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31.01.2014 - 16:08 Uhr


Reuter: "Augsburgs großer Vorteil ist der Realismus"

"Wir sehen uns als Team, das zusammen wirkt", sagt Stefan Reuter (r.) über seine Arbeit mit FCA-Trainer Markus Weinzierl

Seit Dezember 2012 ist Reuter als Manager beim FC Augsburg tätig. Während seiner aktiven Zeit...

spielte der Verteidiger unter anderem für den FC Bayern. Die heutige Mannschaft des FCB hält er für eine der besten die es je gab

München - Seit Dezember 2012 ist der Welt- und Europameister Stefan Reuter als Manager beim FC Augsburg tätig. Im Interview mit bundesliga.de spricht er über den Augsburger Weg, Trainer Markus Weinzierl und die Dominanz der Bayern in der Liga.

bundesliga.de: Herr Reuter, Markus Weinzierl gehört zu den Trainern, die aktuell besonders im Fokus stehen. Haben Sie keine Angst, dass größere Clubs ihren Coach abwerben?

Stefan Reuter: Sowohl der Trainer, als auch wir arbeiten intensiv daran, aus dem FCA einen stabilen Erstligisten zu machen. Deshalb freuen wir uns, dass Markus seinen Vertrag bis 2017 verlängert hat. Sein permanenter Antrieb ist es, die Mannschaft weiter zu entwickeln.

bundesliga.de: Wie würden Sie Markus Weinzierl charakterisieren?

Reuter: Er ist fair, authentisch, kommt bei der Mannschaft mit seinen Ansprachen gut an. Er ist ein toller Repräsentant des FCA und ein Sympathieträger für den Verein. Er ist nachvollziehbar und konsequent, setzt auf Disziplin, hört zu, aber jeder weiß, wer der Chef ist. Er ist in schwierigen Zeiten sehr sachlich und souverän geblieben.

bundesliga.de: Stichwort Entwicklung. Augsburg hat bisher eine bemerkenswerte Saison gespielt. Wir weit sehen Sie den FCA in seiner Entwicklung?

Reuter: Trotz der guten Entwicklung des Clubs sind wir nun Mal Vorletzter der Tabelle, was das Budget angeht. Der große Vorteil des Trainers, des Clubs und der Fans ist, dass sie alle sehr realistisch sind. Wir wissen, dass es Rückschläge geben kann. Der FC Augsburg ist ein verlässlicher Partner, der für solide Arbeit steht und Leidenschaft transportiert. Ich bin froh, in einem Team zu arbeiten, das in eine Richtung marschiert. Das fängt beim Präsidenten an. Wir treffen keine emotionalen Entscheidungen, sondern wir analysieren sachlich und schauen permanent, ob alles funktioniert.

bundesliga.de: Gibt es einen FCA-Stil?

Reuter: Da ist der Wille, nicht aufzugeben und ein sehr laufintensives Spiel umzusetzen. Wir haben gesagt, wenn wir nicht locker lassen, dann werden wir belohnt. Das System wurde offensiver. Vergangene Saison die Klasse ohne Relegation zu halten war eine bemerkenswerte Leistung. Kernpunkt unseres Schaffen ist die Erkenntnis: "Wir müssen als Mannschaft funktionieren. Jeder profitiert, wenn das Ganze funktioniert."

bundesliga.de: Wie sieht seine bevorzugte Taktik aus: Gegen-Pressing oder hohes Verteidigen, was ist aus Ihrer Sicht die richtige Taktik?

Reuter: Nennen Sie die Taktik, wie sie wollen. Das wichtigste ist, zu zeigen, dass du ein Spiel gewinnen willst. Dass der Gegner spürt, du bist immer da und lässt dich nicht abschütteln. Abgesehen davon liegt das auch mit am Gegner, gegen die Bayern musst du anders spielen. Wir kommen in Augsburg seit der Umstellung auf einen offensiveren Stil sehr gut zurecht.

bundesliga.de: Es fällt auf, dass der FCA inzwischen als gute Adresse bei vielen Spielern gilt. Stellen Sie beim Image des Clubs Veränderungen fest?

Reuter: Wir werden anders wahrgenommen und wir werden alles tun, dass das so bleibt. Viele Spieler können sich inzwischen vorstellen, stabil in der Liga anzukommen und eigene und gemeinsame Ziele umzusetzen.

bundesliga.de: Wie wichtig war es für Markus Weinzierl in schwierigen Zeiten und auch jetzt, einen Manager wie Sie an seiner Seite zu haben?

Reuter: Wir sehen uns als Team, das zusammen wirkt. So bleibt nicht alles an ihm alleine hängen, man ergänzt sich. Aber es ist sicher ein Vorteil, den ich mit einbringen kann, dass ich auf eine lange Karriere und viel Erfahrung zurück blicken kann. Ich kann mich ganz gut in Spieler hineinversetzen.

bundesliga.de: Was sind die nächsten wichtigen Aufgaben beim FCA?

Reuter: Wir wollen die Strukturen weiter optimieren und verbessern. Etwa die Einnahmesituation, das ist ein wichtiges Ziel, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das neue Nachwuchsleistungszentrum schließt Lücken und macht den FCA noch attraktiver. Eigene Spieler sind immer positiver zu sehen als teure Transfers.

bundesliga.de: Sie haben auch beim FC Bayern gespielt. Lässt sich ein Vergleich der heutigen Mannschaft zu denen der Vergangenheit ziehen? Franz Beckenbauer und andere Experten haben die aktuelle Mannschaft als beste Bayern-Mannschaft bezeichnet, die es je gab.

Reuter: Dieser Meinung kann man ohne Zweifel sein, obwohl sich Mannschaften aus verschiedenen Generationen nur schwer vergleichen lassen. Aber die aktuelle Bayern-Mannschaft steht sehr weit vorne. Vergangene Saison haben sie das Triple gewonnen und nun hat man das Team weiter optimiert.

bundesliga.de: Ist die Bayern-Dominanz ein Problem für die Liga?

Reuter: Die Bundesliga ist ein Erfolgsmodell. Auch international gesehen. Es zeigt sich, dass hier nachhaltig gewirtschaftet wird und alles auf gesunden und soliden Füßen steht. Wenn es an der Spitze spannend ist, ist das immer interessanter. Obwohl sie große internationale Ziele haben, sehen die Bayern die Bundesliga und die deutsche Meisterschaft als enorm wichtigen Titel an, den sie unbedingt gewinnen wollen. Und, wenn die Dortmunder nicht so viel Verletzungspech hätten, wäre es vielleicht auch enger. Leverkusen ist auf einem guten Weg und Wolfsburg wird viel Potential zugetraut.

bundesliga.de: Hinter den Bayern kann jeder jeden schlagen?

Reuter: Zugegeben, dieser Eindruck entsteht angesichts des enormen Vorsprungs der Bayern. Aber ein Blick auf den Kampf um die internationalen Plätze zeigt, dass es mit Dortmund, Leverkusen, Schalke, Mönchengladbach und Wolfsburg ein bestimmter Kreis an Teams ist, die beste Aussichten und andere Möglichkeiten haben. Ein Überraschungsteam ist natürlich immer drin. Aber es gehört zu Faszination des Fußballs, dass die vermeintlich Kleinen die Großen immer wieder schlagen oder ärgern können.

bundesliga.de: Was sind die wichtigsten Aufgaben für den heutigen Manager im Fußball?

Reuter: Das Ganze zusammen zu fügen und die Voraussetzungen für Erfolg und Entwicklung zu schaffen. Wichtig ist die Unternehmens-Idee und die Corporate Identity zu transportieren. Die Aufgaben sind sicher vielfältiger geworden. Fußballclubs sind heute moderne Unternehmen. 

Das Gespräch führte Oliver Trust

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