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02.12.2013 - 09:18 Uhr


Hertha: Jammern auf hohem Niveau

Hajime Hosogai (l., hier gegen Halil Altintop) bekommt für seinen Auftritt als Innenverteidiger gegen augsburg ein Sonderlob von Jos Luhukay

Der Trainer der Berliner ist mit dem Remis gegen den FCA letztlich nicht unzufrieden - sein Team steht letztlich mit 19 Punkten auf dem sehr ordentlichen 7. Platz

"Wir müssen einfach unsere Offensivaktionen zwingender durchbringen", fordert Marcel Ndjeng (r.) für die nächste Partie bei Eintracht Braunschweig

Berlin - Nach der Nullnummer gegen den FC Augsburg (Spielbericht) sah der verregnete Himmel über der Hauptstadt noch ein bisschen grauer aus als vorher. Wieder kein Sieg für Hertha BSC, wieder kein Tor geschossen.
Angesichts der nackten Zahlen könnte man an eine ausgemachte Krise bei der Alten Dame glauben. Die Hertha gewann nur eins ihrer letzten fünf Spiele und in den vergangenen drei Heimpartien blieb die Elf von Trainer Jos Luhukay ohne Torerfolg. In der Hauptstadtpresse lasen sich die Berichte über den Aufsteiger entsprechend negativ. "Hertha tritt auf der Stelle", hieß es da, von "Heimtor-Krise" war die Rede, "Hertha lahmt" und sogar: "Torlos, harmlos, Hertha".

Hosogai "der überragende Mann"



Beschönigen wollten auch die Protagonisten nichts: "Das war schwere Kost für die Zuschauer", gab Peter Niemeyer zu. Der Ex-Kapitän war schon in der 20. Minute eingewechselt worden, als Sebastian Langkamp verletzt vom Platz musste. Der Innenverteidiger startete neben Marcel Ndjeng und Hajime Hosogai als einer von drei Ex-Augsburger bei der Hertha gegen den früheren Club, hinzu kam Luhukay als ehemaliger FCA-Trainer. Der beorderte nach dem frühen Wechsel nicht etwa den langen Niemeyer ins Abwehrzentrum, sondern den kleinen Japaner Hosogai. "Für mich der überragende Mann heute", bekam der flexible Defensivmann ein Sonderlob seines Trainers.

Ein bisschen kurios war es aber schon, dass dadurch Lustenberger (1,80 Meter) und Hosogai (1,76) nicht nur die mutmaßlich kleinste Innenverteidigung der Liga bildeten. Es waren auch die beiden Spieler, die beim Saisonstart gegen Eintracht Frankfurt noch auf der Doppel-Sechs spielten. "So schnell geht es im Fußball", meinte Kapitän Lustenberger lapidar, der jüngst in der Schweizer Nationalmannschaft debütierte.

Kraft musste keine Torschuss halten



In der Analyse wirkte der 25-Jährige schon fast so ruhig und besonnen wie sein Vorgesetzter: "Das einzige, was man uns ankreiden kann, ist, dass wie keine Tore schießen", wollte der Schweizer nicht in den Kanon der Krisengesänge einstimmen, "wenn wir unsere Chancen besser nutzen, dann haben wir defensiv so eine große Stabilität, dass wir hinten nichts anbrennen lassen."

In der Tat fand Augsburg offensiv überhaupt nicht statt - Hertha-Keeper Thomas Kraft musste keinen einzigen Torschuss halten. Das war allerdings auch der Betontaktik der Gäste geschuldet, die sich ausschließlich darauf konzentrierten, hinten die Null zu halten. Das gelang, obwohl die Hausherren schon in der ersten Halbzeit drei gute Chancen bekamen - davon "zwei Hundertprozentige", so Luhukay: "In einem Spiel wie heute muss man daraus ein Tor erzielen, dann geht man auch als Gewinner vom Platz." Das klappte diesmal nicht, doch wie schon gegen Topclub Leverkusen war seine Hertha die bessere Mannschaft gewesen.

Gegen defensiv eingestellte Mannschaften hat die Hertha derzeit zwar ihre Probleme. Dieser Umstand stellt für den Aufsteiger allerdings ein Riesenkompliment dar - sagt es doch viel darüber aus, wie viel Respekt die Gegner vor der Offensivstärke der Berliner haben. So war es einmal mehr Jos Luhukay vorbehalten, die Partie ins rechte Verhältnis zu setzen: "Ich freue mich sehr über den Punkt", erklärte der Hertha-Coach, "wir haben damit den Abstand nach unten um einen Punkt vergrößert und sind in der Tabelle um einen Platz nach oben geklettert."

Gegen Braunschweig "zwingender" sein



Der Blick aufs Ranking sollte tatsächlich alle Krisengedanken schnell verscheuchen: Platz 7 mit 19 Punkten nach 14 Spielen und damit acht Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz und nur vier Punkte Rückstand auf die Europa League - für einen Aufsteiger, dessen erklärtes Ziel der Klassenerhalt ist, sind das herausragende Marken. Anders gesagt: Bei Hertha jammert man inzwischen schon wieder auf recht hohem Niveau.

Bei Mitaufsteiger Eintracht Braunschweig wäre man jedenfalls mehr als froh über diese Position. Die Niedersachen haben schon zehn Niederlagen zu beklagen, sind das Tabellenschlusslicht - und der nächste Hertha-Gegner. Angesichts dieser Voraussetzungen dürften die Niedersachsen ähnlich defensiv agieren wie Augsburg.

Dennoch werde man dort "nichts speziell anderes probieren", sah Marcel Ndjeng keinen Grund für Aktionismus. Der erste Einsatz des Außenbahnspielers über 90 Minuten nach langer Verletzungspause fiel durchaus ansprechend aus. Obwohl der 31-Jährige neben Änis Ben-Hatira einer von zwei Herthanern gewesen war, die gegen den FCA eine Hundertprozentige nicht verwerten konnten. Ndjengs Parole für das Gastspiel in Braunschweig kam deshalb aus berufenem Munde: "Wir müssen einfach unsere Offensivaktionen zwingender durchbringen."

Aus Berlin berichtet André Anchuelo
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