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20.02.2014 - 22:02 Uhr


"Schalke darf wieder von mehr träumen"

Schalkes Legende Olaf Thon traut seinem Ex-Club mehr als nur Platz 4 zu

Für Schalke absolvierte der Ex-Nationalspieler 333 Bundesliga-Spiele (© Imago)

Der gebürtige Gelsenkirchner gewann 1990 mit Deutschland die Weltmeisterschaft in Italien

München - Der FC Schalke 04 hat nach seinem Traumstart mit vier Siegen in vier Rückrundenspielen Platz 4 in der Tabelle untermauert. Am Freitag spielen die Königsblauen gegen den 1. FSV Mainz 05 (ab 20 Uhr im Live-Ticker). Anschließend folgen die Kracher gegen Real Madrid und Bayern München. Vor den wegweisenden Spielen sprach Schalke-Legende Olaf Thon mit bundesliga.de. Im Interview analysiert der Weltmeister von 1990 die Gründe für den Aufschwung der Gelsenkirchener.

bundesliga.de: Olaf Thon, der FC Schalke 04 hat in der Bundesliga einen perfekten Rückrundenstart hingelegt und alle vier Spiele gewonnen. Wie bewerten Sie die Entwicklung der Knappen?

Olaf Thon: Ich bin sehr froh über die positive Entwicklung. Nach dem abgelaufenen Jahr 2013 konnte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass Jens Keller so die Kurve bekommt. Für ihn ist es die Bestätigung seiner Klasse und seiner Arbeit, die er geleistet hat. Es ist schön zu sehen, dass gerade die jungen Spieler ihre Chance bekommen. Ich freue mich schon darauf, wenn auch wieder Julian Draxler und Benedikt Höwedes zur Verfügung stehen. Dann hat Schalke wieder eine optimale Mischung, um einen Konkurrenzkampf aufleben zu lassen für die drei wichtigen anstehenden Big Points mit den Spielen gegen Real Madrid, Bayern München und Borussia Dortmund. Davor kommt noch das ebenfalls wichtige Spiel gegen Mainz. Ich denke, dass die Mannschaft nach vier Siegen auch gegen Real Madrid mit breiter Brust aufspielen kann und eine Chance hat. Davon bin ich jetzt mehr überzeugt als noch im alten Jahr.

bundesliga.de: Die Schalker Spieler haben den Aufschwung am vergangenen Wochenende vor allem mit einem neuen Zusammenhalt in der Truppe und der Rückkehr von Klass-Jan Huntelaar begründet. Sind das die Eckpunkte, an denen man den Schalker Aufschwung festmachen kann?

Thon: Huntelaar ist ein wichtiger Bestandteils des Aufschwungs. Aber es fängt auch bereits hinten an. Ralf Fährmann ist inzwischen eine feste Konstante im Tor. In der Innenverteidigung haben sich Felipe Santana und Joel Matip gefunden. Der Konkurrenzkampf wird dann durch Höwedes noch forciert. Auf der linken Seite liefert Sead Kolasinac tolle Spiele ab. Im Mittelfeld harmoniert Kevin-Prince Boateng auf der Sechs sehr gut mit Roman Neustädter. Und dann kommt das tolle Tandem mit Max Meyer hinter Klaas-Jan Huntelaar, der weltweit zu den besten Torjägern zählt. Er macht aus einer Chance sein Tor. Im Moment passt vieles zusammen. Die Mannschaft hat Selbstvertrauen. Es sieht sehr gut aus. Am besten wäre es, den positiven Trend fortzusetzen, was aber nicht ganz einfach wird. Vor allem in Spielen wie jetzt gegen Mainz am Freitagabend. Ich bin gespannt, ob die Mannschaft runterschrauben und die danach folgenden Highlights verdrängen kann.

bundesliga.de: In den letzten sechs Spielen konnte Schalke zehn Punkte auf Leverkusen aufholen und am letzten Samstag auch das direkte Duell mit der Werkself gewinnen. Geht es für Schalke in erster Linie um die Sicherung des 4. Platzes oder ist nach oben noch mehr drin?

Thon: Gegen Leverkusen hat Schalke etwas glücklich gewonnen. Bayer hatte viele Großchancen, die Ralf Fährmann vereitelt hat. Über ein Unentschieden hätte sich auch niemand beschweren können. Jetzt hat Schalke aber nicht nur die Chance auf Platz 4. Die Mannschaft muss an sich glauben und sagen: Jetzt ist auch Platz 2 wieder möglich. Vor der Saison hat Horst Heldt selbst gesagt: Wir wollen eher besser werden als der 4. Platz der letzten Saison. Auch wenn die Ziele zurückgeschraubt wurden, ist man jetzt an dem Punkt, an dem man wieder von mehr träumen darf.

bundesliga.de: Nur träumen oder ist es auch realistisch?

Thon: Sicher ist es realistisch, wenn man sich die Punkteverteilung anschaut. Aber ich würde es mit dem Zusatz "träumen" beschreiben. Man muss auch etwas tiefstapeln, um die Serie weiter auszubauen.

bundesliga.de: Sie haben es eben bereits angesprochen. Viele junge Spieler kommen zum Einsatz wie zuletzt auch ein Kaan Ayhan. Max Meyer ist schon fester Bestandteil der Mannschaft, genauso Leon Goretzka oder Sead Kolasinac. Ist das die Philosophie von Jens Keller, der ursprünglich aus dem Jugendbereich von Schalke kommt?

Thon: Ja, und er kann dabei auch auf der tollen Nachwuchsarbeit von unserem A-Jugendtrainer Norbert Elgert aufbauen. Er bringt in jedem Jahr große Talente heraus. Elgert hat einen Manuel Neuer herausgebracht, einen Draxler, Höwedes, Matip und andere. Er schafft es, Jens Keller zuzuarbeiten. Ihm gilt ein besonderer Dank. Darauf basiert der positive Jugendtrend auf Schalke. Es funktioniert.

bundesliga.de: In der kommenden Woche spielt Schalke dann nach dem komplizierten Mainz-Spiel gegen Real Madrid und Bayern München. Weiß man danach, wo die Schalker Reise in dieser Saison hingeht?

Thon: Wenn man gut plant, weiß man immer, wo die Reise hingeht. Ich werde auch in München sein und mir das Spiel nicht entgehen lassen. Vielleicht ist dort ein kleines Wunder möglich. Wir haben vorhin über Träume gesprochen. Grundvoraussetzung dafür sind gute Leistungen zuhause gegen Mainz und Real Madrid, um dann mit breiter Brust nach München zu fahren. Auch die Bayern werden irgendwann einmal ein bisschen nachlassen. Wenn man dann einen Zuckertag erwischt, gilt ein alter Spruch von Rudi Assauer: Form schlägt Klasse. Warum soll das nicht möglich sein?

bundesliga.de: Gilt das auch für Real Madrid?

Thon: Auch. Besonders im Hinspiel. Entschieden wird das Achtelfinale erst im Rückspiel. Schalke muss schon zwei Tore vorlegen, um eine reelle Chance zu haben.

bundesliga.de: Wobei Real Madrid bei Europacup-Spielen in Deutschland eine verheerende Bilanz hat.

Thon: In dem Fall finde ich die Statistik ausnahmsweise einmal gut.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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