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Bundesliga

27.12.2013 - 21:50 Uhr


Nach Stotter-Start auf Europa-Kurs

Der VfL Wolfsburg schloss die beste Hinrunde seiner Bundesliga-Geschichte ab

Trainer Dieter Hecking übernahm die Wölfe in der Winterpause der vergangenen Spielzeit

Zum Hinrundenfinale gab es ein spektakuläres 2:2 in Mönchengladbach

Wolfsburg - Vier Jahre ist es her, dass der VfL Wolfsburg mit einer sensationellen Aufholjagd von Platz neun zur Winterpause in der Rückrunde zum Titel stürmte. Teams wie Manchester United spielten im Herbst 2009 in der Volkswagen Arena auf. Seitdem träumt man in der Autostadt von der Rückkehr auf die europäische Bühne. Doch nach dem Wechsel von Felix Magath zum FC Schalke 04 kämpften die Niedersachsen eher gegen den Abstieg als um den Einzug ins internationale Geschäft.

Selbst die Hoffnung durch einen Schritt zurück auf eine bessere Zukunft erfüllte sich nicht. Zwar rettete der im März 2011 zurückgeholte Meistertrainer Felix Magath die Wölfe vor dem Abstieg, aber nicht nur der erhoffte Sprung zurück ins internationale Geschäft in der Spielzeit 2011/12 wurde verpasst, sondern auch der Start in die Folge-Saison ging daneben. Nach neun Spielen standen gerade mal acht Punkte zu Buche, der VfL fand sich in den Abstiegsregionen wieder.

Auf die Mischung kommt es an

In Wolfsburg zog man die Notbremse und änderte die Strukturen auf der sportlichen Führungsebene. Für den Sportdirektor Magath wurde aus Bremen Klaus Allofs an den Mittellandkanal geholt. Im Winter ersetzte Dieter Hecking den für Magath eingesprungenen Interims-Coach Lorenz-Günther Köstner auf der Trainerbank.

In der Sommerpause bauten Allofs und Hecking den Kader nach ihrer Philosophie um. 25 Spieler des aufgeblähten Kaders mussten gehen. Fortan wollte man auf einer Mischung aus erfahrenen Spielern und Talenten aus dem eigenen Nachwuchs bauen.Vom Rekordmeister kam der defensive Mittelfeldspieler Luiz Gustavo, der beim Confed Cup großen Anteil am Titelgewinn der brasilianischen Mannschaft hatte, aus Nürnberg folgte Timm Klose seinem Trainer in den Norden.

Die Handschrift Heckings war schon in der Rückrunde der Vorsaison zu erkennen. Die Mannschaft blieb die letzten zehn Spiele der Saison ungeschlagen. Entsprechend optimistisch gingen die Wölfe in die aktuelle Saison.

0:2 gegen Braunschweig der Knackpunkt

Doch der Motor stotterte. Statt an der Spitze fanden sich die Wölfe im Tabellenkeller wieder. Spätestens nach dem 0:2 am achten Spieltag vor eigenem Publikum im Nachbarschafts-Derby gegen die bis dahin sieglosen Braunschweiger stellten sich die Anhänger auf eine weitere Saison voller Tristesse ein.

"Natürlich hätten wir unseren Fans gegen Braunschweig gern einen Sieg geschenkt", so Keeper Diego Benaglio nach dem Nord-Derby zu bundesliga.de. "Aber vielleicht war das auch gut so."

Denn seitdem haben die Wölfe kein Spiel mehr verloren. Nach dem 2:2 gegen die Borussia zum Vorrunden-Abschluss in Mönchengladbach überwintern die Wolfsburger auf Europa-League-Rang fünf - nur zwei Punkte hinter Vize-Meister Dortmund.

Namen spielen keine Rolle

Das Vertrauen in die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern zahlt sich aus. Namen spielen keine Rolle, allein die Leistung zählt. Im Abwehrzentrum kommt Heckings Wunschspieler Klose nicht am 21-jährigen Robin Knoche vorbei. Selbst Superstar Diego verlor seine Position im zentralen Mittelfeld und stellt sich als Außenstürmer ganz in den Dienst der Mannschaft.

Das Wolfsrudel führt Maximilian Arnold. Der 19-Jährige aus der Jugend des VfL traf bei bisher zwölf Saisoneinsätzen fünfmal. Eine Quote, die Nationalspieler wie Marco Reus und Mario Götze zum so frühen Zeitpunkt ihrer Karriere nicht annähernd erreicht haben. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann der U-21-Nationalspieler in den Kader der DFB-Auswahl rutscht.

Mit traditionell starker Rückrunde in die Champions League

Doch so weit denkt Arnold nicht. Wie die gesamte Mannschaft freut er sich nach den Erfolgserlebnissen der letzten Wochen über ruhige Weihnachtstage, um dann in der Vorbereitung den Grundstein für eine starke Rückrunde zu legen.

Zum Titelgewinn wie 2009 wird der Weg des VfL angesichts der Dominanz von Herbstmeister Bayern München wohl nicht mehr führen, aber bleiben die in der Rückrunde traditionell starken Wölfe von Rückschlägen verschont, wäre es keine Überraschung, wenn das Minimalziel Europa League übertroffen werden würde. Der Traum von Champions-League-Atmosphäre mit Europas Top-Teams wie Manchester United zu Gast in der Volkswagen Arena würde früher in Erfüllung gehen als von allen erhofft.

Jürgen Blöhs

TOPS

  • Torgefährliche Abwehrspieler: Einzig die Verteidiger von Hoffenheim erzielten mehr Tore (acht) als die Abwehrspieler von Wolfsburg (fünf).
  • Tolle direkte Freistöße: Wolfsburg erzielte drei Tore mit einem direkt verwandelten Freistoß - Ligaspitze.
  • Viel über die Flügel: Wolfsburg schlug die meisten Flanken (255).
  • Beste Hinrunde: Wolfsburg spielte mit 30 Punkten und einer Tordifferenz von plus neun seine beste Hinrunde in der Bundesliga - nur in der Saison 04/05 hatte der VfL nach 17 Spieltagen ebenfalls 30 Punkte, damals aber bei schlechterer Tordifferenz.
  • Clever im eigenen Strafraum: Wolfsburg hat in der laufenden Spielzeit noch keinen Strafstoß verursacht.

 

FLOPS

  • Offensive ausbaufähig: Wolfsburg erzielte 28 Tore - acht Teams mehr.
  • Freistöße sind eine Achillesferse: Bei keinem anderen Team führte ein Freistoß so oft zu einem Gegentor wie bei Wolfsburg (sechs Mal).
  • Bittere Pleiten: Wolfsburg verlor beide Niedersachsen-Derbys - 0:2 in Hannover und 0:2 gegen Braunschweig.
  • Diego blieb unter seinen Möglichkeiten: Der Brasilianer schoss nur drei Tore und gab nur drei Torvorlagen.
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