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19.12.2013 - 20:59 Uhr


Jung, frech und erfolgreich

München - "Jung und erfahren gibt es im Fußball nicht. Das gibt es nur auf dem Straßenstrich", sagte Sven Ulreich einst und sorgte damit für Schlagzeilen. Dabei hat der VfB-Keeper Recht - zumindest was die sportliche Seite seiner Aussage betrifft. Junge Spieler können nicht die Erfahrung gestandener Profis haben. Aber sie können so manchen Haudegen der Bundesliga alt aussehen lassen - wie fünf blutjunge Ausnahmetalente beweisen.

Max Meyer, Timo Werner, Maximilian Arnold, Hakan Calhanoglu und Jonathan Tah begeistern seit Monaten die Fußball-Fans der Republik, sind aber allesamt noch Teenager. Nur Arnold, Meyer und Calhanoglu sind schon volljährig, die beiden anderen haben ihren 18. Geburtstag noch vor sich.

Doch trotz ihrer Jugend und dem damit einhergehenden Mangel an Erfahrung rocken die fünf Jungstars bereits die Liga. bundesliga.de stellt sie vor.

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  Timo Werner

Den meisten Staub wirbelt derzeit Timo Werner auf. Der Angreifer des VfB Stuttgart scheint die Bundesliga im Sturm erobern zu wollen. Schon jetzt weist er 14 Einsätze, zehn von Beginn an, und acht Scorerpunkte vor. Vier Mal bereitete er vor, vier weitere Male traf er selbst. Beachtlich sind außerdem seine Effizienz mit nur 4,8 Torschüssen pro Treffer sowie seine Zweikampfhärte. Werner gewann für einen Stürmer gute 40,4 Prozent seiner Duelle und 29 seiner 55 offensiven Dribblings. (Bild: Imago)

Im Spiel der Schwaben besticht Werner, der im Jahr 2013 als bester U17-Spieler mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, besonders durch seine enorme Schnelligkeit. Mit der ist er auf dem linken Flügel, aber auch im Sturmzentrum ein ständiger Unruheherd für die gegnerische Defensive.

Am 6. Spieltag der aktuellen Runde machte sich Werner im Alter von 17 Jahren, sechs Monaten und 16 Tagen zum drittjüngsten Torschützen der Bundesliga und zum jüngsten des VfB Stuttgart. Außerdem ist er der jüngste Doppelpacker der Bundesliga-Historie und der jüngste Spieler, der vier Treffer in Deutschlands höchster Spielklasse erzielte (zur XL-Galerie).

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Maximilian Arnold

Für Schlagzeilen sorgt auch Maximilian Arnold. Nicht zuletzt, weil er Superstar Diego von der Zehner-Position verdrängt hat. Doch die herausragenden Leistungen des Youngster erkennt auch der Brasilianer an und weicht seitdem auf den rechten Flügel aus. In der Zentrale kann der 19-jährige Arnold seinen strammen Linksschuss besser zur Geltung bringen als auf der Außenposition, was zwei Weitschusstore in der Saison 2013/14 belegen. Insgesamt traf das VfL-Eigengewächs bereits fünf Mal - ganze drei Mal markierte er das wichtige 1:0 für seine Wölfe.

Auch wenn seine Chancenverwertung mit 4,8 Schüssen pro Tor und seine Torausbeute schon sehr ordentlich sind, gibt es noch Bereiche, in denen Arnold zulegen muss. Die Fehlpassquote von 26,1 Prozent ist ebenso ausbaubar wie die eher dürftige Zweikampfbilanz von 42,3 Prozent. Auch seine Übersicht kann er noch verbessern: In zehn Einsätzen bereitete er erst ein Tor vor - durch einen herausgeholten Freistoß, den Ricardo Rodriguez im Anschluss verwandelte.

Trotz der angesprochenen Entwicklungspotenziale ist man in Wolfsburg von Arnolds Qualitäten überzeugt. Klaus Allofs, Geschäftsführer Sport, traut dem jüngsten Wölfe-Torschützen der Bundesliga sogar zu, das "Gesicht des VfL" zu werden.

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  Max Meyer

Bereits in der vergangenen Saison konnte der kleine Techniker erstmals Bundesliga-Luft schnuppern - und setzte dabei erste Duftmarken. Direkt bei seinem Debüt gelang dem damals 17-Jährigen seine erste Torbeteiligung: In Mainz bereitete er das Tor zum 2:2-Endstand durch Jefferson Farfan vor.

In der aktuellen Saison stand der 18-Jährige in 13 der 16 Partien auf dem Platz, sieben Mal von Beginn an. Dabei war er an fünf Toren direkt beteiligt. Mit drei Treffern belegt er in Schalkes interner Torjägerliste Rang 4 - hinter Szalai, Boateng und Farfan. Bemerkenswert ist Meyers Ballsicherheit und sein gutes Auge. In bislang 681 Minuten Einsatzzeit leistete er sich nur 15,1 Prozent Fehlpässe und gewann mehr als die Hälfte seiner offensiven Dribblings (50 von 85). Bemerkenswert ist auch seine Robustheit im Zweikampf. Eine Bilanz von 52,2 Prozent traut man dem 1,69 Meter großen und 65 Kilogramm schweren Youngster nicht gerade zu.

Welches Potenzial in ihm schlummert, deutete Meyer im Jugendbereich an. Mit der A-Jugend des FC Schalke gewann er 2012 die Deutsche Meisterschaft, mit der U17-Nationalmannschaft wurde er im selben Jahr Vize-Europameister und zum besten Spieler des Turniers gewählt. Wie vor ihm übrigens Toni Kroos (2006), Cesc Fabregas (2004) und Wayne Rooney (2002) - Namen, die heutzutage in ganz Europa bekannt sind.

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Hakan Calhanoglu

Die Ankunft eines 19-Jährigen wurde bislang wohl kaum so sehnsüchtig erwartet wie die von Hakan Calhanoglu in Hamburg. Der Deutsch-Türke hatte während seiner Zeit beim Karlsruher SC mit beeindruckenden Werten auf sich aufmerksam gemacht: Nach einem Jahr Anlaufzeit in der 2. Bundesliga, zeigte Calhanoglu in der 3. Liga, was in ihm steckt und verhalf dem KSC mit 17 Toren und elf Assists quasi im Alleingang zur Rückkehr in Liga zwei.

Bemerkenswert ist die Schusstechnik des Rechtsfußes, der in der 3. Liga sieben Freistöße direkt verwandelte und in der laufenden Bundesliga-Saison neben Wolfsburgs Rodriguez der einzige Spieler ist, der bereits zwei direkte Freistöße verwandelte (insgesamt vier Tore). Mit Standards bereitete Calhanoglu bereits vier HSV-Tore direkt vor, 29 seiner Standards führten zu einem Torschuss. Gegen Braunschweig besiegelte er, als Joker in der 79. Minute eingewechselt, mit einem Doppelpack sogar den ersten Saison-Sieg der Rothosen.

Trotz seines Spielverständnisses und seiner außergewöhnlichen Schusstechnik muss er noch an seiner Passgenauigkeit feilen (25 Prozent Fehlpässe) und im Zweikampf zulegen. Im Duell Mann gegen Mann setzte er sich bisher nur in 43,9 Prozent der Fälle durch.

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  Jonathan Tah

Der Sohn eines Ivorers und einer Deutschen überzeugt nicht durch Tore, sondern dadurch, diese zu verhindern. Sein Bundesliga-Debüt feierte Jonathan Tah am 3. Spieltag, als er in der Partie bei der Hertha in der 90. Minute eingewechselt wurde. Seit dem 6. Spieltag gehört der jüngste Bundesliga-Spieler des Hamburger SV zur Stammformation. Elf Mal spielte der 17-Jährige seitdem die vollen 90 Minuten durch.

"Tah hat alles, was ein Abwehrspieler braucht. Er verfügt über ein gutes Aufbauspiel, starkes Zweikampfverhalten und ein gutes Kopfballspiel", lobt Tahs ehemaliger Jugendtrainer Otto Addo. An seiner Zweikampfbilanz muss der wuchtige Innenverteidiger noch arbeiten. Trotz seiner 90 Kilo, die sich auf 192 Zentimeter verteilen, sind 61,8 Prozent gewonnene Duelle für seine Position ein nur durchschnittlicher Wert. Gerade am Boden (60,7 Prozent) muss er sich noch steigern.

Beeindruckend ist jedoch seine Ruhe beim Spielaufbau. Der designierte U19-Nationalspieler (er sagte seine Teilnahme im November 2013 ab, da er sich keine Fehlzeiten in der Schule mehr erlauben durfte) brachte 392 seiner 479 Pässe an den Mitspieler und hat auch schon ein recht gutes Gespür dafür, wann ein Ball einfach mal auf die Tribüne gedroschen werden muss. Dass auch mal Fehler passieren wie gegen Stuttgart, als ein Ballverlust Tahs zu einem Gegentor führte, ist in seinem Alter normal. Jung und erfahren gibt es halt nicht - zumindest nicht im Fußball.

 

Gregor Nentwig

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