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08.08.2014 - 14:08 Uhr


Frühprävention, die Spaß macht

"Es gibt Schlimmeres. Das Leben kann trotzdem weitergehen, wenn ihr wollt", erklärte der Blindenfußballer Marcel Heim den anwesenden Kindern

Das Motto des Camps lautete "Kids-Clubs - grenzenlos aktiv und bewegt"

"Es sollte selbstverständlich sein, dass behinderte und nicht-behinderte Menschen gemeinsam Fußball erleben und genießen können", betonte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig

Köln - Marcel Heim hat außergewöhnliche Fähigkeiten am Ball. Auf YouTube kursiert ein Video, in dem Heim einen Strafstoß fast ansatzlos mit dem Vollspann im Torwinkel versenkt. Kein Wunder also, dass er in der Bundesliga spielt. Er führt sein Team sogar als Kapitän auf den Platz. Trotzdem ist er kein gefeierter Star in den großen Arenen.

Marcel Heim spielt beim Blindenfußballteam Würzburg. Während des DFL-Sommercamps der Kids-Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga, das Anfang August in Köln stattfand, demonstriert er den 250 Teilnehmern, wie gut er mit der Kugel umgehen kann. Auch die Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren versuchen sich im Blindenfußball. Und haben jede Menge Spaß dabei.

Hineinschnuppern in den Blindenfußball

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Eine Stunde hat der zehnjährige Lars vom Kids-Club des VfB Stuttgart mit einer Spezialbrille einem raschelnden Ball hinterhergejagt. Dabei stellten ihn selbst einfachste Techniken vor große Herausforderungen. "Man trifft den Ball oft nicht. Und wenn man zu schnell läuft, rennt man gegen die Banden", schildert Lars seine Erfahrungen. Entmutigt hat ihn das nicht: "Blindenfußball macht sehr viel Spaß!", stellt der junge VfB-Fan strahlend fest. Auch Sven (9) vom 1. FC Köln ist begeistert. "Beim Blindenfußball muss man sehr mutig sein, weil man nicht sieht, wohin man läuft", erklärt Sven. Die Bewunderung der Kinder ist Marcel Heim sicher.

Das Hineinschnuppern in den Blindenfußball ist nur eine von vielen Aktionen während des viertägigen DFL-Sommercamps, das der 1. FC Köln in diesem Jahr in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule Köln ausrichtete. Dabei brachte die Deutsche Sporthochschule ihre Expertise im Bereich Sport und Bewegung ein. Unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Christine Graf und Frau Dr. Nina Ferrari wurde zudem ein Schnuppertag der Sportwissenschaft und Sportmedizin in Theorie und Praxis organisiert. Bei motorischen Tests, kindgerechten Vorlesungen und jeder Menge Praxisangebote erlebten die Kinder ein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln im Schnelldurchlauf.

Finanziert wurde das Sommercamp von der Bundesliga-Stiftung, die die Ferienfreizeit auch personell unterstützte. Das Motto des Camps lautete "Kids-Clubs - grenzenlos aktiv und bewegt". Das Thema "Bewegung" begleitet alle Kids-Clubs durch die laufende Saison. In der vergangenen Saison widmeten sich die Kids-Clubs dem Thema "Lesen". In Köln haben sich 250 Kinder aus 22 verschiedenen Clubs auf Einladung der DFL Deutsche Fußball Liga versammelt.

Positives Feedback der Kinder

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Marvin Steiner, der beim 1. FC Köln für den Kids-Club zuständig ist, war für den Großteil der Organisation verantwortlich. Am letzten Tag zeigte sich Steiner äußerst zufrieden: "Das Feedback der Kinder ist sehr positiv. Die haben wahnsinnig viel Spaß und verstehen sich untereinander hervorragend." Freundschaften zwischen den jungen Fans unterschiedlicher Clubs sind eines der Ziele des Camps. "Es geht nicht darum, Barrieren abzubauen, sondern sie erst gar nicht entstehen zu lassen", erklärte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, als er das Camp am RheinEnergieStadion besuchte. Schon bei der Anfahrt kamen die Kids in Kontakt mit den Anhängern teils rivalisierender Clubs. In Fahrgemeinschaften reisten beispielsweise die Nürnberger und Fürther sowie Dortmunder und Schalker Jungs und Mädchen an.

Seifert zeigte sich von der Atmosphäre des Camps beeindruckt. "Das DFL-Sommercamp 2014 zeigt, wie eine Initiative, die bei wenigen Clubs begann, sich in den letzten Jahren zu einer großartigen Einrichtung entwickelt hat. Die Kids-Clubs leisten insbesondere im Bereich Frühprävention eine hervorragende Arbeit", befand Seifert, als er dem bunten Treiben auf der Vorwiese des Kölner Stadions zusah.

Kooperation mit der Aktion Mensch

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Neben effektiver Frühprävention war auch Inklusion ein wichtiger Bestandteil des Camps. "Es sollte selbstverständlich sein, dass behinderte und nicht-behinderte Menschen gemeinsam Fußball erleben und genießen können", betonte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig bei der Begrüßung der Teilnehmer. Um Inklusion im Fußball voranzutreiben, kooperiert die DFL mit der "Aktion Mensch", die den Kindern während des Camps einen Einblick in Rollstuhl-Basketball, Blindenklettern und Blindenfußball ermöglichte.

Die Jungs und Mädchen zeigten dabei keinerlei Berührungsängste gegenüber den behinderten Übungsleitern. Für Ulrike Jansen von der "Aktion Mensch" ist dies keine Überraschung. "Kinder sehen nicht die Hindernisse und Schwierigkeiten von Menschen mit Behinderung, sondern sehen, wie einfach es ist, mit behinderten Kindern Sport zu machen. Sie schauen nicht auf das Defizit von Menschen mit Behinderung, sondern darauf, was sie alles leisten können", berichtet Jansen. Die Partnerschaft mit der DFL hält Jansen für einen wichtigen Schritt: "Wir haben festgestellt, dass Sport ein idealer Inklusionstreiber ist."

Wie zur Demonstration von Jansens Worten hat sich eine große Traube von Kindern neben Blindenfußballer Marcel Heim niedergelassen. Sie löchern den Informatiker mit Fragen. Ganz ohne Scheu. "Findest Du es schlimm, dass Du blind bist?", will eines der Kinder von Heim wissen. "Es gibt Schlimmeres. Das Leben kann trotzdem weitergehen, wenn ihr wollt", erklärt Heim. Dann erklärt er, wie er seinen Alltag bewältigt. Wie er den richtigen Briefkasten öffnet oder wie er sich anhand von Geräuschen zurechtfindet. Die Kids hören aufmerksam zu - und sind begeistert: "Ich will im nächsten Jahr wiederkommen", erklärt VfB-Fan Lars, bevor er strahlend zum nächsten Workshop läuft. Die Kinder werden die vier Tage im DFL-Sommercamp nicht vergessen. Und das ist auch gut so.

Florian Reinecke

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