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14.03.2014 - 12:03 Uhr


Eberl: "Nur gemeinschaftlich kommen wir da raus"

Max Eberl ist seit dem 19. Oktober 2008 Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach

Zuletzt hat Eberl den Vertrag mit mit Cheftrainer Luvien Favre vorzeitig bis 2017 verlängert (© imago)

Am Samstag gastieren die Fohlen bei Borussia Dortmund

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach wartet weiter auf den ersten Sieg in der Rückrunde. Vor dem schweren Spiel bei Borussia Dortmund (Vorschau-Fakten) spricht Sportdirektor Max Eberl mit bundesliga.de über die Gründe für den sportlichen Abschwung der Borussia, die mediale Kritik an einzelnen Spielern und die Vertragsverlängerung mit Trainer Lucien Favre.

bundesliga.de: Herr Eberl, zu oft zu früh wird im Sport von "Krise“ gesprochen; trifft dieser Begriff auf Borussias aktuelle sportliche Situation dennoch zu?

Max Eberl: Von "Krise“ sollte man im Sport sprechen, wenn Mannschaften große Probleme haben, vielleicht chancenlos sind und sogar deklassiert werden. Das trifft auf uns definitiv nicht zu. Ich räume aber ein, dass man von einer "Ergebniskrise“ sprechen könnte. Wir machen aktuell zu viele Fehler, die zum Verlust zu vieler Punkte führen, die eigentlich im Bereich des Machbaren für uns liegen würden.

bundesliga.de: Können Sie Gründe für diese Fehler nennen, die das Team noch vor wenigen Monaten nicht gemacht hat?

Eberl: Fehler sind uns auch in der Hinrunde unterlaufen, allerdings meist nicht mit den gravierenden Folgen wie das aktuell der Fall ist. In der Hinrunde hat die Mannschaft als Kollektiv auf ihrem absoluten Top-Niveau agiert, jeder einzelne war wahrscheinlich sehr nah an den möglichen 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit. Dieses Niveau erreichen einige in der Rückrunde bisher nicht mehr - ich spreche bewusst von "einige“ - benutze also den Plural. Zum Teil machen einzelne nun Fehler, die zu Gegentreffern führen, zum Teil versagt das Kollektiv, wie gegen Leverkusen, als die Mannschaft ausgekontert wurde.

bundesliga.de: Sprechen wir über die Spieler: Hat wirklich jeder die Situation erkannt, oder schwelgt der eine oder andere noch in Erinnerungen an seine starken Leistungen aus der Vorrunde?

Eberl: Selbstverständlich war der süße Geschmack von Tabellenplatz drei wunderbar und mag den einen oder anderen etwas zu sehr benebelt haben, um sich in der Rückrunde zunächst wieder auf die Wahrheiten des Bundesliga-Alltags konzentrieren zu können. Jetzt aber schwelgt längst keiner mehr in Erinnerungen an diese Hinrunde! Dafür ist die aktuelle Situation viel zu deutlich, und die  Leichtigkeit der Hinrunde ist nicht mehr zu spüren. Wenn wie gegen Augsburg trotz einer Führung nicht alles nach Plan läuft, entsteht sofort Unruhe. Die Spieler wissen, was jetzt zu tun ist. Leider bedeutet dieses Wissen aber nicht, dass auch die Umsetzung immer sofort gelingt.

bundesliga.de: Wenn Sie ganz bewusst von "einigen Spielern“ sprechen, dann wohl deshalb, weil für einige Medien Max Kruse ein Gesicht der aktuellen Schwierigkeiten ist; muss es aber nicht befremdlich wirken, wenn Kruse in Interviews mehr über seine WM-Chancen sinniert als über die Lage bei Borussia?

Eberl: Hier muss man fairerweise sagen, dass Max Kruse in einem Interview nun mal auf Fragen antwortet. Er stellt die Fragen nicht, er antwortet nur. Man könnte mir auch vorwerfen, dass ich nur noch über die Krise spreche. Was aber bleibt mir anderes übrig, wenn man mir entsprechende Fragen stellt? Ich sehe hier durchaus einen Zusammenhang mit der Erwartungshaltung bezüglich unseres Abschneidens: Es wird nur das vermeintlich Große gesehen, die etwaige Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb, nicht aber in erster Linie die ganz handfeste Aufgabe im jeweils folgenden Spiel.

bundesliga.de: Es wird kolportiert, dass Kruse sich über Mannschaftskameraden geäußert haben soll und deshalb bei Ihnen erscheinen musste; ist da etwas dran?

Eberl: Nein, da ist überhaupt nichts dran! Wenn ich als Sportdirektor oder Lucien Favre als Trainer in einer sportlich schlechten Phase nicht mit den Spielern sprechen würden, dann würden wir grundlegend etwas falsch machen. Mich wundert es aber immer wieder, dass solche Selbstverständlichkeiten von manchen Medien zu großen Themen gemacht werden. Das liegt wohl daran, dass jeder glaubt, er müsse die - vermeintlich - exklusive Wahrheit ans Licht bringen, wenn es bei einem Club mal nicht so rund läuft. Also noch einmal: Max Kruse musste weder "antanzen“ noch "zum Rapport“, sondern wir haben lediglich in der Kabine miteinander gesprochen. Und das ist für mich total normal!

bundesliga.de: Haben Sie Verständnis für den Unmut eines Teils der Fans?

Eberl: Ich glaube tatsächlich, dass es nur ein sehr geringer Teil der Fans ist, der so seine Unzufriedenheit zum Ausdruck bringt. Wir wissen, dass wir mit der tollen Hinserie Erwartungen geschürt haben. Erwartungen, die wir aber noch nicht in Gänze erfüllen können. Überhaupt kein Verständnis habe ich dafür, wenn ein kleiner Bruchteil der Fans Aktionen unserer eigenen Spieler höhnisch begleitet. Ich weiß zwar, dass diese Fans murren, weil auch sie sich fragen, warum es zurzeit einfach nicht läuft. Das darf aber nicht dazu führen, dass alles in Schutt und Asche geredet wird. Nur gemeinschaftlich kommen wir da raus. Und worüber reden wir denn eigentlich? Darüber, dass Borussia auf Platz acht abgerutscht ist. Aber nicht darüber, dass wir auf einem Abstiegsplatz stehen wie noch vor einigen Jahren! Das sollte man bei aller verständlichen Enttäuschung nicht vergessen. Denn ich kann die Zukunft nur gestalten, wenn ich die Vergangenheit verstehe.

bundesliga.de: Stichwort "Zukunft gestalten“: Borussia hat den Vertrag mit Trainer Lucien Favre in dieser Woche bis 2017 verlängert; ein ganz bewusst gewählter Zeitpunkt, auch um ein Zeichen zu setzen?

Eberl: Nein. Wir haben schon im Dezember 2013, als wir auf eine etwaige Vertragsverlängerung angesprochen wurden, sehr offen kommuniziert, dass wir parallel zur Kaderentwicklung 2014 immer wieder auch mit dem Trainer sprechen werden. Diese Gespräche mit Lucien Favre haben während des gesamten Januars und Februars immer wieder stattgefunden. In dieser Woche wurden sie nun abgeschlossen, und folgerichtig wurde dieser Abschluss bekannt gegeben. Dass das in einer Phase geschieht, in dem die Mannschaft nicht dauernd gewinnt, das ist Zufall, hat also überhaupt nichts mit Taktik zu tun.

bundesliga.de: Dennoch hat diese Entscheidung auch starke Symbolkraft, dass man den vor Jahren eingeschlagenen Weg der Kontinuität unbeeinflusst von zwischenzeitlichen schwierigen Phasen weiter gehen will...

Eberl: So arbeitet Borussia Mönchengladbach, so wollen wir auftreten und so möchten wir auch wahrgenommen werden. Wir sind ein Verein, der sich sukzessive in der Tabelle steigern möchte. Dazu bedarf es wichtiger strategischer Entscheidungen. Und strategische Entscheidungen dürfen nun mal nicht gefällt werden mit Blick auf die Aktualität, sondern müssen gefällt werden mit einer gewissen Weitsicht. Das versuchen wir umzusetzen. Dass Lucien Favre bisher fantastische Arbeit für Borussia Mönchengladbach geleistet hat, ist wohl unbestritten. Deshalb ist es nur logisch, dass der Vertrag jetzt verlängert worden ist.

bundesliga.de: Mit dem Schweizer Yann Sommer haben Sie nach Fabian Johnson bereits den zweiten Spieler im Vorgriff auf die kommende Saison verpflichtet. Machen Sie in diesem Tempo weiter, könnten Sie im Sommer, wenn Ihre Manager-Kollegen nicht nur wegen des Wetters schwitzen, entspannt zuschauen...

Eberl: Nein, nein (lacht). Das zeigt nur unsere Arbeitsweise der vergangenen Jahre, dass wir auf bestimmte Situationen schnell reagieren. Wir sind sehr froh, dass wir mit Yann Sommer schnell auf die Lücke reagieren konnten, die der Verlust von Marc-André ter Stegen zunächst bedeutet hat. Mit Yann konnten wir unseren Wunschtorwart verpflichten. Was weitere Transfers bzw. Vertragsverlängerungen betrifft: Selbstverständlich ist es hilfreich, wenn man frühzeitige Entscheidungen fällen kann. Trotzdem sind wir bei weitem noch nicht am Ende.

bundesliga.de: Wo sehen Sie weiterhin Bedarf?

Eberl: Dazu möchte ich aktuell nichts sagen. Denn wir haben nach wie vor noch zehn Spiele zu absolvieren. Und wir sind immer noch in der wunderbaren Situation, dass wir trotz der genannten Ergebniskrise nur zwei Punkte von den besonders interessanten Tabellenrängen entfernt sind. Nur darauf liegen jetzt unser Fokus und unsere totale Konzentration. Wie der Kader in der Saison 2014/15 aussehen wird, das wird sich im Sommer zeigen.

bundesliga.de: Was lässt Sie nun hoffen, dass Borussia ausgerechnet beim BVB, wo es in den vergangenen Jahren kaum etwas zu holen gab, diese Ergebniskrise beenden kann?

Eberl: Generell gibt es diese Chance in jedem Spiel. Es stimmt aber, dass wir in der Vergangenheit in Dortmund nicht wirklich erfolgreich gepunktet haben. Fairerweise muss man aber berücksichtigen, dass wir in der Rückrunde bisher in keinem Spiel chancenlos waren. Im Gegenteil: Wir hatten mehr Chancen, die Spiele zu gewinnen, als dass es wahrscheinlicher gewesen wäre, diese Partien zu verlieren. Mag sein, dass wir nicht mit breiter Brust nach Dortmund fahren. Die Gewissheit aber, dass wir als Mannschaft bereits einiges geleistet haben und auch wieder leisten werden, führt dazu, dass wir in dem Bewusstsein antreten, dem großen BVB das Leben möglichst schwer machen zu können.

 

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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