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16.10.2013 - 17:25 Uhr


Qualitätsmerkmal Bundesliga-Keeper

Bernd Leno ist einer der jungen deutschen Torhüter, die ihre Aufgabe stark bewältigen und im Verein bereits Führungsspieler sind

Marc-Andre ter Stegen hielt gegen den BVB überragend, er ist mit seinen 466 Ballkontakten in dieser Saison der Prototyp des modernen Torwarts

"In den Nachwuchsleistungszentren wird sehr gut gearbeitet" - Oliver Reck kennt die Gründe für die Vielzahl an guten jungen Keepern

Manuel Neuer (r.) und Rene Adler (l.) fahren wohl sicher nach Brasilien - es ist noch Platz für einen dritten Schlussmann. Bundestrainer Joachim Löw hat viele Optionen

München - Am Freitag bekommt es Leverkusens Torwart Bernd Leno mit der zweitbesten Offensive der Liga zu tun. Bayer 04 reist nach Hoffenheim. Der Keeper wird also wohl wieder im Fokus stehen, so wie bereits am letzten Spieltag: Der 21-Jährige rettete gegen den FC Bayern mit acht teils spektakulären Paraden ein Remis.
Zwar erst 21 Jahre, aber schon ein ganz wichtiger Rückhalt im Team - damit taugt der Leverkusener als Paradebeispiel des modernen Bundesliga-Torwarts. Denn hinter den etablierten Weltklasse-Torhütern Manuel Neuer (27) und Rene Adler (28) liefern eine ganze Reihe talentierter Schlussmänner starke Vorstellungen ab und genießen bereits in ganz jungen Jahren das Vertrauen ihrer Clubs. Aktuell sind 14 der 18 Stammkeeper Deutsche in der Bundesliga. Der Altersdurchschnitt der deutschen Torhüter liegt bei 26,9 Jahren, nur vier Akteure sind über 30 Jahre alt. Woher kommt dieser Trend?

Nachwuchsleistungszentren als Talent-Schmiede



Für Ex-Nationaltorwart und Europameister Oliver Reck eine klare Sache: "Der Überfluss an Talenten kommt aus den Nachwuchsleistungszentren", sagt er gegenüber bundesliga.de. "Die Vereine betreiben einen hohen Aufwand, haben in allen Jugendbereichen einen Torwarttrainer, Fachkräfte, die selbst mal früher gespielt haben oder eine Ausbildung genossen haben." Das individuelle Training sei einer der Hauptfaktoren, der sich bei Torhütern auszahle, so der Ex-Torwart.

Inzwischen ernten die Vereine die Früchte des hohen Ausbildungsaufwands - und die jungen Torhüter Lob von allen Seiten. "Er strahlt unglaublich viel Ruhe aus und überträgt das auch auf die Abwehr", lobt Bayer-Kapitän Simon Rolfes seinen jungen Teamkollegen. Ähnlich überschwänglich waren auch die Lobeshymnen auf Marc-Andre ter Stegen nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund. BVB-Coach Jürgen Klopp verzweifelte am Gladbacher Torwart: "Dieser ter Stegen hatte immer noch die Hände dazwischen."

Ter Stegen verkörpert den modernen Torwart



Ter Stegen gibt auf dem Feld quasi den 11. Feldspieler und ist ständig anspielbereit. Der Gladbacher, der wie Leno aktuell in der U-21 spielt, kommt in dieser Saison bereits auf 466 Ballkontakte. Nur der 23-Jährige Oliver Baumann kommt mit 424 Ballkontakten in die Nähe des Gladbachers. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten hatte ter Stegen die meisten Ballkontakte unter den Torhütern, jeweils belegte Ron-Robert Zieler (23 Jahre) den zweiten Platz. "Ich versuche wirklich Fußball im Tor zu spielen und denke, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt", erklärt ter Stegen die offensive Interpretation seiner Rolle.

Auch Reck sieht Veränderungen im Torwartspiel: "Ich denke, dass die meisten Torhüter heute viel mutiger agieren, als noch vor ein paar Jahren, das heißt man muss sehr offensiv verteidigen vor dem Tor." Für den Torwarttrainer von Fortuna Düsseldorf ist der richtige Zeitpunkt zum Verlassen des Kastens entscheidend. Offensiv verteidigen bedeute nicht, dass man das Tor zu früh verlasse. Für Reck ist die zentrale Frage: "Wann verlasse ich meine Torlinie, wann kann ich den Abwehrspieler unterstützen?"

Deutsche Torhüter: Prädikat Weltklasse



Zwei, die fast immer die richtige Antwort darauf finden, sind Manuel Neuer und Rene Adler. Sie setzen im Verein und in der DFB-Elf die Tradition herausragender Keeper fort, die Weltklasse-Keeper wie Oliver Kahn, Jens Lehmann, Toni Schumacher oder Bodo Ilgner geprägt haben. Von den vielen jungen deutschen Torwhütern, die hinter dem Duo mit den Hufen scharren, profitieren sowohl die Clubs als auch die Nationalmannschaft.

Zwar ist Manuel Neuer die unangefochtene Nummer 1 vor Rene Adler im Nationalteam, dahinter empfehlen sich jedoch etliche Akteure für einen Platz im Kader. Die meisten Großchancen verhinderten in dieser Saison beispielsweise Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt und Oliver Baumann vom SC Freiburg (beide 23 Jahre). Stuttgarts Sven Ulreich, der auch erst 25 Jahre alt ist, überzeugt bereits in seiner vierten Saison als Stammkeeper. Sie alle spielten sich damit ins Blickfeld von Joachim Löw. Und wie Leno, ter Stegen und Zieler durchliefen sie die deutschen U-Nationalmannschaften und drängen nun auf den nächsten Schritt.

Löws Luxusproblem



Löw hat also die Qual der Wahl, welchen Torwart er als Nummer 3 mit nach Brasilien zur Weltmeisterschaft nimmt. Neben den gesetzten Manuel Neuer und Rene Adler ist nur Platz für einen dritten Schlussmann. Die Frage ist: Setzt der Bundestrainer auf Erfahrung oder auf den Nachwuchs?

"Man denkt ja jetzt darüber nach, Roman Weidenfeller zu berufen, der ja sehr konstant gespielt hat in den letzten Jahren. Das halte ich einerseits für gut", meint Reck zum erfahrenen BVB-Keeper, fügt aber an: "Eigentlich muss man aber die letzte freie Stelle mit einem jungen Torwart besetzen, der noch in der Entwicklung ist, der noch nicht ausgereift ist, aber dem man auch zutraut, so ein großes Turnier mit zu bestreiten."

An geeigneten Kandidaten wird es sicher nicht scheitern.

Von Sebastian Blome
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