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27.10.2013 - 22:01 Uhr


Höchststrafe für königsblaue Grenzgänger

Enttäuscht und ratlos: Nach dem 1:3 im Revierderby gegen Borussia Dortmund ist Schalke in der Tabelle auf Rang 7 abgerutscht (© Imago)

Bitter: Neuzugang Kevin-Prince Boateng verschoss gegen die Schwarz-Gelben einen Strafstoß

Kampf um Champions-League-Qualifikations-Platz 4: Am kommenden Samstag muss die Elf von Jens Keller (r.) beim Fünften Hertha BSC ran

Gelsenkirchen - Als wäre die Derbyniederlage für den FC Schalke 04 nicht schon Strafe genug, setzte ausgerechnet Kevin Großkreutz noch einen drauf. Angenehm sei die Partie gewesen, gab der Dortmunder nach dem 3:1-Gästeerfolg seines BVB zu Protokoll: "Die letzten Minuten konnte man richtig genießen, es kam mir vor wie ein Heimspiel."
Ein ungeliebter Ur-Dortmunder, der auf Schalke den Derbysieg mit Heimspiel-Feeling feiert - das dürfte für die angeschlagenen königsblauen Seelen in diesen Tagen die Höchststrafe sein. Dabei hat schon die zurückliegende Woche allein mit den Niederlagen gegen Chelsea und den BVB für große Ernüchterung gesorgt, und zwar bei Anhängern und Verein gleichermaßen. "Es fehlt uns noch ein ganzes Stück zu den wirklichen Top-Mannschaften. Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht da sind, wo wir hinwollen", stellte Kapitän Benedikt Höwedes klar fest.

Schwache Defensive



Tatsächlich haben sowohl die Londoner als auch die Dortmunder den Schalkern schmerzhaft die Grenzen aufgezeigt. Und die Probleme sind durchaus vielfältiger Natur. Defensiv findet Schalke einfach nicht zu Stabilität. 22 Gegentore sind es in der Liga bereits insgesamt, allein sechs waren es in den beiden letzten Partien dieser Woche. "Davon waren einige vermeidbar, das können wir nicht einfach so abtun", schüttelte Sportvorstand Horst Heldt den Kopf. Die Spieler geben sich immerhin einsichtig, wie Julian Draxler erkennen lässt: "Im Spiel nach vorne haben wir zu einfache Fehler gemacht und die Dortmunder so zu Kontern eingeladen."

Verletzungssorgen und viele Wechsel tragen zwangsläufig nicht dazu bei, dass die angeknackste Defensive sicherer wird. Gegen den BVB hatte Jens Keller Linksverteidiger Dennis Aogo aus der Viererkette in die Doppelsechs beordert, setzte hinten auf Sead Kolasinac und bot mit Christian Fuchs einen weiteren Linksverteidiger, zuletzt nur noch Ergänzungsspieler, als Offensivkraft auf.

Keller: "Wir wollen Max in Ruhe aufbauen"



Eine Rochade, die zum Teil der Not geschuldet und für Heldt durchaus stimmig war: "Fuchs hat den Elfmeter heraus geholt und Aogo hat seine Sache im Mittelfeld gut gelöst und war sehr ballsicher." Auch die Tatsache, dass der quirlige Max Meyer erst in der 61. Minute ins Spiel gekommen war und prompt zumindest kurzzeitig die Offensive belebt hatte, machte für Schalkes Sportvorstand Sinn: "Die Idee war, Akzente zu setzen, wenn der Gegner etwas müde wird." Auch Jens Keller verteidigte diese Maßnahme: "Wir haben noch vor kurzem gesagt, wir wollen Max in Ruhe aufbauen. Dann kann ich ihn nicht jetzt in jedem Spiel von Beginn an bringen und verheizen."

Dass der 18-jährige Meyer überhaupt zum Hoffnungsträger in Sachen Offensivspiel geworden ist, unterstreicht das Schalker Dilemma in diesem Bereich. Trotz eines hoch talentierten Julian Draxler ist der schleppende und wenig strukturierte Spielaufbau ein weiterer Kritikpunkt auf der königsblauen Baustellen-Agenda. In Sachen Pressig und Umschaltspiel erteilte der Gast aus Dortmund dem Revierrivalen eine Lehrstunde.

Leistungsträger schmerzlich vermisst



Kevin-Prince Boateng ist in seinem derzeitigen Fitness-Zustand allenfalls für 50, 60 Minuten ein Faktor und mit der Rolle des omnipräsenten Leaders zurzeit schlicht überfordert. Andere Leistungsträger wie Jefferson Farfan oder Klaas-Jan Huntelaar wurden auch im Revierderby schmerzlich vermisst. "Uns fehlen Leute, die für eine Struktur in der Mannschaft fest eingeplant waren", versuchte sich Heldt in einer Erklärung.

Vom Anspruch, die Saison mit Borussia Dortmund auf Augenhöhe zu bestreiten, hat sich spätestens seit der Niederlage am Samstag und bereits elf Zählern Rückstand auf den Nachbarn auch der Sportdirektor verabschiedet. Trainer Jens Keller hatte das eh  nie behauptet, doch auch Heldt muss jetzt zurückrudern: "Ich kann auch die Tabelle lesen."

Ab sofort gilt Platz 4 als erstrebenswertes Ziel. Ob man wenigstens der Konkurrenz um diesen Rang ebenbürtig begegnen kann, zeigt sich schon am nächsten Wochenende. Dann muss Schalke 04 beim Tabellenfünften Hertha BSC antreten.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte
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