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27.12.2013 - 21:02 Uhr


Klaus Hafner: "Humor ist meine beste Waffe"

FSV-Stadionsprecher Klaus Hafner ist nicht nur in Maniz wegen seiner launischen Moderationen bekannt (© Imago)

Hafner ist mit Leib und Seele Stadionsprecher des 1. FSV Mainz 05 und fordert die Zuschauer auf den Rängen auch bei widrigsten Wetterverhältnissen zu Stimmung auf (© Imago)

Im Jahr 2012 wurde Hafner (M.) vom DFB mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnet, weil...

...er regelmäßig auch die Trainer-Ikonen der ärgsten Konurrenten nicht nur verbal in den Arm nimmt (© Imago)

Mainz - Klaus Hafner, 59, ist seit 1989 Stadionsprecher beim 1. FSV Mainz 05. Er hat den Aufstieg des Clubs von der grauen Maus der 2. Bundesliga zum etablierten Bundesligisten erlebt und ist mit seinen launigen Moderationen ein Gesicht des selbsternannten Karnevalsvereins aus der rheinland-pfälzischen Hauptstadt. Hafner wurde wegen seines fairen Moderationsstils 2012 mit dem Fairplay-Preis des DFB ausgezeichnet und ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Deeskalation, die jüngst ein Handbuch für Stadionsprecher herausgegeben hat.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Hafner, der auch schon mal im Rollstuhl sein Programm durchzieht, über seinen Moderationsstil, seine Anfänge vor leeren Kurven und warum jeder Stadionbesucher in Mainz weiß, was "emotionale Fettverbrennungen" auf den Rängen für die Spieler auf dem Rasen bedeuten können.

bundesliga.de: Herr Hafner, sie nannten einst das alte Bruchwegstadion ihr "Wohnzimmer". Seit drei Jahren spielt Mainz 05 in einer neuen, größeren Arena. Wie schwer ist Ihnen der Umzug gefallen?

Klaus Hafner: Dieser Umzug war sicherlich nicht so einfach, der Bruchweg war ja Heimat für uns alle. Es war alles klein und überschaubar. Jetzt sind die Dimensionen einfach viel größer. Heute kommen zu einer Vorbesprechung 13 bis 14 Leute, am Bruchweg waren es noch drei bis vier. Trotzdem hat der Umzug auch seine Annehmlichkeiten, die technischen Möglichkeiten sind viel größer.

bundesliga.de: Als Sie anfingen, kamen 2.000, 3.000 Leute zu den Heimspielen von Nullfünf. Wie war das damals?

Hafner: Manchmal waren es ja auch nur 1.000 Menschen. Wenn das Spiel um 15 Uhr war, trafen wir uns um 14:30 Uhr zur Besprechung, die Moderation ging um 14:35 Uhr los. Heute bin ich schon um 12 Uhr im Stadion vor einer Bundesligapartie, die um 15:30 Uhr beginnt. Damals habe ich 'Hallo' gesagt, Fans und Gäste begrüßt, die Mannschaftsaufstellungen vorgelesen, die Torschützen und die Auswechslungen durchgesagt und 'Auf Wiedersehen bis zum nächsten Heimspiel am Tag x gegen x' gesagt. Das war’s.

bundesliga.de: Um die Leute zum Mitklatschen zu animieren, haben Sie damals mit einem Kugelschreiber auf ihr Mikrofon geklopft.

Hafner (lacht): Ja, das stimmt, so war das. Aber grundsätzlich: Ich bin auch mitverantwortlich für die Stimmung im Stadion, der Stadionsprecher ist ja der Einzige, der mit dem Publikum während des Spiels verbal in Kontakt treten kann. Das ist eine große Verantwortung. Mir ist es wichtig, auch die Gästefans als Gäste zu begrüßen und dass alles mit Anstand über die Bühne geht.

bundesliga.de: Gästefans können die Namen ihrer Spieler beim Verlesen der Aufstellungen in Mainz relativ ungestört feiern. Dafür sind Sie vom DFB 2012 mit der "Fairplay-Medaille" ausgezeichnet worden. Wie kam es dazu?

Hafner: Als wir zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen sind, hatten die Gästespieler am Anfang immer denselben Vater mit dem Namen "Arschloch". Das ist nicht mein Verständnis von Fairplay. Nicht alle Spieler können bei Nullfünf spielen, nicht jeder ist Fan dieses Clubs, aber man kann sie herzlich als Gäste begrüßen. Vor einem Spiel habe ich, als ich die Beleidigungen nicht mehr ertragen konnte, die Präsentation abgebrochen. Das Tolle war, dass die Mehrheit des Publikums applaudiert hat. Die Akzeptanz war seitdem von der überwältigenden Mehrheit unserer Fans da und seitdem machen wir das so.

bundesliga.de: Wie sind Sie eigentlich Stadionsprecher geworden, haben sie sich beworben?

Hafner: Gott behüte, ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind: Unser Präsident Harald Strutz hat mich an irgendeinem Dienstag 1989 angerufen und gesagt: 'Du machst am Samstag Stadionsprecher.' Ich war ja damals Jugendkoordinator von Mainz 05. Ich habe gedacht, der macht einen Witz. Als er aber am Donnerstag wieder angerufen hat, und gesagt hat, am Freitag sei Sitzung, da wusste ich: Der meint das ernst.

bundesliga.de: Und: wie war Ihr erstes Mal?

Hafner: Ich hab' die ganze Nacht nicht geschlafen davor. Ich hatte zwar schon Erfahrung im Moderieren von bunten Abenden, aber nicht im Sportbereich. Das war super stressig dann, ich glaube, wir haben gegen Rot-Weiß Oberhausen gespielt. Der Brüller war das nicht, es waren ja nur 900 Leute da, oder so. Aber dann kam mit jedem Spiel mehr Sicherheit und so langsam hat sich meine Philosophie entwickelt.

bundesliga.de: Heute sind fast immer über 30.000 Leute im Stadion. Sind Sie immer noch nervös?

Hafner: Nein, aufgeregt bin ich nicht mehr, aber konzentriert. Man läuft ja manchmal auf einem schmalen Grat, man kriegt ja sofort ein Feedback. Die Leichtigkeit ist ein bisschen weg. Die Sache ist nicht mehr mit der linken Hand zu machen. Dass im Antrag zur Lizensierung ein Punkt "Stadionsprecher" angeführt ist zeigt, wie sich alles entwickelt hat.

bundesliga.de: Wenn Sie eine Hitparade Ihrer schönsten Stadionerlebnisse aufstellen müssten, was steht unter den Top-3-Erlebnissen auf Ihrer Liste?

Hafner: Also am Schönsten war sicher unser erster Bundesligaaufstieg mit Mainz 05. Unvergesslich bleibt für mich auch die Ehre, bei unserem ersten Auswärtsspiel bei Bayern München die Aufstellung unserer Mannschaft vorgelesen zu haben. Das war das Dankeschön der Bayern, nachdem ich im Hinspiel beim Einlaufen der Teams gesagt hatte: 'Wir begrüßen den Deutschen Meister Bayern München und heißen ihn herzlich in Mainz willkommen.' Dann haben unsere Fans applaudiert. Der Uli Hoeness konnte das gar nicht glauben, die Bayern wurden ja überall ausgepfiffen. Ja, und mein erstes Spiel als Stadionsprecher bei einem Länderspiel der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft war auch ein großes Erlebnis.

bundesliga.de: Wenn Spiele auf der Kippe stehen, fordern Sie die Zuschauer schon mal dazu auf, in die 'emotionale Fettverbrennung' zu gehen. Erfinden Sie solche Ausdrücke spontan, oder nehmen Sie sich das vor?

Hafner: Nein, das kommt alles spontan. Die Leute wissen genau, was ich damit meine, es heißt ja nichts anderes wie: 'Bewegt euch!' Nur die Infos, die Werbeansagen, etc. sind vorher besprochen, der Rest kommt situativ. Man bekommt ja ein Gespür für das Publikum mit den Jahren. Wenn ein Spiel mal zehn Minuten läuft, weiß ich, wie unsere Fans drauf sind.

bundesliga.de: Nachdem im Stadion einmal Pyrotechnik gezündet wurde, haben Sie gesagt: 'Auch in Mainz funktionieren Handys. Da muss niemand die Mannschaftsaufstellungen mit Rauchzeichen nach Hause übermitteln.' Ist Humor die beste Waffe eines Stadionsprechers?

Hafner: Ja, das ist eine wichtige Seite am Moderieren. Das Wichtigste aber ist, dass die Leute merken: Der Typ ist authentisch. Ich mache diese Sache mit Leib und Seele, Bezirksschauspieler gibt es genug. Man muss aber auch bereit sein für Veränderungen.

bundesliga.de: Welche Veränderungen meinen Sie?

Hafner: Unsere Fans meinten zum Beispiel, dass ich ihnen nach dem Tor nicht genug Zeit zum Jubeln gebe und den Torschützen zu schnell durchgebe. Jetzt mache ich nach Toren für uns eine längere Pause.

bundesliga.de: Wie lange wollen Sie das eigentlich noch machen?

Hafner: Ich werde nächstes Jahr 60, mit 65 will ich nicht mehr den Holzkasper geben. Manchmal wünsche ich mir, auch nur auf der Tribüne zu sitzen und zuzugucken und nach zehn Minuten 'Auswechseln' in Richtung Trainerbank zu brüllen oder sonst irgendeinen intelligenten Spruch, der zum Fußball auch dazugehört.

Interview Tobias Schächter

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