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28.02.2014 - 15:30 Uhr


Borowka: "Eine Frage der Ehre"

Heiße Nord-Derbys waren sein Metier: Ex-Werder-Profi Uli Borowka (o.) weist hier HSV-Ikone Karsten Bäron zurecht

Der ehemalige Verteidiger Borowka ist mittlerweile erfolgreicher Buchautor

388 Bundesliga-Spiele absolvierte Borowka (M.) für Gladbach und Bremen

München - Früher kämpften sie um Meisterschaften und Pokale, aktuell geht es erst einmal um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Werder Bremen und der Hamburger SV treffen am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) zum 100. Nordderby der Bundesliga-Geschichte aufeinander und brauchen beide dringend Punkte. Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Werder-Star Uli Borowka, der mit Bremen zwischen 1988 und 1994 zwei Meisterschaften, zwei Pokale und einen Europacup gewann, über die Brisanz des Klassikers und die Probleme der Clubs in der Gegenwart. 

bundesliga.de: Herr Borowka, am Samstag spielt Ihr Ex-Verein Werder Bremen das 100. Nordderby gegen den Hamburger SV. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Spiel?

Uli Borowka: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass auch bei mir das Derbyfieber steigt, obwohl ich nicht mehr so nah am Geschehen dran bin. Ich weiß nicht, ob es eine solche Konstellation, wie wir sie in diesem Jahr mit Werder und dem HSV im Abstiegskampf haben, in den letzten 20 Jahren schon einmal gegeben hat.

bundesliga.de: Die Zeiten haben sich geändert. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Derby?

Borowka: Zu meiner Zeit war das Nordderby immer eine Frage der Ehre. Wir wollten unseren Fans einen Sieg schenken und haben dafür alles gegeben. Das hat oft geklappt, oft auch nicht. Aber wir konnten dann erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Bis auf ein Spiel. Da waren wir schon Meister. Wir bekamen 1988 vor dem Derby die Schale überreicht, sind die Ehrenrunde gelaufen und wurden dann fürchterlich verprügelt (mit 1:4, d. Red.).

bundesliga.de: Was waren für Sie aus Bremer Sicht die Highlights?

Borowka: Ein Highlight war unser 5:0-Sieg gegen den HSV am vorletzten Spieltag der Saison 1992/93. Dadurch waren wir ein Tor besser als Bayern München und übernahmen erstmals in der Saison die Tabellenführung. Wir mussten dann am letzten Spieltag nach Stuttgart, die Bayern nach Schalke. Wir gewannen 3:0 in Stuttgart und die Bayern haben 3:3 auf Schalke gespielt. Schwupp war Werder Meister. Unvergessen ist auch das traurige Erlebnis beim Spiel in Hamburg, bei dem sich HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs schwer verletzt hat. Das war eine üble Geschichte, wir waren sogar noch etwas mehr geschockt und haben das Spiel verloren. Fakt ist, dass es im Nordderby immer um alles ging, es waren außergewöhnliche Spiele.

bundesliga.de: In diesem Jahr ist das Nordderby ein Kellerduell, bei dem der Vierzehnte Werder auf den Sechzehnten HSV trifft. Wie konnte es passieren, dass die beiden Traditionsvereine so in Not geraten konnten?

Borowka: Bei Werder fehlt mir wirklich eine kompakte Abwehr. Inzwischen kommt auch dazu, dass Werder nur die viertwenigsten Tore geschossen hat. Mir fehlt auch teilweise die mannschaftliche Geschlossenheit. 

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung beim Hamburger SV, der jetzt nach langer Zeit den Sieg eingefahren hat? Glauben Sie, dass der Verein unter Mirko Slomka die Kurve kriegt?

Borowka: Ich habe mir die Augen verwundert gerieben, weil ich nichts mehr von dem gesehen habe, was der HSV monatelang vorher geboten hatte. Slomka hat ein paar Spieler aus der Versenkung geholt, die beiden Vorstopper Johan Djourou und Slobodan Rajkovic und sogar Petr Jiracek. Damit hat Slomka alles richtig gemacht. Die Hamburger haben das Spiel gegen Dortmund hochverdient gewonnen. Der Sieg kam nicht glücklich zustande.

bundesliga.de: Befürchten Sie, dass es am Ende der Saison eines der beiden Nordlichter erwischt?

Borowka: Ich wünsche mir, dass keiner der beiden Vereine absteigt. Aber es wird eine ganz enge Kiste. Es ist in diesem Jahr im Tabellenkeller brutal. Die Nürnberger kämpfen sich langsam raus, sie haben schon vier Spiele gewonnen. Braunschweig war dran, hat dann aber Big Points liegen lassen. Stuttgart hängt tief drin und hat einen Antilauf. Frankfurt hat auch noch Probleme. Es könnten auch noch andere Vereine dazu kommen, eventuell Hannover. Ich glaube, dass es bis zum letzten Spieltag spannend bleibt und am Ende ein Verein absteigt, der im Moment noch gar nicht damit rechnet.

bundesliga.de: Werden Sie sich das Derby im Stadion ansehen?

Borowka: Nein, ich habe anderweitige Verpflichtungen, bin viel für unseren neuen Verein "Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe" unterwegs, halte Lesungen. Wir kümmern uns um Kinder aus Suchtfamilien und suchtkranke Sportler.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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