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09.03.2014 - 20:56 Uhr


Schwalben, Schwäne und Könige der Lüfte

Bremens Aaron Hunt, der FC Bayern, VfB-Trainer Huub Stevens und Schalkes Klaas-Jan Huntelaar (von oben links im Uhrzeigersinn)

München - Das Leben als Ornithologe ist nicht immer einfach. Oft kauert man stundenlang in unmöglicher Position in einem gut getarnten Unterschlupf und - sieht nichts. Die Vögel, für die man diese ganzen Unannehmlichkeiten auf sich nimmt, zeigen sich einfach nicht. Am 24. Spieltag war das jedoch ganz anders. Die Bundesliga präsentierte ihre ganze Vogelschar. Nicht nur Schwalben und Schwäne zeigten sich. Die auf den Rängen wartenden Vogelkundler bekamen sogar einen Phönix und die "Könige der Lüfte" zu sehen - darüber spricht die Liga!

Die Aaron'sche Weser-Schwalbe

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Selbst langjährige Ornithologen bekommen dieses Exemplar nur äußerst selten zu Gesicht: Lange galt die Weser-Schwalbe als ausgestorben, doch am Samstagabend, schon nach Sonnenuntergang, zeigte sie sich an einem für sie eher ungewöhnlichen Ort: im Frankenland. Die Partie zwischen dem 1. FC Nürnberg und Werder Bremen schrieb die 75. Minute, als Aaron Hunt (l., © imago) in den "Club"-Strafraum dribbelte und nach vermeintlichem Kontakt mit Javier Pinola abhob. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sofort auf den Punkt, um sich kurz danach eines Besseren belehren zu lassen. Hunt kam unaufgefordert auf Gräfe zu und gestand, dass es sich keineswegs um ein elfmeterwürdiges Foul gehandelt habe, sondern Gräfe gerade die überaus seltene Weser-Schwalbe beobachten konnte. In dieser Szene zeigte sich aber auch die bemerkenswerte Fairness im Umgang mit ihren Artgenossen, die der Gattung der Aaron'schen Weser-Schwalbe zugeschrieben wird.

Der niederländische Phönix

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Ungläubig rieb sich manch einer am Sonntagmorgen wohl die Augen, als er sah, wer sich da im Ländle niederlassen hatte: Er, der Phönix aus den Niederlanden - Huub Stevens (r.). Wie der Vogel aus der Mythologie steht auch der Trainer-Haudegen, der Thomas Schneider bei den Schwaben beerbt, für einen Neuanfang - für die (ersehnte) Auferstehung des VfB. "Huub ist hochmotiviert. Er hat unheimlich viel Erfahrung und solche Situationen schon durchlebt", sagte Sportvorstand Fredi Bobic, der bei der Hertha noch unter dem Trainer Stevens gespielt hatte. Stevens, so Bobic, könne "die Mannschaft zum Klassenerhalt führen" (zur Meldung). Viel Anlaufzeit, um die Weichen auf Ligaverbleib zu stellen, bleibt dem 60-Jährigen jedoch nicht. "So wenig Zeit hatte ich noch nie bei meinen Stationen zuvor", sagt Stevens. Der Blick auf den Spielplan gibt ihm recht. Die nächsten drei Partien sind allesamt Schlüsselspiele gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf (Der "heiße März" in der XL-Galerie). "Er kann uns in den letzten Spielen die richtige Richtung zeigen", sagt Bobic, und so für die Auferstehung des VfB Stuttgart sorgen. 

Schalkes sterbender Schwan

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Ein in Fußball-Stadien ebenfalls seltenes Exemplar bekamen die Besucher in der Veltins-Arena zu Gesicht. Klaas-Jan Huntelaar (Bild, © imago), sein Spitzname "Hunter" deutet es schon an, tritt normalerweise als Jäger auf, immer auf der Suche nach Beute. Im Spiel gegen Hoffenheim sollte er jedoch für wenige Augenblicke zum sterbenden Schwan mutieren. Zweimal hatter der "Tor-Jäger" in der ersten halben Stunde schon zugeschlagen. In der 31. Minute sollte der dritte Streich folgen - vom Elfmeterpunkt. Der Hattrick für den Niederländer war zum Greifen nah. Doch anders als sonst verließ sich Huntelaar nicht auf seine brachiale Schussgewalt, wollte den Hattrick elegant erzielen - und scheiterte kläglich. In Panenka-Manier chippte er den Ball aus dem Stand in die Tormitte. Doch Coen Casteels, der bereits in die rechte Ecke unterwegs war, konnte seine Bewegung noch abbrechen und den Lupfer fangen. "Das mache ich beim nächsten Mal besser nicht mehr", gestand Huntelaar nach dem Spiel seinen Fehler ein (zum Interview). 48 Minuten später sollte er seinen Dreierpack dennoch erzielen und so beweisen, dass er mehr Raubvogel als Schwan ist.

Bayerische "Könige der Lüfte"

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Der Steinadler, auch als "König der Lüfte" bekannt, kommt in Deutschland nur noch in den Bayerischen Alpen vor. Ist er auf Jagd, schwebt er lange Zeit hoch oben am Himmel, ehe er seine Beute anvisiert und sich im Sturzflug auf sie hinabstürzt. Ein ähnliches Verhalten legte der FC Bayern in Wolfsburg an den Tag. Über weite Strecken des Spiels ließen die Münchner den VfL gewähren, erlaubten ihm sogar kurzfristig eine Führung. Doch dann war es vorbei mit bajuwarischer Großzügigkeit. Die "Könige der Liga" setzten zum Sturzflug an - und ließen den Wölfen keine Chance. Binnen 17 Minuten zerlegte der Triple-Sieger seine Beute in alle Einzelteile (Spielbericht), ehe er sich nach erfolgreicher Jagd wieder in gewohnte Höhen schwang, wo er abermals einsam seine Kreise über dem Rest der Liga zieht.

Gregor Nentwig

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