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Bundesliga

23.12.2013 - 13:55 Uhr


Unterkühlte Freude

"Wir sind sehr stabil, müssen aber realistisch bleiben", sagt Lucien Favre trotz der besten Hinrunde seit 37 Jahren auf dem Boden

Die "Elf vom Niederrhein" rast mit voller Geschwindigkeit in Richtung internationales Geschäft

Dauerläufer Christoph Kramer (2.v.l.) freut sich schon auf die Rückrunde

Mönchengladbach - Zwei Tage vor Weihnachten hat Borussia Mönchengladbach sich und seine Fans mit Platz 3 beschenkt. Dass die "Fohlen" damit die Hinrunde mit 33 Punkten vor Borussia Dortmund beenden würden, hatte vor der Saison wohl kaum ein Experte auf der Rechnung. Eine bessere Hinrunde spielte Gladbach zuletzt vor 37 Jahren im letzten Meisterjahr 1976/77. Während sich die Spieler nach dem 2:2 gegen Wolfsburg trotz der gerissenen Heim-Siegesserie glücklich und zufrieden in den Urlaub verabschiedeten, gab sich Trainer Lucien Favre eher nachdenklich. 

Favre wäre nicht Favre, wenn er im Moment der größten Erfolge nicht sogleich die Euphorie bremsen würde. "Ich weiß, Sie hören das nicht gerne, aber vergessen Sie nicht, wo der Verein vor drei Jahren stand", diktierte der Schweizer den Journalisten nach dem letzten Spiel einer überragenden Halbserie in die Notizblöcke. Er meint wie immer den Beinahe-Abstieg in der Saison 2010/2011, als sich die Borussia erst in der Relegation retten konnte. Dass er im Jahr darauf mit praktisch der gleichen Mannschaft Platz 4 erreichte, lässt er bewusst unerwähnt.

Nah an der Wunschvorstellung

Nach der Übergangssaison (Platz 8) und den Abgängen der Leistungsträger Dante, Marco Reus und Roman Neustädter steuert die "Elf vom Niederrhein" nun wieder mit Volldampf in Richtung internationales Geschäft. Auch dank des neuen Personals, das vom ersten Tag an voll eingeschlagen hat. Raffael (neun Tore) und Max Kruse (acht)  bilden eines der Top-Sturmduos der Liga, dazu avancierte Dauerläufer Christoph Kramer als Sechser zum Senkrechtstarter.

Favre hat es geschafft, sein Team ganz nah an seine Wunschvorstellung heranzubringen. Spielkontrolle durch viel Ballbesitz (nur Bayern hat ligaweit öfter den Ball), schnelle Kombinationen und intelligentes Umschaltspiel mit aggressivem Gegenpressing. Nach dem durchwachsenen Saisonstart mit einigen unglücklichen Auswärtsspielen hat das Team inzwischen die Balance gefunden und seit dem 9. Spieltag nicht mehr verloren (sieben Siege, zwei Remis).

Favre: "Müssen realistisch bleiben"

Doch Favre kennt das Geschäft und weiß, wie schnell es gehen kann. Daher denkt er ungern über das nächste Spiel hinaus. "Wir sind sehr stabil, müssen aber realistisch bleiben und dürfen nicht zu viel fordern", sagt er, obwohl er mit der Hinrunde freilich extrem zufrieden sei und seine Mannschaft es verdient habe, so weit oben zu stehen, wie er im gleichen Satz zugibt.

Seine Spieler äußerten sich noch etwas direkter. "Wir wissen, dass wir gut sind. Es ist vielleicht ein bisschen überraschend, dass wir bis auf Platz 3 vorgerückt sind, aber wenn man sieht, wie wir zuletzt gespielt haben, ist es nicht mehr so überraschend. Ich finde, es ist klar verdient, dass wir dort oben stehen", sagte Abwehrspieler Tony Jantschke im Gespräch mit bundesliga.de

"Der 3. Platz wird sehr schwierig zu verteidigen sein. Es wird eine lange und intensive Rückrunde, auf die ich mich freue", meinte Christoph Kramer. In der zweiten Saisonhälfte wird die Heim-Macht Gladbach ein Auswärtsspiel mehr bestreiten müssen, dafür  kommen die Bayern (direkt zum Auftakt) und später Bayer Leverkusen in den Borussia Park. "Das wird interessant", ist sich Favre sicher.

Wolfsburgs beste Hinrunde

Auch der VfL Wolfsburg hat allen Grund stolz zu sein. Die Niedersachsen spielten mit 30 Punkten und einer Tordifferenz von plus neun ihre beste Hinrunde in der Bundesliga. "Wir haben unser Zwischenziel erreicht. Wir wollen besser abschneiden als letzte Saison und sind auf einem guten Weg", sagte Trainer Dieter Hecking. Von Euphorie aber auch hier keine Spur. "Unterkühlt nordisch" sei seine Freude über die bisher sehr starke Saison seiner "Wölfe".

Dennoch, beide Trainer können ziemlich sorglos in die Weihnachtspause gehen. Und auch Lucien Favre wird in einer ruhigen Minute insgeheim den Blick auf die Tabelle genießen.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann

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