offizielle Webseite

Liveticker

Bundesliga

27.09.2013 - 09:01 Uhr


Hoch stehen, hoch gewinnen?

Die Bundesliga-Teams werden immer mutiger: Ganze fünf Meter steht der letzte Verteidiger im Schnitt weiter von der eigenen Torauslinie entfernt als in der Vorsaison

Die Bayern drücken den Gegner oft tief in die eigene Hälfte, sie stehen am höchsten. Mainz hingegen wählt einen ganz anderen Ansatz - kein Team empfängt den Gegner weiter hinten

Die Münchner haben ihren Stil dabei grundlegend verändert, seit Pep Guardiola übernommen hat. Unter Ex-Coach Jupp Heynckes standen sie fast so tief wie die Mainzer der aktuellen Saison

München - In der Bundesliga fallen so viele Tore wie nie, gut und schön. Kein 0:0 nach sechs Spieltagen - das ist Rekord. Aber gefällt das wirklich allen? Denn viele Tore heißt eben auch immer: viele Gegentore. Und das gefällt weder den Trainern noch den Abwehrspielern oder den Torhütern. Auffällig ist, wie hoch die Teams in dieser Saison verteidigen: Im Schnitt steht der letzte Abwehrmann fünf Meter weiter vorne als in der Vorsaison. Ein Zusammenhang zur Torflut liegt nahe - denn hoch stehen bedeutet immer auch ein enormes Risiko.
Gerade bei Top-Clubs wie dem BVB heißt es: höchste Konzentration bei gegnerischen Kontern, wenn das gesamte Team weit aufgerückt ist. "Als Keeper musste man sich in den letzten Jahren sehr anpassen", erklärt Roman Weidenfeller gegenüber bundesliga.de. "Man muss dem modernen Spiel folgen - sonst hast du keine Chance als Torwart. Man muss sehr oft aus dem Tor raus und das wird immer heikel."
teaser-image

Bayern steht am höchsten

33 Meter stand der letzte Feldspieler in der Liga im Vorjahr durchschnittlich vor der Torauslinie, in den sechs bisherigen Spielen waren es bereits 38 Meter. Erwartungsgemäß hebt der FC Bayern die ligaweite Statistik mächtig an, denn kein Team verteidigt offensiver: 43,5 Meter beträgt die Entfernung des letzten Münchner Abwehrmanns zu Manuel Neuers Torlinie im Schnitt.

Hoch stehen bringt dem Tabellen-Zweiten aus München im Moment den Erfolg - ein Allheilmittel ist dies aber nicht. Wolfsburg (41,2 Meter) rückte fast genausoweit auf, liegt in der Tabelle aber auf Rang 6. Erst danach folgt Tabellenführer Dortmund mit 39,4 Metern. Die Borussen, die ihre Gegentorflut aus dem Vorjahr in den Griff bekommen haben, finden wie die Bayern im Moment die richtige Balance zwischen riskantem Pressing und gefahrloser Verteidigung. 16:5 Treffer sprechen jedenfalls dafür.

Teams wie der BVB und Bayern stören den Gegner früh, die gesamte Mannschaft macht die Räume in der gegnerischen Hälfte eng, um schnell den Ball zu gewinnen. "Wenn du hoch stehst, musst du ballsicher sein. Du darfst dir keine unnötigen Ballverluste erlauben", sagt Hamburgs Manager Oliver Kreuzer. "Enges Spielfeld, schnelle Handlungsfähigkeit - das muss man können. Es braucht ein gewisses Selbstvertrauen, wenn du mit deiner Viererkette hoch stehst." Und daran mangelt es den Champions-League-Finalisten FCB und BVB wohl kaum.

teaser-image

Tuchels alte Mainzer: Tief stehen und kontern

Aber: Es geht auch anders, wie Thomas Tuchels (r.) Mainzer zeigen. Obwohl die Nullfünfer im Schnitt von allen Mannschaften am tiefsten stehen, liegen sie in der Tabelle punktgleich mit Wolfsburg auf Rang 7. Im Gegensatz zu Neuer fühlt sich Keeper Christian Wetklo selten allein, denn schon 34,5 Meter vor seinem Kasten hält sich im Schnitt der nächste Verteidiger auf. Ein tief stehendes Team mag weniger pressen, minimiert aber auch das Risiko, von einem langen Ball in die Spitze überrascht zu werden.

Die älteste Viererkette der Liga um Zdenek Pospech (34), Bo Svensson (34), Nikolce Noveski (l., 34) und Joo-Hoo Park (26) muss dementsprechend weniger oft in sprintintensive Duelle. "Wenn du hoch stehst, brauchst du in der Defensive schnelle Spieler. Sollte mal ein Ballverlust kommen und ein Konter, musst du hinterherlaufen können", so Kreuzer. Ob Tuchel sein Team für seine Abwehr-Oldies extra weit hinten positioniert oder er den Gegner einfach gerne lockt, um über den schnellen Nicolai Müller selbst zu kontern, sei dahingestellt. Bisher fährt er mit seiner defensiveren Ausrichtung jedenfalls gut - ähnliches gilt für Hannover 96 (36,2 m), das in der Tabelle auf Platz 4 liegt.

Jupp vs. Pep: Sieben Meter Unterschied!



Das beste Beispiel, dass hoch stehen nicht alles ist, sind wiederum die Bayern - und zwar die Triple-Sieger aus dem Vorjahr. Unter Jupp Heynckes stand der letzte Bayern-Feldspieler lediglich 36,1 Meter vor der eigenen Torauslinie, also nur knapp vor den Mainzern dieser Spielzeit. Die Bayern standen im Vergleich zur aktuellen Spielzeit zwar tief, aber dennoch ligaweit am höchsten. In dieser Saison stehen alle Teams zwar allgemein höher. Pep Guardiola und sein dominanter Spielstil rückten den hintersten Bayern-Verteidiger allerdings mehr als sieben (!) Meter nach vorne. Bayern spielt unter dem Spanier nicht weniger erfolgreich - das Entscheidende ist also nur, wie man die Vorteile der hohen oder tiefen Spielweise am geschicktesten nutzt.

Christoph Gschoßmann

Verwandte Artikel

Fan-Newsletter

Bundesliga
Service
Partner

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH