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Bundesliga

18.04.2014 - 14:00 Uhr


Babbel: "Stuttgart muss noch höllisch aufpassen"

VfB Stuttgart, Hertha BSC und 1899 Hoffenheim waren die bisherigen Trainerstationen von Markus Babbel in der Bundesliga (© imago)

Mit der Hertha gelang dem 41-Jährigen (r., mit Michael Preetz) 2011 der Aufstieg in die Bundesliga

Während seiner aktiven Zeit als Spieler war Babbel in der Bundesliga für Bayern München, den Hamburger SV und den VfB Stuttgart am Ball

Köln - In seiner aktiven Spielerkarriere sammelte Markus Babbel Titel, wie andere Leute Briefmarken. Mit Bayern München und dem VfB Stuttgart wurde er vier Mal Deutscher Meister, zwei Mal holte er mit den Bayern den Pokal, ein Mal den UEFA Cup, den er sich ein weiteres Mal mit dem FC Liverpool sicherte. Dazu kommt ein englischer Pokalsieg und auch ein Erfolg beim europäischen Supercup mit den "Reds". Und mit Deutschland wurde er Europameister.

Als Trainer rettete er später den VfB Stuttgart aus Abstiegsgefahr und führte ihn ins internationale Geschäft, mit Hertha stieg er in die Bundesliga auf. Nur in Hoffenheim stellte sich der Erfolg nicht ein. Dort lernte Babbel auch den Abstiegskampf hautnah kennen, in dem jetzt auch zwei seiner Ex-Vereine, der VfB Stuttgart und der Hamburger SV, verwickelt sind. bundesliga.de sprach mit dem 41-Jährigen über den spannenden Kampf um den Klassenerhalt.

bundesliga.de: Herr Babbel, gehen Sie davon aus, dass sich der Abstiegskampf jetzt vor allem auf die letzten Vier Vereine der Tabelle konzentriert? Oder droht auch Clubs wie Bremen, Freiburg und Hannover noch Gefahr?

Markus Babbel: Im Moment ist es schwer zu beurteilen, wer sich im Abstiegskampf retten wird. Es ändert sich von Spieltag zu Spieltag. Wenn man sich das Restprogramm der jeweiligen Mannschaften anguckt, ist es schon so, dass auf Stuttgart oder Hamburg noch extrem schwierige Aufgaben zukommen. Andererseits haben gerade diese Mannschaften schon gegen namhaft größere oder in der Tabelle besser postierte Vereine sehr gute Leistungen abgeliefert. Die Frage wird sein, wer, wie Armin Vehr richtig sagt, den "kühlsten Kopf" bewahrt. Der wird es schaffen.

bundesliga.de: Sind also vor allem gute Nerven und der "kühle Kopf" im Abstiegskampf gefragt?

Babbel: Mit Sicherheit. Wer seine Nerven im Griff hat, im Abstiegskampf mit dem Druck umgehen kann und trotzdem seine Leistung bringt, schafft es. Es gibt einen Druck der leistungsfördernd ist und einen der leistungsmindernd ist. Wer hält also dem Druck stand, wer kann vielleicht sogar über sich hinauswachsen? Das sind die Fragen, die man schwer beantworten kann. In der akutesten Gefahr sind Braunschweig, Nürnberg, Hamburg und Stuttgart. Aber auch die darüber platzierten Vereine Freiburg, Hannover und Bremen dürfen sich noch nicht sicher sein. Fakt ist, dass diese Vereine die beste Ausgangsposition haben und mit einem weiteren Sieg einen Riesenschritt machen können. Die anderen müssen punkten.

bundesliga.de: Dann gehen wir doch einmal die letzten Vier durch und fangen mit Ihrem Ex-Verein VfB Stuttgart an. Ist der VfB unter Stevens etwas stabiler geworden (alle Ergebnisse des VfB)?

Babbel: Ja, der VfB ist unter Huub Stevens etwas stabiler geworden, bis auf das ganz schwache Spiel in Nürnberg. In den anderen Partien und selbst gegen Dortmund waren Spiele dabei, in denen der VfB eine sehr gute Leistung gezeigt hat, aber auch vergessen hat, den Sack zuzumachen. Sie hätten sich schon aus den Abstiegsregionen verabschieden können, haben es aber nicht geschafft, im entscheidenden Moment die Tore zu machen. Das ist gefährlich. Die Leistung stimmt, aber man tritt auf der Stelle. Die Gefahr ist groß, dass dann mal wieder ein Spiel kommt, in dem es nicht läuft. Stuttgart muss noch höllisch aufpassen. Aber so wie sich die Mannschaft unter Stevens präsentiert hat, wirkt sie gefestigter als der eine oder andere Verein.

bundesliga.de: Das Restprogramm hat es mit Gegnern wie u.a. Schalke, Wolfsburg und den Bayern in sich.

Babbel: Absolut. Diese Mannschaften müssen aber auch selbst noch punkten, um ihre Ziele zu erreichen. Das kann auch ein Vorteil für den VfB sein, weil er nicht gegen einen Gegner anrennen muss, der nur hinten drin steht, sondern einen, der mitspielt. So kann Stuttgart selbst darauf achten, erst einmal gut zu stehen und über Ballgewinn schnell umzuschalten und zum Torerfolg zu kommen. Allerdings kommt auch Qualität auf einen zu.

bundesliga.de: Der Hamburger SV hat ein ähnliches schweres Restprogramm mit Kontrahenten wie Wolfsburg, den Bayern und Mainz. Daheim hat sich der HSV unter Slomka stabilisiert, auswärts geht aber gar nichts.

Babbel: Das ist sehr verwunderlich, weil sie zuhause diszipliniert spielen, aggressiv, lauffreudig. Da setzen die Spieler alles um, was man sich als Trainer wünscht. Und komischerweise ist auswärts davon dann überhaupt nichts mehr zu sehen. Man sieht keine taktische Disziplin, kein Zweikampfverhalten, keine Lauffreude. Es wird für Mirko Slomka die große Kunst sein, das in den Griff zu bekommen.

bundesliga.de: Wo muss man da als Trainer ansetzen?

Babbel: Durch permanente Arbeit. Man muss es im Training immer wieder einfordern und sich da die Sicherheit holen. Man muss die Spieler daran erinnern, dass sie es schon bewiesen haben. Sie haben es ja schon gezeigt.

bundesliga.de: Bleiben noch Nürnberg und Braunschweig. Der Club hat sieben der letzten acht Spiele verloren, auch viele direkte Duelle gegen die direkten Konkurrenten. In den letzten Spielen trifft der FCN noch auf Leverkusen, Mainz, Hannover und Schalke. Viel einfacher als das Programm der Konkurrenz ist das auch nicht.

Babbel: Ja. Ich habe Nürnberg gegen Stuttgart gesehen. Da war der "Club" bereit für den Fight, hat fantastisch gespielt und dem VfB im wahrsten Sinne des Wortes den Schneid abgekauft. Dafür wurden sie belohnt. Zuletzt waren aber auch Spiele dabei, in denen es nicht gereicht hat. Es wird in Nürnberg über Systeme diskutiert, ob der "Club" zu offensiv spielt. Aber die Fehler hatten nichts mit einer Systemauslegung zu tun. Das waren ganz einfache Fehler, die dürfen in dieser Phase nicht passieren. Wer solche Fehler macht, wird bestraft, egal, ob man sich hinten reinstellt oder offensiv spielt. Das müssen sie abstellen und in manchen Situationen lieber einen langen Ball spielen, statt ein Dribbling zu wagen. In Wolfsburg haben sie es dem Gegner viel zu einfach gemacht.

bundesliga.de: Fehlt noch Braunschweig. Die Eintracht tritt jetzt gegen die Bayern (Samstag ab 15 Uhr im Live-Ticker) an und hat danach mit Hertha, Augsburg und Hoffenheim drei Gegner aus dem tabellarischen "Niemandsland". Und der Abstand zu Platz 16 beträgt nur zwei Punkte. Wie schätzen Sie die Eintracht ein?

Babbel: Hut ab dafür, was Torsten Lieberknecht mit dieser Mannschaft leistet. Kaum einer hatte Braunschweig noch auf der Rechnung und geglaubt, dass die Eintracht noch einmal eingreifen würde. Sie haben in der Vorrunde viel Lehrgeld bezahlt und trauern den verloren Punkten nun nach. Und trotzdem ist der Klassenerhalt noch machbar, wenn sie weiterhin ihre Tugenden wie Kompaktheit, Aggressivität und Lauffreudigkeit, die sie besonders in den Heimspielen gezeigt haben, beibehalten. Dann kann das kleine Wunder passieren. Der Relegationsplatz ist nach wie vor möglich. Sie müssen die bittere Niederlage in Freiburg schnellstmöglich abschütteln. Mit den Bayern kommt nun ein Brocken. Aber auch die kann man ärgern. Selbst ein Punkt wäre für die Moral ein wichtiges Signal. Daraus kann man Kraft für den Endspurt ziehen. Danach sind noch neun Punkte zu vergeben, die machbar sind (Spielen Sie Schicksal! Tippen Sie bei unserem Tabellenrechner).

bundesliga.de: Wer von den vier Kandidaten rettet sich Ihrer Meinung nach, wer muss in die Relegation?

Babbel: Ganz ehrlich, das kann ich nicht sagen. Es ist außergewöhnlich spannend in diesem Jahr. Wer die Nerven im Verein und auch drumherum behält, wer an einem Strang zieht, wird sich retten.

bundesliga.de: Aber Sie haben noch Sympathien für Ihre Ex-Vereine Stuttgart und Hamburg?

Babbel: Ja, sicher. Ich müsste lügen, wenn ich etwas anderes sagen würde. Ich habe für die Vereine gespielt und gearbeitet, da hängt noch mehr Herzblut dran. Aber Nürnberg ist ein bayrischer Verein, und ich komme aus Bayern. Für den "Club" drücke ich auch die Daumen. Und mit Torsten Lieberknecht habe ich damals zusammen den Trainerschein gemacht. Dem gönne ich es auch.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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