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06.02.2014 - 11:02 Uhr


Thiago: Der neue Magier des FC Bayern

Höhenflug: Thiago (r.) stellte gegen die Eintracht mit 177 Ballkontakten einen Rekord auf

"Thiago oder nix!", sagte Pep Guardiola (l.) im Sommer - und bekam seinen Wunschspieler

Der Spanier mit brasilianischen Wurzeln will mit "La Roja" in Brasilien den Titel verteidigen

München - Der Anhang von Bayern München ist erfolgsverwöhnt, manchmal wirkt er sogar gesättigt. Es ist ein Opernpublikum, heißt es spöttisch. Wenn also dieses Publikum kollektiv raunt, dann muss schon Außergewöhnliches geschehen sein. Thiago Alcantara do Nascimento verzückte auf diese einzigartige Weise, als er gegen Eintracht Frankfurt einen Pass per Direktabnahme faszinierend in die Tiefe schickte: Thiago, Wunschspieler von Chefcoach Pep Guardiola und inzwischen auf dem Weg zur Schaltzentrale des Rekordmeisters.

Der Münchner Boulevard hat den Spanier mit brasilianischen Wurzeln nach seinem Auftritt am letzten Wochenende endgültig geadelt. Der 22-Jährige sei "der neue Magier", schrieb die "tz", die "Abendzeitung" krönte den "Kaiser Thiago" und verglich die Leichtigkeit seines Spiels mit der von Franz Beckenbauer in den 1960er und 70er Jahren.

Ritterschlag des Kaisers

Beckenbauer selbst hat unlängst von Thiago geschwärmt. "Er ist ein wunderbarer Spieler. Er ist eine Augenweide", sagte der 69-jährige. Präsident Uli Hoeneß hält ihn für einen "sensationellen Kicker". Sportvorstand Matthias Sammer verlieh ihm nach der Gala gegen Frankfurt das Prädikat "weltklasse". Längst ist klar, warum Guardiola das kleine Mittelfeldgenie unbedingt verpflichten wollte. "Thiago oder nix", hatte der Trainer des Triple-Gewinners im Sommer erklärt.

Thiago, der den Nachnamen des großen Pele trägt, antizipiert Situationen wie kaum ein Zweiter, Thiago hat ein Auge für das Spiel wie kaum ein Zweiter und Thiago hat dazu die technische Fertigkeit wie kaum ein Zweiter. Bei ihm scheinen Ball und Spieler tatsächlich zu einer Einheit zu verschmelzen, so elegant und selbstverständlich geht er mit seinem Arbeitsgerät um.

Manchmal tendiert Thiagos Spiel noch zur Selbstverliebtheit, weshalb es ein besonderes Lob ist, wenn Guardiola wie am Wochenende sagt, dass er "sehr seriös" agiert habe. Als Thiago gegen Frankfurt mit 177 Ballkontakten einen famosen Liga-Rekord aufstellte, hatte man einmal mehr das Gefühl, dass er seinen Gegnern gedanklich mindestens einen Schritt voraus ist.

Schlechte Erinnerungen an Nürnberg

Dabei hatte das Kapitel FC Bayern für Thiago nicht gut begonnen. Im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg am 24. August erlitt er einen Syndesmoseriss, am Samstag kommt es zur Neuauflage im oberbayerisch-fränkischen Derby - Gelegenheit mit einer erneuten Glanzleistung auch diesen Malus zu tilgen (ab 15 Uhr im Live-Ticker). Seine Klasse offenbarte sich erstmals im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund (3:0), direkt nach Ende seiner dreimonatigen Pause. Thiago war sofort Dreh- und Angelpunkt des Münchner Spiels. "Er hat keine Angst und will sofort den Ball", sagt Guardiola: "Thiago ist eine große Persönlichkeit."

Der Coach ist überzeugt, dass noch viel mehr Potenzial in ihm steckt. Guardiola möchte es freilegen und Thiago, der seinem Trainer den entscheidenden Anteil an seiner Entwicklung zuschreibt, damit auch die WM-Teilnahme in Brasilien ermöglichen. "Ich fühle mich wirklich sehr wohl und genieße die Art, wie wir Fußball spielen. Das macht Spaß", sagt Thiago über seine bisherige Zeit in München. Der Schritt vom FC Barcelona zum FC Bayern sei "die beste Entscheidung" seines Lebens gewesen. Barca habe zudem "nichts getan, um mich zu halten".

Das außergewöhnliche Talent hat er von seinem Vater Mazinho mitbekommen - der war 1994 mit Brasilien Weltmeister. Der Herr Papa hat darüber hinaus bei mehreren Vereinen in Europa gespielt, während einer Station in Italien wurde der Sohn geboren. Im Alter von 14 Jahren kam Thiago nach La Masia, in die Fußball-Schule des FC Barcelona - sein Förderer dort: Pep Guardiola.

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