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19.02.2014 - 15:25 Uhr


Verbeek: "Fußball macht mit Ball mehr Spaß als ohne"

Gertjan Verbeek feierte mit seinem Team in der Rückrunde bereits drei Siege. Nur gegen die "Über-Bayern" verlor der "Club" und war selbst da nicht chancenlos

Der Niederländer beweist, dass auch er mit dem Ball umgehen kann. Vor seiner Zeit als Fußballer war der FCN-Coach jedoch Amateur-Boxer (© imago)

Die Geschichte mit dem Bart: Verbeek (l., hier mit Co-Trainer Marek Mintal) rasierte sich bis zum ersten Saisonsieg nicht mehr. Am 18. Spieltag gegen Hoffenheim war es dann soweit

Nürnberg - Der 1. FC Nürnberg ist im Aufwind, neun Punkte holte der "Club" aus den vier bisherigen Rückrundenpartien. Der Erfolg hat einen Vater: Gertjan Verbeek, den vielleicht ungewöhnlichsten Trainer der Bundesliga.

Langsam aber sicher werden Gertjan Verbeek die Lobeshymnen zu viel: "Dass es so gut läuft, hat keiner ahnen können", sagte der niederländische Coach des FCN nach dem 1:0-Sieg in Augsburg. "Außerdem spielt die Konkurrenz gerade für uns."

"Ich mag Deep Purple und Pink Floyd"

Das mag schon sein, aber die Zahlen sprechen doch für sich - und für Verbeeks Arbeit: Neun von zwölf möglichen Punkten holte der "Club" in den vier Rückrunden-Partien. Lediglich dem FC Bayern musste man sich geschlagen geben - nach einer beachtlichen Leistung. Keine Frage: Die Mannschaft, die noch an Weihnachten als sicherer Absteiger galt, ist mächtig ins Rollen gekommen. Längst glauben die "Club"-Fans wieder an den Klassenerhalt.

Fußballfans außerhalb von Franken merken hingegen erst jetzt so richtig, dass beim "Club" im Herbst ein außergewöhnlicher Trainer das Kommando übernommen hat. Einer, der Harley fährt, härteren Rock hört ("Ich mag Deep Purple und Pink Floyd") einer, der an freien Tagen eine Blockhütte in der Nähe von Zwolle bewohnbar macht, einer, der sich auch Spiele der eigenen U-15 anschaut, weil er findet, dass das bei einem Ausbildungsverein wie dem "Club" "eine Selbstverständlichkeit“ sein sollte.

Selbstkritik nach Gebhart-Auswechslung

Und einer, der einen Spieler wie Timo Gebhart in Augsburg zwar nach 26 Minuten wieder vom Feld holt, dem aber kein Zacken aus der Krone fällt, für dessen taktische Defizite in diesem Spiel selbst die Verantwortung zu übernehmen. "Das war schlechte Arbeit von mir. Mein Fehler."

Als der ehemalige Boxer Anfang Oktober Michael Wiesinger ablöste, traf er auf eine verunsicherte Mannschaft, die aus acht Spielen fünf Punkte geholt hatte und gerade gegen den HSV eine 0:5-Heimklatsche bezogen hatte. Doch Verbeek weigerte sich standhaft, das zu tun, was wohl die meisten seiner Kollegen getan hätten: Statt die Defensive zu stärken und den vorsichtigen Fußball zu predigen, mit dem Vor-Vorgänger Dieter Hecking jahrelang Erfolg hatte, tat er das Gegenteil. Er löste die Doppelsechs auf, stellte den offensiv denkenden Mike Frantz auf die Sechs - und spielt entweder mit zwei Stürmern oder einer offensiven Mittelfeldformation in einer Art 4-3-3. In allen Fällen wird der Gegner früh angegriffen, der Weg zum gegnerischen Tor verkürzt.

"Nur Zugucken macht keinen Spaß"

Verbeek ist ein Vertreter der niederländischen Schule, der eine aktive, dominante Spielweise verficht. Und wenn er erklären soll, warum das so ist, kommt der ruhige Mann, der Fragen ansonsten in drei, vier Sätzen beantwortet, ins Reden: "Meine Philosophie ist es, dass Fußball mehr Spaß mit dem Ball macht als ohne. Nur zugucken, wie die anderen den Ball haben und dagegen anlaufen - das macht keinen Spaß. Wenn man etwas kreativ erschaffen will, muss man offensiv denken. Sonst wartet man nur auf Gegentore, und so steigt man ab."

Allerdings ist Verbeek nicht als einziger überzeugt, dass das Spielermaterial bei seinen Nürnbergern auch keinen Mauerfußball hergibt. Nicht nur Christian Streich, Trainer des Abstiegs-Konkurrenten SC Freiburg, findet, Verbeek habe es mit der "spielerisch stärksten 'Club'-Mannschaft der letzten Jahre" zu tun. Tatsächlich ist das Mittelfeld um Frantz, Adam Hlousek, Markus Feulner und Hiroshi Kiyotake ball- und kombinationssicher, auch Elf-Tore-Mann Josip Drmic (Personalie) ist technisch versiert.

Und was sagt der Kapitän, der seinen Verein vor Weihnachten noch "auf der Intensivstation" wähnte? "Wir stehen noch unter Beobachtung", so Raphael Schäfer vor dem wichtigen Spiel gegen Braunschweig. "Aber die Prognose ist besser geworden."

Christoph Ruf

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