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19.08.2013 - 12:59 Uhr


Im Weser-Stadion fürs Leben lernen

Tim Borowski (1. Reihe, 4.v.l.) und der SV werder Bremen setzen sich gemeinsam mit dem Bremer Fan-Projekt für Jugendliche aus der Umgebung ein

Referenten versuchen, Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund für politische Bildungsthemen zu interessieren und ihre soziale Kompetenz zu stärken

Eine von vielen Aktivitäten ist die Vorstellung unterschiedlicher Berufsbilder

Bremen - Viel Zeit der Ruhe hat Manfred Rutkowski nicht. Immer wieder klopft es an seiner Bürotür. Kleine und große Fußball-Fans kommen mit kleinen und großen Anliegen in die Räumlichkeiten des Bremer Fan-Projekts in der Ostkurve des Weser-Stadions.
"So ist das halt. Aber ich kenne es nicht anders", nimmt Rutkowski die kleinen Störungen mit einem Lächeln gern in Kauf. Seit 1985 ist der Diplompädagoge hauptamtlich im Fan-Projekt Bremen e.V. tätig. Er kennt die Jugendlichen und die Jugendlichen kennen ihn.

Soziale Kompetenz von Jugendlichen stärken



Als die Robert-Bosch-Stiftung 2009 das Programm "Lernort Stadion" mit zunächst drei Lernzentren aufsetzte, waren auch die Bremer von der Idee hellauf begeistert. Das Ziel ist es, Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund für politische Bildungsthemen zu interessieren und ihre soziale Kompetenz zu stärken.

Es fehlte lediglich an den nötigen wirtschaftlichen Mitteln, um das Projekt in Schwung zu bringen. Das änderte sich mit dem Einstieg der Bundesliga-Stiftung im Frühjahr 2010. Seitdem "schöpfen wir unsere Mittel voll aus", erklärt Rutkowski.

Für die Bundesliga-Stiftung gilt das Programm "Lernort Stadion" als Leuchtturmprojekt im Programmbereich Integration. Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt auf der Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen, um ihnen eine faire Perspektive in unserer Gesellschaft zu geben.

Leidenschaftliche Referenten mit viel Geschick



Die finanzielle Unterstützung allein macht aber den Erfolg des Projekts nicht aus. Es ist die Leidenschaft, mit der die Referenten den im Jahr rund 800 Jugendlichen vermitteln, dass Gesellschaft, Bildung und Politik interessante Themen sein können. "Die Referenten gehen mit so viel Begeisterung und so viel Engagement ans Werk und entwickeln dabei das richtige Gespür für die Kinder und Jugendlichen", sagt Anne-Kathrin Laufmann, Direktorin CSR-Management bei Werder Bremen.

Mit viel Geschick vermitteln die Pädagogen den Mädchen und Jungen Wissen abseits des Lehrplans. Dabei reichen die Angebote von Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung bis zur Vorstellung von Berufsgruppen oder dem spielerischen Umgang mit Alltagsproblemen.

Projekt 100 Schulen - 100 Vereine



Rutkowski freut sich, dass in Bremen das Zusammenspiel zwischen Fan-Projekt und Club so gut funktioniert. "Wir sind froh, dass wir so eng mit dem Verein kooperieren. Denn wir wissen doch, dass die Schüler nicht zum Fan-Projekt wollen, sondern zu Werder." Dabei geht die Unterstützung weit über das einfache Verteilen von Freikarten für die Bundesliga-Spiele hinaus.

Mit dem vereinseigenen Projekt "100 Schulen - 100 Vereine" versucht auch das Fan-Projekt, die geschaffenen Infrastrukturen zur Werbung zu nutzen. Zwar besteht ein großes Interesse am Angebot, nur lassen die Rahmenbedingungen in den Schulen häufig keinen Besuch im Stadion zu. "Viele unserer Klassen kommen nicht aus Bremen, sondern aus der Umgebung in Niedersachsen", weiß Rutkowski.

Viele positive Rückmeldungen



Zielgruppe der Lernzentren sind Schülerinnen und Schüler, vor allem von Hauptschulen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn, sowie fußballbegeisterte Jugendliche und junge Erwachsene aus der Fanszene, die von traditionellen Bildungsangeboten nur selten erreicht werden.

Der Diplompädagoge blickt vorerst optimistisch in die Zukunft. Es sind die vielen positiven Rückmeldungen von Eltern, aber auch die Ergebnisse der begleitenden wissenschaftlichen Studie zu den zwölf Lernorten, die ihn Tag für Tag mit vollem Elan an die Arbeit gehen lassen. Und wenn dann wieder einmal die Tür aufgeht, hat Rutkowski auch im größten Arbeitsstress immer ein Lächeln übrig.

Michael Reis
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