offizielle Webseite

Liveticker

Bundesliga

23.01.2014 - 21:00 Uhr


Den einen oder Kooan

Er wollte ihn unbedingt, jetzt hat er ihn: Mainz-Trainer Thomas Tuchel (r.) mit seinem neuen Star Ja-Cheol Koo (© Imago)

Im Testspiel gegen Saarbrücken kam der Rechtsfuß direkt zum Einsatz, er wurde nach 60 Minuten eingewechselt (© Imago)

In der Bundesliga kommt Südkoreas Nationalelfkapitän auf 68 Spiele...

...und acht Tore für Wolfsburg und den FC Augsburg. Zuvor spielte der Mittelfeldspieler (2.v.l.) bei Jeju United in Südkorea, einem Club von der größten südkoreanischen Insel Jeju-do

München - Ja-Cheol Koo ist endlich Mainzer - und die Leiden des Thomas T. haben ein Ende. Selten hatte sich FSV-Trainer Tuchel so unmissverständlich und öffentlich für einen Transfer ausgesprochen. Und immer wieder fiel das selbe Wort: "Wunschsspieler". Oder wie es der Trainer in der "Bild" umschrieb: "Sagen Sie mir, wo ich ihn abholen kann, ich fahre sofort hin und hole ihn. Auch nach China." Tuchel blieb der Trip nach Fernost erspart, er hat nun seinen Willen, genau wie Bayern-Trainer Pep Guardiola, der sich vor der Saison mit "Thiago oder nix" ähnlich vehement für einen Neuzugang eingesetzt hatte. Mainz setzt durch den Rekord-Einkauf ein Zeichen. Koo, "unser teuerster Transfer", wie Manager Christian Heidel bestätigte, ist beim FSV die ganz große Nummer.

"Er hat schon in Augsburg gezeigt, was er für eine Außenseiter-Mannschaft leisten kann", schwärmt Tuchel: "Er kämpft und geht an die Schmerzgrenze, definiert sich als absoluter Mannschaftsspieler. Er spielt nicht unbedingt spektakulär, aber zweckmäßig, das zeichnet ihn und die Mentalität der Südkoreaner aus." Und auch seinen Manager hat er restlos überzeugt.

"Der Junge ist eine Rakete, eine Investition in die Zukunft", sagt Heidel. Südkoreas Nationalelfkapitän habe dort "den Status wie bei uns Philipp Lahm". Und wie es sich für einen Rekord-Einkauf gehört, hielt Koo seine erste Pressekonferenz in fast perfektem Deutsch. Natürlich nicht, ohne sich - ganz asiatisch bescheiden - dennoch für seine Sprachkenntnisse zu entschuldigen.

Mit Graf Zahl zu perfektem Deutsch

Das Geheimnis von Koos Sprachkenntnissen: "Ich habe in den drei Jahren in Deutschland viel Fernsehen geschaut. Ich gucke immer Kika, den Kinderkanal, zum Beispiel die Sesamstraße. Das hat mir sehr geholfen." Wenn die Integration in Mainz so gut klappt wie schon bei seinen bisherigen Stationen, ist es also vor allem Samson, Fifi und Graf Zahl zu verdanken. Und Letzterer hätte sicherlich seine Freude an den folgenden Sätzen: In 36 Spielen in eineinhalb Jahren in Augsburg markierte der 35-malige Nationalspieler Koo, Mainz' neue Nummer 13, acht Tore. Auf zehn Einsätze, davon allerdings nur zwei über 90 Minuten und ohne Treffer, kam der 24-Jährige danach im letzten halben Jahr in Wolfsburg.

Koo war in dieser Saison eigentlich auch in Wolfsburg Fixstarter, bis ihn ein Außenbandriss aus der Bahn warf. Beim VfL lief er meist auf der Sechs auf, in Mainz ist er offensiver eingeplant. Tuchel: "Auf der Zehn ist er am besten aufgehoben." Dass Koo gleich im ersten Spiel in Stuttgart in der Startelf steht, sei "sehr wahrscheinlich", obwohl Tuchel offiziell keine Startelfgarantie ausstellen wollte. Einer aus dem Mainzer Mittelfeld-Trio Elkin Soto, Yunus Malli und Christoph Moritz muss dafür auf die Bank. Denn Koo ist wahrscheinlich gesetzt, auch wenn er beim Debüt im Testspiel gegen Saarbrücken erst nach 60 Minuten für Moritz eingewechselt wurde.

Bei Koos Integration indes soll der zweite Mainzer Südkoreaner kräftig mithelfen. "Mein bester Freund Jo-Hoo Park hat mir schon oft erzählt, dass es hier im Team wie in einer großen Familie ist." Das war Koo wichtig - aber auch die Nähe zum Frankfurter Flughafen, die er wegen seiner eigenen Familie sucht: "Ich habe im Sommer geheiratet und meine Frau lebt noch in Südkorea." Im März erwartet Ehefrau Jin Hyeon erstmals Nachwuchs, einen Jungen.

Tuchels letzter Wunsch für zweieinhalb Jahre?

Privat läuft es also - und beruflich hat Koo das nächste große Ziel ebenfalls schon vor Augen: "Ich würde schon gerne im Europapokal spielen." Klar - als Rekordtransfer und absoluter Hoffnungsträger darf man schon mal Ansprüche anmelden. Die Verantwortlichen in Mainz halten sich zwar da noch zurück, doch Manager Heidel hebt die Einzigartigkeit des Coups nochmal hervor: "Ins Risiko mussten wir nicht gehen. Aber ein Transfer in dieser Größenordnung ist für uns nicht selbstverständlich."

Thomas Tuchel weiß jedenfalls ganz genau: "In den nächsten zweieinhalb Jahren brauche ich wohl mit Transfer-Wünschen nicht mehr zu Christian Heidel zu gehen."

Christoph Gschoßmann

Verwandte Artikel

Fan-Newsletter

Bundesliga
Service
Partner

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH