offizielle Webseite

Liveticker

Bundesliga

08.01.2014 - 13:01 Uhr


Hitzlsperger bekennt sich zur Homosexualität

"Ich äußere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte", sagt Thomas Hitzlsperger

2007 wurde Hitzlsperger (l.o.) mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Im letzten Saisonspiel, einem 2:1 gegen Cottbus, schoss der damalige Kapitän sein Team zum zwischenzeitlichen 1:1

Hitzlsperger, der für seine Fernschüsse bekannt war, erzielte in 131 Bundesligaspielen 20 Tore. Er spielte in der Bundesliga außerdem für den VfL Wolfsburg

Außerdem spielte der 52-malige Nationalspieler für Aston Villa, Lazio Rom, West Ham United (Foto) und den FC Everton

München - Gerüchte über schwule Fußballer in der Bundesliga gibt es seit Jahren - jetzt hat sich Thomas Hitzlsperger als erster ehemaliger deutscher Nationalspieler und Profi zu seiner Homosexualität bekannt und damit völlig überraschend ein Tabu gebrochen. "Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber mit einem Mann zusammenleben möchte", sagte der 31-Jährige im Interview mit der Wochenzeitung Zeit (Donnerstag-Ausgabe).

Nachdem der 52-malige Nationalspieler vor vier Monaten seine Karriere beendet hatte, sah er nun "einen guten Moment" für sein Outing. "Ich äußere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte", sagte der Münchner.

In der Kabine kein Thema

Das Bewusstsein, homosexuell zu sein, sei "ein langwieriger und schwieriger Prozess" gewesen, führte Hitzlsperger weiter aus. Homosexualität werde im Fußball "schlicht ignoriert". Bis heute kenne er keinen Fußballer persönlich, der das zu seinem Thema gemacht habe: "In England, Deutschland oder Italien ist Homosexualität kein ernsthaftes Thema, nicht in der Kabine jedenfalls." In den genannten drei Ländern hatte der gebürtige Münchner gespielt.

Er habe sich immer wieder über die Widersprüche geärgert, die in der Fußballwelt im Umgang mit Homosexualität aufgebaut würden, sagte der frühere Mittelfeldspieler, der 2006 zum WM-Kader gehört hatte, im Zeit-Gespräch. Der Profisport sei ein absolut harter Leistungssport, "Kampf, Leidenschaft und Siegeswille sind untrennbar miteinander verknüpft". Das passe nicht zu dem Klischee, das sich viele Leute von einem Homosexuellen machten, nämlich: "Schwule sind Weicheier."

Rauball: "Großer und mutiger Schritt" 

Er habe sich aber "nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin". Trotzdem seien die Sprüche der Kollegen nicht immer einfach zu ertragen gewesen. "Überlegen Sie doch mal: Da sitzen zwanzig junge Männer an den Tischen und trinken. Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Homosexuelle nicht massiv beleidigend wird", sagte Hitzlperger, der zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff darüber unterrichtet hat, mit dem heiklen Thema an die Öffentlichkeit gehen zu wollen.

Die Reaktionen auf Hitzslspergers Outing sind allerdings positiv. Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball sprach von einem "großen und mutigen Schritt", der "im Kampf gegen Homophobie sicherlich wegweisend" sei. Rauball merkte jedoch an: "Mit Blick auf die enorme Öffentlichkeit im Profifußball wären die Reaktionen im Falle des Outing eines aktiven Profis jedoch weiterhin nur schwer kalkulierbar. In dieser Hinsicht tragen die Clubs als Arbeitgeber eine außerordentliche Verantwortung."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) veröffentlichte im Sommer 2013 bereits eine Informations-Broschüre mit dem Titel "Fußball und Homosexualität". Sie solle dazu anregen, "sich mit dem Thema sexuelle Identität unaufgeregt und entschleunigt auseinanderzusetzen", heißt es darin. "Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten", schrieb DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seinem Vorwort.

Meisterschaft 2007 mit Stuttgart

Hitzlsperger, der in 52 Länderspielen sechs Tore erzielte, hatte zuletzt im August 2010 gegen Dänemark (2:2) im DFB-Team gespielt und dabei sogar die Kapitänsbinde getragen. 2006 war er mit dem Nationalteam WM-Dritter, 2008 Vize-Europameister geworden. Bis zum Juli stand "The Hammer", wie er wegen seines harten Schusses auf der Insel genannt wurde, beim englischen Premier-League-Klub FC Everton unter Vertrag.

Sein größter Erfolg auf Clubebene bleibt die deutsche Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 2007, in der Bundesliga spielte er zudem für den VfL Wolfsburg. In der Jugend war er für Bayern München aktiv.

Verwandte Artikel

Fan-Newsletter

Bundesliga
Service

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH