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01.09.2013 - 23:15 Uhr


Teles Tätowierte, Hakans Harakiri

Protagonisten des Spieltags: Calhanoglu, Raffael, Boateng, Schneider (von oben links im Uhrzeigersinn)

Protagonisten des Spieltags: Calhanoglu, Raffael, Boateng, Schneider (von oben links im Uhrzeigersinn)

München - Santanas "Gangstertruppe" sticht nicht nur die eigene Haut, sondern auch ins Herz des Gegners. Klopp wartet noch auf acht Ausrufezeichen, Heldt auf den roten Teppich. Und Calhanoglus Frechheiten werden endlich bestraft.
Außerdem lobt Kruse Nordtveits Eigentorkünste und das Märchen von Stuttgarts Schneiderlein beginnt. Darüber spricht die Liga!
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Prince, Tele and the Gang

"Wir haben jetzt eine Gangstertruppe." Felipe Santana freut sich über tätowierten Zuwachs bei Schalke 04. Kevin-Prince Boateng (M., © Imago) brachte nicht nur Körper-, sondern viel Spielkunst nach Gelsenkirchen. Und endlich den ersten Dreier. Prince for Points. Pech nur für den nicht minder kunstvoll geschmückten "Bro" Jermaine Jones, dessen neue "Hood" jetzt erstmal die Schalker Bank ist. Alles nur wegen Boateng. Sportvorstand Horst Heldt glaubt jedenfalls nicht unbedingt an "Tele" Santanas Theorie: "Ich weiß nicht, ob jeder, der tätowiert ist, ein Gangster ist. Dann muss die ganze Liga ins Gefängnis."

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Boatengs Botschaft, Aogos Ausführung

Nochmal Boateng. Der war nicht nur während, sondern auch vor dem Spiel ein entscheidender Faktor für Schalkes Sieg. Denn an der Einstellung hakte es bekanntlich bei S04. Auftritt Prince: "Ich habe ihnen nur gesagt: Ihr müsst laufen, bis Ihr kotzt. Denn so gewinnt man Spiele." Die Wirkung seiner Worte war unverkennbar. Schalke fightete sich zum Dreier. Etwas zu sehr nahm sich Dennis Aogo Boatengs Botschaft zu Herzen. Der Ex-Hamburger schoss Giulio Donati so punktgenau ins Gesicht, dass der Italiener sogar behandelt werden musste. Donati ist aber wohlauf. "Aogo hat ein Riesenspiel gemacht", lobte Coach Jens Keller.

Und nochmal Boateng. Der Schalker Super-Coup, der völlig überraschend und aus dem Nichts kam, löste ein kleines Erdbeben in Fußballdeutschland aus - nicht zuletzt beim Revier-Rivalen aus Dortmund. BVB-Coach Jürgen Klopps SMS ("Schalke????????") an seinen ehemaligen Schützling Boateng blieb unbeantwortet (Klopp dazu: "Er braucht sich nicht zu schämen. Er war ein guter Typ. Bis heute Morgen."). Des Prinzen Handy stand ohnehin kaum still, genauso wie das von Heldt. Der wiederum geizte mal so gar nicht mit Eigenlob: "Dafür haben wir einen Oscar verdient." Arbeitstitel für den Streifen: Die acht Fragezeichen. Mit Jermaine Jones als Justus Jonas.

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Kruses Kuriositätenkabinett

Kurioses gab's in Gladbach zu sehen. Der überragende Raffael (r., © Imago) war nicht nur an fast jedem Gladbacher Angriff beteiligt, sondern grätschte auch noch Werder-Coach Robin Dutt um. Der nahm's mit Humor (zu dem Zeitpunkt sah es auch noch nicht nach einer Klatsche aus). Sein Tor erzielte Raffael eigentlich auch nicht wirklich selbst, Sebastian Prödl schoss den Regisseur an - von dem aus der Ball in Bremens Kasten sprang. Und zu allem Überfluss traf für Werder auch nur Gladbachs Harvard Nordtveit per Eigentor. Dem ebenfalls starken Max Kruse gefiel's: "Heute hat alles gepasst - sogar den fünften Treffer haben wir selbst gemacht."

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Hakan kann's - nicht lassen

So gar nicht zufrieden war HSV-Coach Thorsten Fink, dessen Joker Hakan Calhanoglu (© Imago) seine Anweisungen klar missachtete. "Ich habe ihm gesagt, er soll ein Tor machen. Nicht zwei." Calhanoglu sprintete nach seinem ersten Treffer gegen Braunschweig direkt in die Arme seines Trainers, um mit ihm zu feiern. So weit, so gut. Aber nach dem zweiten traute sich der Youngster, der seine Standard-Künste übrigens auch dem Videostudium von Juninho-Toren zu verdanken hat, nicht mehr in Finks Nähe. Im Umfeld des HSV spricht man schon über mögliches Straftraining auf Mallorca.

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Stuttgarts Schneiderlein: Wie im Märchen

Ein Prince küsste Schalke wach - in Stuttgart, wo man nicht ganz so königsblaues Blut hat, übernahm das ein schlichter Schneider. Thomas Schneider hoffte als Underdog (mit dem Tabellen-17. Stuttgart) gegen den Riesen aus Hoffenheim (auf Platz 8) auf einen märchenhaften Turnaround. Und wie im Märchen, wo sich die Riesen gegenseitig erledigen, schlugen sich auch die Gegenspieler des Stuttgarter Schneiderleins selbst: Bei einem Leitner-Freistoß gab Hoffenheim dem VfB faire 20 Sekunden Reaktionsvorsprung. Beim 1:3 kam Keeper Casteels der kleine Maxim ohne Ball auch irgendwie traurig vor. Genauso wie Abraham, der Ibisevic den Weg frei machte. Oder die drei Hoffenheimer, in deren Mitte Ibisevic ungestört einköpfen durfte. Genauer gesagt: ein-nasen. 6:2 hieß es am Ende - wie konnte das passieren!? Erklärungen, Analysen? Die gibt es bei den Gebrüdern Grimm auch nicht. Märchenhaft eben!



Christoph Gschoßmann

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