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19.05.2014 - 15:05 Uhr


Kasper Hjulmand ist Mr. 100 Prozent

Kasper Hjulmand wird beim 1. FSV Mainz 05 Nachfolger von Thomas Tuchel

"Weniger als 100 Prozent ist nicht gut genug", sagt der Däne

Hjulmand coachte bis zum vergangenen Wochenende den dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland, den er 2012 überraschend in die Champions League geführt hatte

Mainz - "Weniger als 100 Prozent ist nicht gut genug", sagt Kasper Hjulmand, "ich mag keine 95 Prozent und auch keine 98 Prozent." Diesen Grundsatz verlangt der neue Trainer von Mainz 05 von seinen Spielern auf dem Platz - und auch von sich selbst.

Sogar beim Sprachenlernen. Ganz am Anfang seiner ersten Pressekonferenz als Trainer in Mainz am Montagnachmittag hat Kasper Hjulmand nämlich offenbar ein bisschen geflunkert. Der 42 Jahre junge Däne erklärte, man solle doch bitte sein schlechtes Deutsch entschuldigen. Dabei spricht der dreifache Familienvater schon vor Antritt seiner auf drei Jahre fixierten Zusammenarbeit mit dem Bundesligisten aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ziemlich fließend und präzise Deutsch, auch wenn er im Verlauf seiner Vorstellung immer wieder ins Englische wechselte.

Hjulmand liebt den Ballbesitz 

Nach allem, was man in den 45 Minuten mit und über Kasper Hjulmand erfahren hat, dürfte sein Anfangssatz eher nicht billiger Koketterie geschuldet sein. Viel mehr scheint dieser Trainer auch im Sprachenlernen nur mit 100 Prozent zufrieden zu sein, und nicht mit 95 oder 98.

Am Sonntagabend coachte Hjulmand in seiner Heimat im letzten Saisonspiel gegen Bröndby Kopenhagen (2:2) noch den Tabellensiebten FC Nordsjaelland, den er 2012 völlig überraschend zur dänischen Meisterschaft geführt hatte. Der kleine Vorortverein mischte unter Hjulmand die dänische Liga auf, Hjulmands Elf wies dabei in den letzten drei Jahren den größten Anteil an Ballbesitz aus und spielte die meisten Pässe aller dänischen Erstligisten. Das Ajax Amsterdam der 80er-Jahre und die Arbeit von Pep Guardiola in Barcelona hätten seine Herangehensweise an das Spiel besonders beeinflusst, erzählt Hjulmand.

Guardiola habe er schon vor Ort beobachtet, als der heutige Bayern-Trainer in Barcelona noch die zweite Mannschaft trainiert habe.

Idealist und Pragmatiker

Doch Hjulmand sagt von sich selbst, er sei "gleichermaßen Idealist wie Pragmatiker".  Vielleicht passen deswegen der gar nicht mehr so kleine FSV Mainz 05 und dieser sehr reflektiert und offen wirkende Trainer so gut zusammen - jedenfalls glauben das zu Beginn dieser Zusammenarbeit beide Parteien.

Am 14. April trafen sich der Mainzer Manager Christian Heidel und Hjulmand nach einem Spiel von Nordsjaelland zum ersten Mal in Dänemark zum Gedankenaustausch, zwei Mal schaute sich Hjulmand in Mainz um, nun sagt er: "Die Werte und die Philosophie des Clubs passen perfekt zu meinen eigenen." Die Telefonnummer des neuen Trainers hat Heidel von Ivan Benes, der Berater vermittelte schon einige Spieler aus Dänemark nach Mainz.

Taktisch flexibel

Man müsse pragmatisch sein, denn es gehe im Fußball ja auch darum, Spiele zu gewinnen, sagt Hjulmand. Zwar gehe es ihm auch immer darum, mehr Kontrolle über das Spiel zu haben als der Gegner. Aber manchmal müsse man auch andere Lösungen finden, vor allem gegen stärkere Gegner, so der Trainer, den auch das aggressive Pressing-Spiel des Kollegen Jürgen Klopp und das schnelle Umschaltspiel der deutschen Nationalmannschaft beeindruckt. Wo genau er in Mainz seinen "Fingerabdruck" hinterlegen werde, könne er aber erst sagen, wenn er die Spieler kennengelernt habe, so Hjulmand. Zu seinen Spielern pflege er ein enges Verhältnis.

In der jüngeren Geschichte des Clubs kennt sich Hjulmand schon ganz gut aus. Was die Trainer Wolfgang Frank, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel in Mainz geleistet hätten, verdiene Respekt. Die schriftlich fixierte Trennung mit Tuchel, der ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages amtsmüde ist, stehe unmittelbar bevor, erklärte der Mainzer Manager Heidel.

Lockerer Abend mit Klopp

Übrigens: Klopp kennt Hjulmand auch persönlich, zusammen dem heutigen Dortmunder Trainer verbrachte mit Hjulmand am Rande des "Elitetrainer-Treffens der Uefa" in der Champions-League-Saison 2012/13 einen lockeren Abend an einer Hotelbar im schweizerischen Nyon. Auf die Frage, ob er mit Klopp dabei auch über Mainz 05 geredet habe, antworte Hjulmand kurz und trocken: "Ich kann mich nicht mehr erinnern." Humor hat der Mann offenbar, in Mainz ist das keine schlechte Voraussetzung, um Erfolg zu haben.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter

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