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13.10.2013 - 13:46 Uhr


Schnoor: "Peps Zermürbungstaktik greift"

Ex-Bundesligaspieler Stefan Schnoor ist vom Spiel des Führungstrios beeindruckt - auf Dauer sieht er aber nur Bayern und Dortmund auf Augenhöhe

Von 2000 bis 2006 (146 Ligaspiele) kickte der Defensivspieler (l.) für den VfL Wolfsburg. Was sich beim Verteidigen verändert hat, erklärt er im Interview

"Der HSV hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft": Schnoor hatte seine Profikarriere bei den Hamburgern begonnen, wo er von 1991 bis 1998 auf 131 Einsätze kam

München - Nach acht Spieltagen in der Bundesliga zeichnen sich ersten Tendenzen ab. Einige Teams haben überzeugt, einige sind unter ihren Möglichkeiten geblieben.
Der langjährige Bundesligaspieler und SPORT1-Experte Stefan Schnoor zieht für bundesliga.de sein Fazit über den Saisonbeginn, spricht über die Entwicklung der Bayern unter Pep Guardiola und die Gründe für faires Verteidigen.

bundesliga.de: Herr Schnoor, mittlerweile sind acht Spieltage der Saison vorüber. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus?

Stefan Schnoor: An der Tabellenspitze ist das eingetreten, was alle erwartet haben. Bayern, Dortmund und Leverkusen spielen einen beeindruckenden Fußball und stehen zurecht da oben. Natürlich gibt es aber auch Mannschaften, die den Erwartungen hinterherhinken und ihr Potenzial bisher nicht ausgeschöpft. Ich denke an Nürnberg, Freiburg und auch den HSV.

bundesliga.de: Was sind die bisherigen Überraschungen?

Schnoor: Bayer Leverkusen tritt sehr entspannt und unaufgeregt auf und zieht sein Spiel Woche für Woche durch. Zudem haben sich die Bayern überraschend schnell auf das System Guardiola eingestellt. Das ist schon etwas Besonderes, denn Guardiola fordert viele andere Dinge im Vergleich zur Vorsaison. Das spricht für die Qualität der Spieler. Auch Borussia Dortmund beeindruckt mich. Der BVB hat die neuen Spieler sehr schnell integriert und spielt sofort wieder den Fußball, der ihn in den vergangenen Jahren stark gemacht hat.

bundesliga.de: Apropos Guardiola. Greift seine Spielidee bei den Bayern schon?

Schnoor: Ja. Es war ja unter Guardiola beim FC Barcelona auch so, dass seine Mannschaft viel Ballbesitz hatte und viele Pässe gespielt hat. Nicht immer Risikopässe, sondern einfache Pässe vom einen zum anderen. Eine Zermürbungstaktik, um den Gegner müde zu machen. Die Bayern verinnerlichen das immer mehr.

bundesliga.de: Leverkusen hat einen beeindruckenden Saisonstart hingelegt. Läuft es letztendlich aber doch wieder auf einen Zweikampf zwischen Bayern und Dortmund hinaus?

Schnoor: Es wäre schön, wenn Leverkusen so lange wie möglich oben dran bleiben könnte. Aber auf Dauer wird sich die Meisterschaft wieder zwischen Bayern und Dortmund entscheiden. Der BVB hat im Moment allerdings extrem viele Verletzte und ist geschwächt.

bundesliga.de: Also sind die Bayern im Vorteil?

Schnoor: Bayern hat auch einige Verletzte. Aber der Kader der Bayern im Vergleich zu dem von Borussia Dortmund ist breiter und qualitativ besser. Das ist der Vorteil, den der FC Bayern im Moment genießt.

bundesliga.de: In der laufenden Saison kristallisiert sich die Tendenz heraus, dass die Abwehrspieler sehr intelligent verteidigen und mit sehr wenig Fouls auskommen. So wenige Fouls wie in dieser Saison gab es seit Beginn der Datenerfassung 1992/93 nicht. Woran liegt das?

Schnoor: Es wird sehr viel Wert auf die Ausbildung der Verteidiger gelegt. Schon im Jugendbereich bringt man den Spielern bei, möglichst ohne Fouls auszukommen, Grätschen von hinten zu vermeiden und brenzlige Situationen früh zu erkennen und zu lösen. In diesem Bereich werden die Spieler heute besser geschult als früher.

bundesliga.de: Philipp Lahm ist der Prototyp des intelligenten Verteidigers. Er hat an den bisherigen acht Spieltagen nur ein einziges Foul begangen.

Schnoor: Lahm hat eine sehr hohe Spielintelligenz und eine schnelle Auffassungsgabe auf dem Platz. Er erkennt viele Situationen schon, bevor sie passieren. In Zweikämpfen stellt er sich sehr clever an und weiß auch ganz genau, wann man mal ein Foul machen kann und wann nicht. Das spricht für seine absolute Weltklasse.

Das Gespräch führte David Schmidt
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