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13.12.2013 - 09:40 Uhr


"Wir haben kein Qualitätsproblem"

Bei Marcell Jansen läuft es gut: Der Hamburger hat sich in die Nationalmannschaft zurück gekämpft

München - Der Hamburger SV hinkt seinen vor der Saison formulierten internationalen Ansprüchen deutlich hinterher. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg rangiert der HSV nur auf Platz 13. Am Samstag müssen die Hanseaten zum FC Bayern, bei dem es im Vorjahr eine 2:9-Packung setzte. Vor dem Duell mit seinem Ex-Verein sprach Marcell Jansen mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Jansen, auch in dieser Saison werfen den Hamburger SV immer wieder überraschende Niederlagen zurück, mit denen niemand gerechnet hat. Muss man sich daher nicht so langsam realistischerweise vom ursprünglichen Saisonziel internationaler Wettbewerb verabschieden? Oder glauben Sie an die große Aufholjagd?

Marcell Jansen: Diese Fragen wurden uns in den letzten Wochen immer wieder gestellt und die Antwort darauf hat sich nicht verändert. Wir gucken in unserer jetzigen Situation erst einmal immer auf das nächste Spiel. Die Saison ist noch lang und es macht jetzt noch keinen Sinn große Prognosen abzugeben. Wichtig ist, dass wir schnellstmöglich Konstanz in unser Spiel bringen.

bundesliga.de: Unter Bert van Marwijk schien sich der HSV als Mannschaft stabilisiert zu haben. Es wurden zwar auch Spiele verloren, doch das lag oft an individuellen Aussetzern. Die Leistung stimmte. Gegen Augsburg jedoch versagte die gesamte Mannschaft. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Jansen: Das Spiel gegen Augsburg war schlecht. Da gibt es auch keine zwei Meinungen. Ein solches Spiel darf uns einfach nicht passieren und dann auch noch zuhause vor unseren Fans, das ist doppelt ärgerlich. Aus meiner Sicht haben wir auch schon in den Partien zuvor in der ersten Halbzeit nicht wirklich gut gespielt. Mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit konnten wir das aber immer noch ausgleichen. Eine Erklärung zu finden, ist schwer. Ein solch schwaches Spiel wie zuletzt gegen Augsburg hake ich aber schnell ab, weil ich sofort den Ansporn habe, es beim nächsten Spiel besser zu machen. Ich persönlich ärgere mich länger über Niederlagen nach guten Spielen, wie beispielsweise gegen Gladbach oder Leverkusen. An diese Spiele sollten wir auch anknüpfen und auf keinen Fall denken, dass alles schlecht ist.

bundesliga.de: Welche Lehren muss man aus der bisherigen Hinrunde ziehen? Ist es ein Qualitätsproblem?

Jansen: Nein, definitiv nicht. Wir haben häufig in der Hinrunde gezeigt, dass wir sehr viel Qualität in der Mannschaft haben. Im Moment passieren der Mannschaft noch zu viele individuelle Fehler, die in der Bundesliga eiskalt bestraft werden.

bundesliga.de: Das Torverhältnis von 30:32 sagt viel über fehlende Balance zwischen Defensive und Offensive aus. Die 30 erzielten Tore sind der sechstbeste Wert der Bundesliga, die 32 Gegentore der drittschlechteste. Dabei stehen in der HSV-Defensive mit Ihnen, Rene Adler und Heiko Westermann drei aktuelle deutsche Nationalspieler. Warum bekommt der HSV dennoch keine Stabilität in die Defensive?

Jansen: Wer den modernen Fußball verstanden hat, der weiß, dass nicht nur die Abwehr für die Verteidigung zuständig ist, sondern die gesamte Mannschaft. Wie ich eben bereits sagte, sind viele unserer Gegentore durch individuelle Fehler in der Vorwärtsbewegung gefallen, da konnte der Abwehrverbund häufig auch nichts mehr retten.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie das bisherige Abschneiden in Bundesliga und Pokal?

Jansen: Im Pokal überwintern wir mal wieder, haben drei Runden überstanden und stehen jetzt im Viertelfinale. Das bewerte ich sehr positiv. Der aktuelle Tabellenplatz in der Bundesliga liegt natürlich hinter unseren Erwartungen zurück. Deshalb ist hier mit Sicherheit nicht alles optimal gelaufen. Trotzdem habe ich auch in unserer bisherigen Bundesligasaison einige positive Aspekte erkennen können.

bundesliga.de: Für Sie persönlich lief es in dieser Saison dagegen recht gut. Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Leistungen?

Jansen: Meine Leistungen müssen im Grunde andere beurteilen. Insgesamt ist es so, dass der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund steht und nicht die eigene Leistung. Wenn man aber sieht, dass wir aktuell mit Heiko, René und mir drei deutsche Nationalspieler stellen, scheinen wir nicht alles verkehrt gemacht zu haben. Das ist eine tolle Bestätigung und Anreiz, weiter alles dafür zu tun, konstante Leistungen zu zeigen und sich ständig zu verbessern.

bundesliga.de: Welche Chancen rechnen Sie sich auf eine WM-Teilnahme im kommenden Sommer aus? Wie sehen Sie die deutsche Gruppe?

Jansen: Es ist noch eine lange Zeit bis zum nächsten Sommer, in der viel passieren kann. Deshalb ist es schwer, über die Chancen zu sprechen. Die vergangenen Einsätze in der Nationalmannschaft sehe ich als Bestätigung meiner Leistung. Ich denke, unsere Gruppe ist sehr interessant. Alle Gegner können guten Fußball spielen und werden top vorbereitet zum Turnier anreisen. Wir sind aber sicherlich stark genug, um diese Gruppe zu überstehen.

bundesliga.de: Am nächsten Samstag gastiert der HSV beim FC Bayern, der gerade Werder Bremen mit 7:0 zerlegt hat und im Vorjahr gegen den HSV 9:2 gewann. Geht es nur darum, die Niederlage in Grenzen zu halten oder rechnen Sie sich bei Ihrem Ex-Verein etwas aus?

Jansen: Wir fahren nicht nach München mit dem Gedanken, das Ergebnis möglichst gering ausfallen zu lassen. Das Spiel am Wochenende ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung unserer Mannschaft. Wir wollen den Bayern alles abverlangen und mit allen Mittel dagegenhalten. Wir wissen aber auch, dass jeder von uns alles geben muss, um in München eine Chance zu haben. Wer das aber noch nicht verstanden hat, ist hier sowieso Fehl am Platz.

Das Interview führte Tobias Gonscherowski

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