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02.06.2014 - 21:45 Uhr


Immobiles bewegte Karriere

Borussia Dortmunds Ciro Immobile (r., mit Mario Balotelli) reist mit Italien zur WM

In der abgelaufenen Saison wurde Immobile im Trikot des FC Turin mit 22 Treffern Torschützenkönig der Serie A

2011 wechselte Immobile nach Pescara und machte unter Trainer Zdenek Zeman einen Sprung nach vorne. "Unter seiner attackierenden Tempo-Philosophie kamen alle meine Qualitäten hervor", sagt Immobile

München - Die im Grunde offizielle Transfer-Bestätigung übernahm er selbst - versteht sich, als flinker Vertreter des Sturm und Drang. "Mit Dortmund ist alles perfekt, es fehlt nur noch meine Unterschrift, die ich bald unter den Vertrag setze", sagte Ciro Immobile am Rande des Testspiels zwischen Italien und Irland am späten Samstag in London. Am Montag holte der Italiener diesen formalen Akt in Dortmund nach und unterschrieb bis 2019 beim BVB.

Momentan rast der 24-Jährige wahrlich durch eine Phase der Glückseligkeit: Torschützenkönig der Serie A, Hochzeits-Sause vor 250 Gästen mit seiner langjährigen Freundin Jessica in den Abruzzen, Wechsel zum BVB und am 5. Juni Abreise zur anstehenden WM-Endrunde. Imposante Etappen für jemanden, der im vergangenen Sommer lediglich als ordentlicher Stürmer galt, und die Partien in Brasilien zweifelsohne gemütlich vor dem Fernseher plante.

Immobile alles andere als unbeweglich

Der Nachname qualifiziert ihn freilich nicht unbedingt für einen Fußball-Profi, geschweige denn für das temporeiche Spiel des BVB. "Immobile" bedeutet unbeweglich. Da trifft es sich für den Bundesligisten gut, dass der Stürmer aus Torre Annunziata (Großraum Neapel) seinem Namen in den vergangenen Jahren keine Ehre machte.

Allerdings lief Immobiles Karriere schleppend an. Er wurde vom Ex-Nationalspieler Ciro Ferrara für die U 19 von Juventus Turin entdeckt und kam aus dem südlichen Sorrento für 80.000 Euro in den Norden. Zwischen 2008 und 2010 langte es jedoch nur zu drei Kurzeinsätzen bei den Profis.

Unter Zeman in Pescara gereift

Nach einer frustrierenden Saison der Zweitliga-Leiharbeit bei Siena und Grosseto mit mäßigen Ergebnissen profitierte der Stürmer 2011 vom Transfer zum Offensiv-Fetischisten Zdenek Zeman in Pescara. Im hohen Rhythmus und frühen Pressing dessen 4-3-3 explodierten Immobiles Anlagen, und er avancierte zum Torschützenkönig des Erstliga-Aufsteigers (28 Treffer/37 Spiele). Anschließend wurde er zum Serie-B-Spieler des Jahres gekürt. "Zeman muss ich unglaublich dankbar sein. Unter seiner attackierenden Tempo-Philosophie kamen alle meine Qualitäten hervor", zeigte sich Immobile dankbar.

Er transformierte sich zum modernen Stürmer, stets in Bewegung, beidfüßig und problemlos zentral oder auf den Flügeln einsetzbar. Neben Dribbelstärke auf engem Raum, Tempo, formidabler Schusstechnik und Robustheit im Zweikampf offeriert er erforderliche taktische Parameter: Aushilfe in der Defensiv-Phase, spielender Angreifer zum frühen Ballgewinn, aber auch roher Torinstinkt mit der nötigen Portion Egoismus eines Stürmers. Bisweilen mag man ihm einen zu schnellen Abschluss vorwerfen.

Immobile büffelt fleißig Deutsch

Nicht in dieser Saison, wo er das Klassement der Torjäger ohne einen Elfmeter gewann (22 Treffer), und mehr als ein Drittel der 58 Tore des FC Turin erzielte. Da seine Transferrechte zu jeweils 50 Prozent bei Juventus und dem FC lagen, zögerte sich die Einigung mit Dortmund in die Länge. Juve zeigte sich schnell einverstanden, weil man einen anderen Angreifer-Typus sondiert.

Immobile selbst hat derweil ganz andere Probleme. "Hm, Deutsch ist eine echt komplizierte Sprache", stöhnte der Italiener. "Doch wenn ich mich reinhänge, bekomme ich das sicher hin." Jetzt heißt es zunächst internationale Erfahrung bei der WM sammeln, und dann der Bundesliga beweisen, dass "immobile" nicht zwingend unbeweglich bedeutet.

Oliver Birkner

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