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27.04.2014 - 21:04 Uhr


Schalen-Schoten

Die Meisterschale wird seit 1949 übergeben

München - Wer war der erste Spieler, der die Meisterschale in Händen hielt? An dieser Frage scheitert so mancher Expertenstammtisch. Schon vor Gründung der Bundesliga wurde sie vergeben, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg löste sie die Viktoria ab. Der erste Nachkriegsmeister 1. FC Nürnberg kam allerdings noch nicht in den Genuss - Max Morlock und Kollegen erhielten stattdessen einen Lorbeerkranz.

Erst 1949 war die Schale fertig und ging an eine Mannschaft, die sie danach nie mehr gewann: den VfR Mannheim. Der schlug am 10. Juli 1949 in Stuttgart Borussia Dortmund im bis 1963 üblichen Finale mit 3:2 nach Verlängerung. Dann erhielt VfR-Kapitän Philipp Henninger, von Beruf Kraftfahrer, aus den Händen des DFB-Präsidenten Peco Bauwens die Schale. In der Sportpresse hieß diese damals übrigens noch "kleine Viktoria". Offiziell hat sie keinen Namen.

Der erste Bundesliga-Spieler, der sie anfassen durfte, hatte auch schon die Hand am WM-Pokal (Jules Rimet). Hans Schäfer, einer der Helden von Bern, war 1964 Kapitän des 1. FC Köln.

Zusätzliche Ringe 1981 und 2009

Obwohl die Schale erst seit 1949 übergeben wird, sind auf ihr aus Gründen der Vollständigkeit alle Deutschen Meister seit 1903 eingetragen. Die ersten Meister standen ja auf der Viktoria, die im Krieg verloren gegangen war. Als sie 1990 in einem Ost-Berliner Kohlenkeller wieder auftauchte, kam sie dennoch nicht mehr zu Ehren. Sie steht jetzt in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

Erstmals angebaut werden musste 1981, als die Silberschale einen zusätzlichen Ring erhielt. Die nächste Erweiterung erfolgte 2009 und dürfte voraussichtlich bis 2026 reichen, sofern nicht allzu viele überlange Meisternamen wie Borussia Mönchengladbach darauf Platz finden müssen.

Die ersten Duplikate

Mit Bundesliga-Einführung entfiel das Finale um den Titel, was dazu führte, dass zuweilen Bedarf für ein Duplikat herrschte. Sofern die Entscheidung am letzten Spieltag in mehreren Stadien fallen konnte, musste entsprechend vorgesorgt werden. Erstmals war das 1971 der Fall, als in Frankfurt prompt das Duplikat zum Einsatz kam. Mönchengladbach überholte noch überraschend die Bayern, die in Duisburg verloren. 1992 waren gar drei Schalen parat: das Original in Rostock (für Frankfurt), die Duplikate in Leverkusen (für Stuttgart) und Duisburg (BVB). Auch da blieb das Original in der Schachtel, der VfB erhielt es am nächsten Tag nachgereicht. Auch 2002 gab es drei Schalen, diesmal war das Original aber schon am richtigen Platz - in Dortmund.

Die "falsche" Meisterschale von 1971 kam noch zu späten Ehren. Nachdem die Borussia noch am Abend des 5. Juni das Original erhielt, wanderte das Duplikat in die Abstellkammer des Stadions am Bökelberg. Wo sie 40 Jahre vor sich hingammelte. 2002 wäre sie fast im Abfall-Container gelandet, doch der Hausmeister rettete sie und sein Sohn versteigerte das leicht beschädigte Souvenir im Internet für einen Euro. Der Käufer machte sie schließlich auch wieder zu Geld, immerhin waren ja die Fingerabdrücke Günter Netzers an der Ersatzschale. Also bot er sie über ein Auktionshaus in Köln zur Versteigerung an und erhielt im Mai 2011 immerhin noch 9.000 Euro. Was lange in der Garage liegt, wird endlich wertvoll.

Meira jubelt verkehrt herum

Meisterehrungen werden in der Regel vom Überschwang der Gefühle begleitet, was den Trophäen nicht immer gut bekommt. 1970 fiel die Schale in Mönchengladbach zu Boden und einige der grünen Edelsteine (Tumaline) sprangen heraus. Sie wurde umgehend zur Reparatur geschickt und der Plan, dass sie jeder Borussia-Spieler für einen Tag mit nach Hause nehmen dürfe, damit durchkreuzt.

Der junge Lothar Matthäus ließ 1985 seine erste Meisterschale nach Bayerns Sieg in Braunschweig in den Matsch fallen. Sie wiegt elf Kilo. Immerhin wurde das gute Stück nie verbogen wie es dem DFB-Pokal 2001 widerfuhr, als Schalke-Manager Rudi Assauer ihn hatte fallenlassen.

Unsachgerechten Jubel gab es am 19. Mai 2007 in Stuttgart zu sehen, als VfB-Kapitän Fernando Meira die Schale nach der Übergabe im Konfettiregen verkehrt herum präsentierte. Wodurch die Öffentlichkeit auch mal die Kehrseite der XL-Medaille zu sehen bekam.

Die Schale bekommt Geschwister 

Seit 2009 hat die begehrte Trophäe "Geschwister": Auch der Meister der 2. Bundesliga und der Deutsche Frauen-Meister erhalten nunmehr Schalen. Die Frauen hatten zuvor einen Pokal bekommen, die Zweitliga-Meister nur einen Wimpel, was die DFL änderte, um das Unterhaus aufzuwerten. 

Ein besonderes Schalenplakat war im Mai 2007 in Dortmund zu sehen, wo der Revier-Rivale Schalke, speziell dessen damaliger Manager Rudi Assauer verspottet wurde. Auf einem Transparent war eine Schalenskizze mit dem Spruch "Nur gucken, nicht anfassen!" zu erkennen. Eine Anspielung auf einen Werbespot mit Assauer - und eine unverhohlene Hoffnung. Sie erfüllte sich, denn dank Borussias 2:0-Sieg im Derby am 33. Spieltag verpassten die Knappen den Titel.

Welcher Spieler hat die Schale eigentlich am häufigsten gewonnen? Oliver Kahn war zwischen 1997 und 2008 acht Mal dabei, als die Bayern feierten. Damit holte er Mehmet Scholl (1994 - 2006) ein. Die Top 10, wen wundert's, wird ausschließlich von Bayern-Spielern gebildet.

Udo Muras

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