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Bundesliga

12.04.2014 - 23:02 Uhr


"Wir wollten Chaos stiften bei den Bayern"

Nuri Sahin (r., gegen David Alaba) verlor mit dem BVB keines der letzten vier Bundesliga-Spiele bei den Bayern

Mit 11,58 zurückgelegten Kilometern war Sahin der laufstärkste Spieler der Partie

Dortmund feierte seinen dritten Sieg in Folge und wahrte damit seinen Drei-Punkte-Vorsprung auf Schalke

München - "Herzlich willkommen beim Deutschen Meister 2014" lautete das Motto in der Allianz Arena für das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Der FC Bayern schmierte seinem großen Widersacher der vergangenen Jahre den souveränen Titelgewinn direkt beim Betreten der Allianz Arena großflächig aufs Brot.

Und wie reagierten die Gäste? Vollkommen unerschrocken und ohne einen Hauch von Ehrfurcht gaben die Borussen den Partyschreck. Sie machten es sich im Wohnzimmer der Münchner so richtig gemütlich, setzten den Hausherren entschlossen zu und nahmen durch den verdienten 3:0-Erfolg auch noch die drei Punkte mit ins Ruhrgebiet.

Nuri Sahin nennt im Interview das Geheimnis des Sieges, mit dem er und seine Kollegen eine Rechnung beglichen haben und der ein Zeichen für die ganze Liga ist. Der Mittelfeldspieler ist jetzt optimistisch für das Pokal-Halbfinale am Dienstag gegen den VfL Wolfsburg.

Frage: Herr Sahin, hier hängen zahlreiche Plakate an den Wänden, die den diesjährigen Deutschen Meister zeigen. Waren Sie dadurch noch ein bisschen mehr motiviert?

Nuri Sahin: Nein. Die Bayern sind hochverdient Deutscher Meister geworden. Sie haben den Titel souverän geholt und dürfen ihn natürlich jetzt auch feiern. Das ist ihr gutes Recht. Ich war auf jeden Fall nicht extra motiviert dadurch, und meine Kollegen glaube ich auch nicht.

Frage: Was war denn ausschlaggebend für den Erfolg in diesem Prestigeduell?

Sahin: Es war eine taktisch sehr reife Leistung von uns. Unser Plan ist extrem gut aufgegangen, wir haben unser Spiel über 90 Minuten durchgezogen. Und dann wirst du auch belohnt.

Frage: Sie haben gesagt, der Plan sei voll aufgegangen. Wie genau sah der denn aus?

Sahin: Chaos stiften bei den Bayern (schmunzelt).Wir wollten draufgehen und jagen. Im Spielaufbau kannst du nicht jeden Raum zumachen. Und wenn du den Ball verlierst und der Gegner schnell umschaltet, passieren auch solche Tore wie in diesem Spiel. Das haben wir sehr gut ausgenutzt.

Frage: War der Sieg auch ein wichtiges Zeichen dafür, dass Borussia Dortmund wieder voll da ist?

Sahin: Es war vielleicht auch für die ganze Bundesliga nicht so schlecht, dass wir gewonnen haben. Die Bayern spielen in dieser Saison so dominant, da waren wahrscheinlich viele für uns. Wir hatten sie schon im Hinspiel in der ersten Halbzeit im Griff. Wenn wir da die Tore machen, gewinnen wir das vielleicht auch. Am Ende verlieren wir 0:3 und müssen still sein. Deswegen tut der Sieg richtig gut. Und er war wichtig, weil Schalke dran war. Wir haben sehr wenige Torchancen der Bayern zugelassen, das war eine richtig starke Leistung.

Frage: Einige Bayern-Spieler haben eben von den mentalen Schwierigkeiten gesprochen, die sie nach der gewonnen Meisterschaft haben. Haben Sie auf dem Rasen davon etwas gespürt?

Sahin: Die wollten alle gewinnen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein Profi bei Bayern München Probleme mit der Motivation hatte. Wir sind alle Profis und müssen alles geben, um die Spiele zu gewinnen. Dementsprechend sind auch die Bayern aufgetreten. Aber wir waren der verdiente Sieger.

Frage: Sie haben nach Real Madrid jetzt die Bayern geschlagen, zwei Teams aus den Top 4 Europas. Jetzt geht es im Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg (Di, ab 20:15 Uhr im Live-Ticker). Ist dieses Spiel das Wichtigste in diesen Tagen?

Sahin: Ja, mit Sicherheit! Wir haben eine riesen Chance, einen Titel zu holen. Wir wollen ins Finale, und dafür müssen wir genauso entschlossen auftreten wie gegen die Bayern. Das war schon einmal ein guter Anfang für Dienstag.

Frage: Ein Wort vielleicht noch zu Henrikh Mkhitaryan, der am Dienstag gegen Real der traurige Held war und gegen den FCB überragend gespielt hat.

Sahin: Er ist ein Spieler, der sich viel zu Herzen nimmt. Er ist in einem Land, das er nicht kannte. Und es lastet auch viel Druck auf seinen Schultern. Es gibt auf der Welt wenige Spieler, die seine Qualitäten - diese Drehungen und das Beschleunigen - haben. Wenn er das abruft, kann ihn keiner stoppen. Das hat er bewiesen. Ich mache mir um ihn gar keine Sorgen, er spielt eine gute Saison mit einer guten Quote. Natürlich haben ihn das Spiel gegen Real und die vergebenen Chancen mitgenommen. Aber er ist ein wichtiger Spieler für uns, den ich sehr schätze.

Aus München berichtet Tim Tonner

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