen. Und weil sie auf der Sechs ebenfalls mit nur einem Spieler gut besetzt sind.

Der erste Angriff ist damit also eine Attacke mit sechs Spielern. Sechs Akteuren, die alle in der Lage sind, ein Tor zu schießen. Und sieben Spielern, die sich sofort auf den Gegner stürzen, wenn dieser den Ball trotzdem erobern sollte. Das ist die Idee. Das ist es, was die Spieler lernen müssen. Das ist, was Xabi Alonso lernen wird. Wenn er es nicht sowieso schon beherrscht.

Sebastian Stenzel

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