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12.01.2014 - 10:11 Uhr


Frontzeck über schwierige Wintertransfers

Michael Frontzeck trainierte Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld, Borussia Mönchengladbach und den FC St. Pauli

Bei den Haseaten war der 49-Jährige von Oktober 2012 bis November 2013 tätig

Als Spieler absolvierte Frontzeck (v.) für Gladbach, den VfB Stuttgart, Bochum und den SC Freiburg 436 Bundesliga-Spiele

München - Auch in diesem Jahr wieder fahren alle 18 Bundesligisten in der kurzen Winterpause ins Trainingslager. Nach Spanien, Portugal, in die Türkei, aber auch nach Katar oder Südafrika zieht es die Vereine. Dort wollen sich die Clubs gut zwei Wochen vor dem Rückrundenstart den Feinschliff holen - und so manchen neuen Spieler integrieren.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Michael Frontzeck, ehemaliger Trainer von u.a. Borussia Mönchengladbach und dem FC St. Pauli, über seine Erfahrungen in Trainingslagern und die Schwierigkeiten, im Winter Spieler zu finden, die der Mannschaft weiterhelfen.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, die Bundesliga leistet sich eine Winterpause, in anderen Ländern wird durchgespielt. Was favorisieren Sie?

Michael Frontzeck: Die Winterpause ist generell von Nöten. Bei der Belastung ist es für die Spieler wichtig, einmal 14 Tage eine Pause zum Regenerieren zu haben. Bei den Bundesligisten ist die Pause relativ kurz, die Vorbereitungszeit bis zum Rückrundenstart sind dann nur drei Wochen. In der Zeit verlierst du nicht so viel, kannst auftanken und gehst dann frisch in eine ganz kurze Vorbereitung, in der nicht mehr an den Grundlagen gearbeitet wird, sondern mehr an der Spritzigkeit, anderen Details und taktischen Dingen. Die Pause ist relativ überschaubar, das war ja früher einmal anders.

bundesliga.de: Macht es aus Ihrer Sicht Sinn, in einer so kurzen Winterpause weite Reisen zu einem Trainingslager zu unternehmen?

Frontzeck: Ich habe das immer für eine gute Sache gehalten. Man ist eine Woche mit den Spielern zusammen. Wenn das Wetter hier so ist, wie es gerade im Moment ist, könnte man auch in Deutschland bleiben. Aber meistens ist es kalt, die Trainingsbedingungen sind nicht so gut. Deshalb ist es gut, ins Trainingslager zu fahren, wenn man dort einen guten Platz vorfindet, ein angenehmes Klima hat und viel im Schnelligkeitsbereich arbeitet. Der Trainer hat die Mannschaft einmal eine Woche für sich. Ohne äußere Einflüsse. Er kann in Ruhe etwas erarbeiten. (zu den Winterfahrplänen der Bundesligisten)

bundesliga.de: In diesem Jahr zieht es einige Vereine zu Testspielen bis nach Indonesien oder China und zu Trainingslagern nach Südafrika oder auf die arabische Halbinsel. Muss man das als Trainer hinnehmen, weil finanzielle Aspekte für die Vereine eine wichtige Rolle spielen?

Frontzeck: So weite Reisen habe ich persönlich weder als Spieler noch als Trainer erlebt. Es waren immer Flugreisen, die drei bis vier Stunden gedauert haben. Das ist absolut akzeptabel. In der Bundesliga spielt sicherlich auch der finanzielle Hintergrund eine große Rolle. Einnahmen sind wichtig, keine Frage. Wenn man das miteinander verbinden kann, ohne dass die Strapazen zu groß werden, dann wird es nicht so ins Gewicht fallen.

bundesliga.de: Viele Trainer begrüßen Trainingslager auch deswegen, weil dann Neuzugänge besser integriert werden können. (zur Transferbörse)

Frontzeck: Das auch. Die Hausaufgaben für eine neue Saison werden im Sommer erledigt. Dann hat man seinen Kader stehen. Aber es gibt natürlich auch Umstände wie Verletzungen oder dringend benötigte Verstärkungen auf der einen oder anderen Position, die es erforderlich machen, sich noch einmal im Winter umzugucken. Allerdings ist das schwierig. Die richtig guten Spieler kriegt man in der Regel im Winter nicht. Man hat wenig Vorlauf, solche Transfers vorzubereiten. Da müssen schon viele Dinge passen, um dann letztendlich Verstärkungen im Winter dazu zu bekommen.

bundesliga.de: Sie haben in Ihrer Zeit in Mönchengladbach gute Erfahrungen mit Wintertransfers gemacht.

Frontzeck: Das stimmt, damals haben die Neuen - Martin Stranzl, Mike Hanke und Havard Nordtveit - gut eingeschlagen. Wir hatten damals diese Phase, in der wir in der Hinrunde sehr viele Verletzte hatten. Wir standen sehr schlecht. Wir haben damals als Club reagiert. Gladbach hat eine sehr gute Scoutingabteilung. Wir haben uns zusammengesetzt und waren uns relativ schnell einig über die Namen. Das hat damals dazu beigetragen, dass die Qualität im Kader noch einmal erhöht wurde. Die Jungs haben stabil gespielt und mitgeholfen, dass die Borussia noch die Klasse gehalten hat.

bundesliga.de: Was muss ein Spieler mitbringen, damit er einer Mannschaft weiterhilft?

Frontzeck: Ein Spieler muss fit und im Spielrhythmus sein, weil die Zeit im Winter nicht allzu lange ist, um sich an die Mannschaft zu gewöhnen.

bundesliga.de: Es gibt auch das Beispiel von Eintracht Frankfurt, das mit Alexander Madlung einen Spieler geholt hat, der ein halbes Jahr arbeitslos war. Wie groß ist das Risiko bei solchen Verpflichtungen?

Frontzeck: Das Risiko ist in dem Fall überschaubar, weil Madlung ein erfahrener Spieler ist, der die Bundesliga kennt. Außerdem kennt Armin Veh den Spieler aus gemeinsamen Wolfsburger Zeiten. Ich finde das eine gute Sache.  

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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