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22.03.2014 - 21:03 Uhr


Stevens' Mauer-Taktik geht auf - HSV konsterniert

Trauer und Jubel: Der VfB atmet im Abstiegskampf auf, der HSV muss einen Rückschlag wegstecken

Und alles wegen ihm: Alexandru Maxim (l.) machte mit seinem Treffer den Unterschied

Die Mauer-Taktik von VfB-Trainer Huub Stevens (l.) ging auf, Hamburgs Coach Mirko Slomka fuhr ohne Punkte wieder nach Norden

Stuttgart - Sollten Sie jemals in die Verlegenheit geraten, einer Person den Begriff "Abstiegskampf" erklären zu müssen, folgt hier ein kleiner Kauftipp: "VfB Stuttgart gegen Hamburger SV, Saison 2013/14, 26. Spieltag, 1:0". 90 Minuten Kampf, Krampf, Fehlpässe in Massen und am Ende eine Mannschaft, die vor Erleichterung beinahe kollabiert.

Diese Mannschaft war am frühen Samstagabend der VfB, der nach dem knappen Erfolg gegen den HSV wieder hoffen darf. Es ist wieder alles drin für die Schwaben im Kampf ums Oberhaus, vor allem im Kopf dürfte sich nach zehn sieglosen Partien einiges zum Positiven gewendet haben. Und der HSV? Der hat einen Rückschlag erlitten, aber noch lange keinen Knock-Out.

"Das ist eine bittere Niederlage, wir hatten uns fest vorgenommen, aus Stuttgart etwas mitzunehmen", resümierte HSV-Coach Mirko Slomka sichtlich ernüchtert bei der Pressekonferenz. In der Tat hatten die Norddeutschen die Partie lange gut im Griff, auch weil Huub Stevens seinem Image als "Bollwerk-Bauer" gerecht wurde und seinem VfB eine klare Defensivtaktik verordnet hatte. Dann aber kassierte der bis dahin wieder einmal gute Hakan Calhanoglu nach einem taktischen Foul an Christian Gentner eine gerechtfertigte Gelb-Rote Karte (53.). Der VfB war in Überzahl und diktierte fortan das Geschehen. Der eingewechselte Alexandru Maxim machte mit seinem Tor (69.) den Sieg perfekt.

Stevens sieht "Kreisliga-Niveau"

Drei Punkte also für den VfB in einem für HSV-Keeper Rene Adler "typischen 0:0-Spiel". Der neue VfB-Trainer Stevens war dennoch unzufrieden, schließlich agierten seine Spieler selbst in Überzahl viel zu hektisch, fehlerhaft und harmlos.

"Ich bin glücklich über den Sieg, ich bin sehr zufrieden mit den drei Punkten, aber nicht über die Art und Weise, das kann nicht sein. Wir brauchen mehr Vertrauen, aber das ist auch normal für eine Mannschaft, die so oft nicht gewonnen hat und unten steht", meinte Stevens. In einigen Aktionen sah Stevens sogar "Kreisliga-Niveau" bei seiner Mannschaft.

In der Tat lag bei den Stuttgartern einiges im Argen. Viel hatte man sich von der Rückkehr von Torjäger Vedad Ibisevic versprochen, der allerdings einen schwachen Tag erwischte und dem von Stevens "mangelnde Spritzigkeit" attestiert wurde.  So blieb bei den Schwaben vieles Stückwerk. Die Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena sahen eine komplett verunsicherte eigene Elf. Immerhin konnte man den VfB-Akteuren die Selbstkritik nicht absprechen. "Das war vielleicht unser schlechtestes Spiel seit Ewigkeiten, wir waren total verunsichert", meinte VfB-Kapitän Christian Gentner. "Wenn man das Spiel betrachtet, kam das Selbstvertrauen eigentlich gar nicht zurück."

Lasogga nicht zu ersetzen

Ein schwacher VfB also, und der HSV? Der machte es nicht viel besser. Es fehlte an Ideen, Kombinationen und schnellem Spiel. "Mit bloßem Ballbesitz schießt man keine Tore", stellte auch Adler fest, der an diesem Nachmittag in Stuttgart wohl einen seiner ruhigsten Arbeitstage verlebte. Mit Punkten wurde es trotzdem nichts aus Hamburger Sicht, umso bitterer nach einem Spiel, das man niemals hätte verlieren dürfen. Vor allem das Fehlen von Torjäger Pierre-Michel Lasogga machte sich erneut extrem negativ bemerkbar, Jacques Zoua war auch in Stuttgart kein adäquater Ersatz. Dazu kommt, dass sich Kapitän Rafael van der Vaart nach wie vor im Leistungstief befindet. Am Samstag wurde er ausgewechselt.

Nach dem äußerst schwachen Spiel scheint klar: Beide Mannschaften werden bis zum Saisonende ums Überleben kämpfen. Am Mittwoch geht es für Stuttgart beim direkten Rivalen aus Nürnberg weiter, der HSV versucht am selben Tag, seine Heimstärke gegen den wiedererstarkten SC Freiburg zu nutzen. Ein Sieg der beiden Mannschaften ist nach deren Vorstellungen vom Samstag allerdings nur schwer vorstellbar. Aber nicht vergessen: Im Abstiegskampf ist derzeit alles möglich. Spannung pur im Keller der Bundesliga.  

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer

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