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22.05.2014 - 21:00 Uhr


"Platz 6 ist unser Niveau"

Sportdirektor Max Eberl hat gut lachen: Zuhause spielte die Borussia mit 36 Punkten die beste Saison seit 30 Jahren

Eberl schnürte von 1998 bis 2005 die Fußballschuhe für die Fohlen

Gefragter Gesprächspartner: Seit Oktober 2008 arbeitet Eberl als Sportdirektor für die Borussia

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat sich als ernst zu nehmende Kraft im oberen Tabellendrittel etabliert. Im Interview mit bundesliga.de spricht Sportdirektor Max Eberl über die Entwicklung in den vergangenen Jahren, Belastungen durch eine mögliche Europa-League-Teilnahme und Veränderungen im Kader der Borussia.

bundesliga.de: Herr Eberl, Platz 4 in 2012, Platz 8 in 2013 und nun Platz 6 - das spricht für eine nachhaltige Entwicklung bei Borussia. Wie groß ist Ihr Vertrauen in diese Nachhaltigkeit?

Max Eberl: Fakt ist, dass wir vor der Saison einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben haben. Mit Platz 6 - nach Platz 8 und Platz 4 in den beiden Jahren zuvor - haben wir dieses Ziel erneut erreicht und die guten Ergebnisse bestätigt. Die Zielvorgabe für die neue Saison wird aber keinen Riesenquantensprung bedeuten, sondern wir werden erneut das Ziel "einstelliger Tabellenplatz" ausgeben. Denn sollten wir uns in den Playoffs für die Europa League qualifizieren - was wir selbstverständlich hoffen - können in der Liga durch die größere Belastung durchaus Schwierigkeiten auf uns zukommen.

bundesliga.de: Warum wollen Sie nach der Europa League nun nicht Platz 4 und die Champions League als Ziel ausgeben?

Eberl: Wir sind gierig, wir wollen jedes Spiel gewinnen, wir wollen den größtmöglichen Erfolg. Aber bei aller Gier muss doch immer die Realität im Vordergrund stehen. Und Realität bedeutet für Borussia Mönchengladbach, dass die Vereine, die jetzt in der Tabelle vor uns platziert sind, auch in der kommenden Saison deutlich größere finanzielle Möglichkeiten haben werden als wir. Wir wollen mit Teams wie Hoffenheim, Stuttgart oder Hannover, die in der kommenden Saison wieder potenzielle Europa-League-Teilnehmer stellen werden, auf Augenhöhe um diese begehrten Plätze kämpfen. Alles andere wäre unrealistisch. Wir dürfen nicht glauben, dass die Treppe automatisch immer nach oben führt. Entscheidend ist, dass diese Treppe ein stabiles Fundament hat.

bundesliga.de: In der Rückrunde gab es eine längere Durststrecke ohne Sieg. Hatten Sie damals die Befürchtung, dass die Saison nach dem hervorragenden 3. Platz im Winter mit einer großen Enttäuschung enden könnte?

Eberl: Nein. Überhaupt nicht. Jede Saison verläuft in gewissen Rhythmen (zum Saisonrückblick). Es gibt Phasen, in denen es sehr gut läuft, und welche, in denen es auch mal schlechter laufen kann. Jeder Verein durchläuft diese Phasen, wenn auch je nach Status des jeweiligen Clubs auf unterschiedlichem Niveau. Mit Platz 3 hatten wir in der Tat eine phantastische Hinrunde. Auch die aber hat begonnen im Rhythmus Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg. Im weiteren Verlauf konnten wir dann fünf, sechs Mal in Folge gewinnen. Das aber habe ich ebenso wenig überwertet, wie ich mir andererseits keine Sorgen in der Rückrunde gemacht habe, als wir sieben Spiele in Folge nicht gewinnen konnten. Platz 6 ist unser Niveau, und ich war immer überzeugt, dass wir diesen Platz auch erreichen können.

bundesliga.de: Sie haben die Schwierigkeiten, die eine Europa League-Teilnahme mit sich bringen kann, bereits angesprochen. Wie lässt sich dieses Risiko minimieren?

Eberl: Zunächst möchte ich betonen, dass wir sehr froh sind, diese Chance auf die Europa-League-Teilnahme zu haben. Wir alle wären sehr stolz, wenn wir die Gruppenphase erreichen würden, und wir würden uns gewiss nicht über eine Mehrfachbelastung beklagen. Schließlich haben wir die gesamte Saison für dieses Ziel gekämpft. Trotzdem bleibt es ein Fakt, dass mehr Spiele auf uns zu kommen. Spiele, in denen man an seine Grenzen und vielleicht auch darüber hinausgehen muss. Der Verein kann das Risiko ein Stück weit durch einen breiteren Kader minimieren. Vor allem aber muss sich jeder einzelne mental auf diese neue Aufgabe vorbereiten.

bundesliga.de: Sie haben im Verlauf der Rückrunde mit den Verpflichtungen von André Hahn, Ibrahima Traoré und Fabian Johnson den Kader bereits breiter aufgestellt. Wo sehen Sie weiteren Bedarf?

Eberl: Berücksichtigt man noch Yann Sommer, so haben wir bereits vier neue Spieler verpflichtet (alle Transfers im Überblick). Aus unserer eigenen Nachwuchsakademie werden mit Sinan Kurt und möglicherweise mit Marvin Schulz junge Spieler nachrücken. Demgegenüber stehen aber mit Marc-André ter Stegen, mit Juan Arango und mit Lukas Rupp drei Abgänge. Die Transferperiode läuft noch vier Monate, wir haben alle Zeit. Wichtig ist uns, dass der Kader nicht zu groß ist. Ein zu großer Kader bedeutet immer auch unzufriedene Spieler. Wir aber wollen eine verschworene Einheit sein.

bundesliga.de: Ist die Entscheidung, mit Roel Brouwers doch noch zu verlängern, der möglichen Europa-League-Qualifikation geschuldet?

Eberl: Nein. Wir hatten Interesse an einem bestimmten Innenverteidiger, dessen Namen ich hier aber nicht nennen möchte. Für den Fall, dass dieser Wechsel nicht zustande gekommen würde, war Roel Brouwers für uns immer die erste Alternative. Roel ist ein starker Charakter und ein feiner Mensch, und es gibt nicht sehr viele bessere Innenverteidiger auf dem Markt als ihn.

bundesliga.de: Braucht Borussia noch Alternativen zu Raffael und Max Kruse im Sturmzentrum?

Eberl: Ich denke nicht, dass die beiden bei uns keine Konkurrenz haben. Da sind Amin Younes und Branimir Hrgota ...

bundesliga.de: ... die aber von Trainer Lucien Favre nur sehr wenig Einsatzzeit bekommen haben ...

Eberl: Was daran liegt, dass wir in der Offensive verletzungsfrei durch die Saison gekommen sind, und dass beide Neuzugänge, Max und Raffael, phantastisch eingeschlagen haben. Da hätte es jeder andere Konkurrent auch schwer gehabt.

bundesliga.de: Newcastle United hat die Kaufoption bei Luuk de Jong nicht gezogen. Ist es denkbar, dass der Holländer noch einmal eine Offensiv-Alternative wird?

Eberl: In der Tat ist die Option bis heute nicht gezogen worden, so dass Luuk de Jong ab 1. Juli wieder bei uns wäre. Letztlich geht es aber darum, was für ihn und für uns das Beste ist. Es gibt genügend andere Anfragen für Luuk, so dass wir erst einmal abwarten. Kommt er nicht zurück, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir in Sachen Offensive noch einmal aktiv werden.

bundesliga.de: Mit Marc-Andre ter Stegen und Juan Arango hat Borussia gleich zwei ausgewiesene Publikumslieblinge verloren. Wen sehen Sie, der diese Lücke schließen könnte?

Eberl: Ich denke, dass wir über viele Spieler verfügen, die eine sehr enge Bindung zu unseren Fans haben. Nicht zuletzt, weil wir im vergangenen Jahr in der Gruppe Sensationelles geleistet haben. Marc war 18 Jahre im Verein, davon vier Jahre im Profi-Bereich. Arango war fünf Jahre bei Borussia. Das ist in beiden Fällen eine Verweildauer, die heute eher ungewöhnlich ist. Dass sich irgendwann die Wege auch trennen können, ist im Profi-Fußball nun mal so. Es macht uns aber sehr stolz, dass ein Eigengewächs wie Marc zu einem der besten Clubs der Welt, zum FC Barcelona wechselt.

bundesliga.de: Der Schweizer Yann Sommer wird ihn ersetzen, trauen Sie Sommer zu, dass er schnell eine ähnlich wichtige Rolle für Borussias Aufbauspiel einnehmen kann, wie sie ter Stegen innehatte?

Eberl: Absolut. Jeder Spieler ist zwar anders, jeder hat seine Stärken und seine Qualitäten, und vielleicht auch ein paar Schwächen. Von Yann Sommer sind wir aber hundertprozentig überzeugt, als Torwart und als Fußballer, als Charakter und als Mensch. Er kommt dem, was Marc verkörpert hat, sehr nahe, und wir sind sicher, dass Yann in Marcs Fußstapfen treten wird.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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