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31.05.2014 - 10:20 Uhr


"Fußball ist die einfachste Sprache der Welt"

Kapitän der U19 von Eintracht Frankfurt mit Wurzeln in Eritrea: Joel Gerezgiher (r./© Eintracht Frankfurt)

Gerezgiher (Nr. 10) in Aktion: Sein Vorbild ist Ronaldinho (© Eintracht Frankfurt)

"Auf dem Platz sind alle gleich und damit bin ich aufgewachsen", sagt Gerezgiher (2.v.r./© Eintracht Frankfurt)

"Wir waren mit der Mannschaft in Dallas bei einem Jugendturnier", erzählt Gerezgiher. Das Foto zeigt sein Team und die Gastbrüder (Foto: © Stiliyan Kandev)

Auch bei den Dallas Mavericks war Gerezgiher (3.v.r.) zu Besuch (Foto: © Stiliyan Kandev)

Frankfurt - Joel Gerezgiher ist Kapitän der U19 von Eintracht Frankfurt und unterschrieb kürzlich seinen ersten Profivertrag bei den Hessen. Für ihn ist es selbstverständlich, dass die Hautfarbe oder Nationalität auf dem Platz keine Rolle spielen.

Im Interview mit bundesliga.de spricht er darüber, wie der Fußball seiner Familie bei der Integration half und welche Rolle seine Herkunft für sein Spiel hat.

bundesliga.de: Herr Gerezgiher, Ihre Eltern stammen aus Eritrea, Sie sind gebürtiger Frankfurter. Erzählen Sie mal Ihre Geschichte...

Joel Gerezgiher: Meine Eltern sind 1985 wegen des Bürgerkrieges in Eritrea nach Deutschland geflüchtet. Sie sind in Frankfurt schnell heimisch geworden, auch wegen des Fußballs.

bundesliga.de: Wie ist da der Zusammenhang?

Gerezgiher: In Frankfurt gibt es eine kleine eritreische Gemeinde und mein Vater hat mit einigen anderen den SV Eritrea gegründet. Der Fußball gab ihnen ein Stück Zusammenhalt und Freude.

bundesliga.de: Sie stammen also aus einer Fußballer-Familie und haben schon früh angefangen zu spielen?

Gerezgiher: Das kann man so sagen. Ich habe mit fünf Jahren beim SV Niederursel mit dem Fußball angefangen und meine Schwester spielt beim 1. FFC Frankfurt. Das ist natürlich von meinem Vater beeinflusst.

bundesliga.de: Sie sind gebürtiger Frankfurter und fühlen sich hier sicherlich zuhause. Hat der Fußball dabei geholfen?

Gerezgiher: Frankfurt ist ja ohnehin eine internationale Stadt, in der Menschen aus vielen Ländern zu Hause sind. Rassismus ist mir hier nie begegnet. Vielleicht hat der Fußball auch dabei geholfen, denn auf dem Platz sind alle gleich und damit bin ich aufgewachsen.

bundesliga.de: Soll heißen, was zählt ist die Leistung auf dem Platz?

Gerezgiher: So ist es. Das ist das Schöne beim Fußball: Es ist egal, wo Du herkommst, welche Hautfarbe Du hast oder welche Religion - jeder ist ein Teil der Mannschaft. Dass ich dunkelhäutig bin, war nie ein Thema.

bundesliga.de: Hat denn die Herkunft Ihrer Eltern oder die Kultur Ihrer Familie einen Einfluss auf Ihre Art zu spielen?

Gerezgiher: Das schon. Es macht sich dadurch bemerkbar, dass ich etwas Lockerheit in meine Spielweise einbringe. Zusammen mit dem deutschen Einfluss ist das eine starke Kombination.

bundesliga.de: Bringt Ihnen das Vorteile auf dem Platz?

Gerezgiher: Ich würde sagen, dass es eine gute Verbindung aus deutscher Disziplin und großer Spielfreude dank meiner afrikanischen Wurzeln ist. Für mich ist das sehr gut, aus beiden Kulturen das Beste aufzunehmen.

bundesliga.de: Sie haben auch schon bei den Profis mittrainieren dürfen. Was war das für ein Erlebnis?

Gerezgiher: Ich hatte großen Respekt und habe mir das erstmal angeschaut. Die Profis bei der Eintracht haben mich aber sehr gut aufgenommen. Die sind überhaupt nicht abgehoben und helfen einem sehr.

bundesliga.de: Haben Sie denn ein Vorbild, zum Beispiel aus der deutschen Nationalmannschaft?

Gerezgiher: Das nicht direkt. Der Fußball ist ja insgesamt internationaler geworden. Mein Vorbild ist Ronaldinho. Ich mag seine Spielweise und bewundere ihn für seine Technik.

bundesliga.de: Inzwischen sind Sie Kapitän der U19 der Eintracht. Was bedeutet ihnen dieses Amt?

Gerezgiher: Es ist für mich eine große Herausforderung, die ich sehr gerne übernommen habe. Ich habe damit mehr Verantwortung. Das hat meinen Charakter erweitert. Ich bin gerne Ansprechpartner für meine Mitspieler und versuche, bei Problemen zu helfen.

bundesliga.de: Wie integrieren Sie neue Spieler? Welche Maßnahmen gibt es dafür?

Gerezgiher: Spezielle Maßnahmen gibt es da nicht. Wir verbringen viel Zeit zusammen und gehen auch zusammen raus. Das ist nicht auf den Fußballplatz begrenzt. Über die gemeinsamen Trainingslager wächst man da zusammen und es entwickeln sich richtige Freundschaften. Es ist einfach schön, mit den Jungs Zeit zu verbringen.

bundesliga.de: Gab es denn besondere Erlebnisse, bei denen Sie über den Fußball neue Kontakte geknüpft haben?

Gerezgiher: Wir waren mit der Mannschaft in Dallas bei einem Jugendturnier. Es ist toll, mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern in Kontakt zu kommen und sich mit ihnen auszutauschen. Über den Fußball haben wir dabei schon eine Verbindung, die das alles erleichtert. Wir haben zusammen gegrillt und bei amerikanischen Gastfamilien gewohnt.

bundesliga.de: Haben Sie in anderen Situationen schon die verbindende Wirkung des Fußballs erlebt?

Gerezgiher: Erst vor kurzem. Ich war mit meiner Familie im Urlaub auf Mallorca. Am Strand haben ein paar Leute Fußball gespielt. Sie kamen aus England, Frankreich, Belgien und anderen Ländern. Ich bin einfach dazu und habe mitgespielt. Alle haben eine Gemeinsamkeit - und das ist der Fußball. Es ist die einfachste Sprache der Welt.

Das Gespräch führte Alexander Dionisius

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