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15.05.2014 - 16:30 Uhr


Watzke: "Wir sind Rivalen und wollen das auch bleiben"

Mit einem Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München kann Borussia Dortmund "aus einer sehr guten eine großartige Saison" machen, meint Hans-Joachim Watzke

Das angespannte Verhältnis zum Rekordmeister um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (l.) sieht der Geschäftsführer des BVB angesichts der sportlichen Rivalität als "normal" an

Für die kommende Saison ist der 54-Jährige zuversichtlich: "Borussia Dortmund trägt immer das Gen in sich, Titel gewinnen zu können"

Dortmund - Mit einem Sieg gegen den FC Bayern München im DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin (ab 19:30 Uhr im Live-Ticker) könnte Borussia Dortmund eine gute Saison veredeln. Im zweiten Teil des Interviews mit bundesliga.de spricht Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über die Rivalität zum Rekordmeister, die Lage der Liga und die Titelchancen der Schwarz-Gelben in der kommenden Saison.

bundesliga.de: Herr Watzke, Vizemeister, in der Champions League nur knapp am Halbfinale vorbei geschrammt und im DFB-Pokal die große Chance auf den Titel; darf man die aktuelle Saison - unter Berücksichtigung der großen Verletzungssorgen - ähnlich hoch bewerten wie die vergangenen zwei, drei Spielzeiten?

Hans-Joachim Watzke: Was Konstanz und Nachhaltigkeit betrifft, auf jeden Fall! In den vergangenen vier Jahren waren wir zwei Mal Meister und zwei Mal Vizemeister, konnten uns zwei Mal in Folge unter den Top Acht in Europa platzieren und stehen zum dritten Mal in Serie in einem Finale. Berücksichtigt man die angesprochene Verletzungsmisere, die ich in solch einer Ausprägung noch nie erlebt habe, ist das mindestens eine glatte Zwei. Und sollten wir dieses Finale für uns entscheiden, wird aus einer sehr guten eine großartige Saison!

bundesliga.de: Noch vor ein paar Wochen wären die Bayern in diesem Pokalfinale wohl hoher Favorit und der BVB nur Außenseiter gewesen. Begegnet man sich jetzt auf Augenhöhe?

Watzke: Wir haben immer gesagt, dass wir Bayern an einem guten Tag schlagen können. Trotzdem sind die Münchner Favorit. Denn wer als Deutscher Meister in ein Pokalfinale geht, der ist per se Favorit. Gleichwohl wissen wir, wie die Bilanz in der Bundesliga in den vergangenen vier Jahren aussieht: In diesem Zeitraum haben wir die Münchner fünfmal schlagen können (Vereinsvergleich). Wir sind also bereit.

bundesliga.de: Bundestrainer Joachim Löw hofft auf ein Finale, in dem "die Fetzen fliegen, auf positive Weise". Befürchten Sie, dass das auf, aber auch abseits des Rasen ins Negative kippen könnte nach den letzten Auseinandersetzungen?

Watzke: Nein. Überhaupt nicht. Dass es auf dem Rasen zur Sache geht, ist völlig normal in solchen Spielen. Wenn ich über Jahre den Clasico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona betrachte, bin ich sicher, dass wir diese unerbittliche Härte gewiss nicht erreichen. Beide Teams haben großen Respekt voreinander, und die Spieler wollen nach dem Finale gemeinsam eine erfolgreiche WM bestreiten.

bundesliga.de: Das angespannte Verhältnis zwischen dem FC Bayern und dem BVB ist aber nicht wegzudiskutieren.

Watzke: Darum müssen wir gar nicht herumreden, das Verhältnis zu Bayern München ist in der Vergangenheit sicherlich schon einmal besser gewesen. Trotzdem werden wir ganz professionell miteinander umgehen und es wird anlässlich dieses Pokalfinales keine Zerwürfnisse geben.

bundesliga.de: Bedauern Sie das angespannte Verhältnis?

Watzke: Das ist nicht zu ändern. Denn das Verhältnis ändert sich aus meiner Sicht in dem Maße, in dem man dem FC Bayern näherkommt. Wir sind nicht der erste Verein, der das zu spüren bekommt. Karl-Heinz Rummenigge selbst hat gerade erst in einem Interview sinngemäß gesagt, dass man in der Vergangenheit schon mit Bremen und Köln so verfahren sei. Letztlich ist das aber völlig normal. Und wir müssen nicht so tun, als ob wir uns den ganzen Tag gegenseitig auf die Schulter klopfen würden. Wir sind Rivalen und wollen das auch bleiben.

bundesliga.de: Stichwort Clasico und spanische Liga: Viele Jahre hat man in der Bundesliga vor spanischen Verhältnissen gewarnt - also vor einer Meisterschaft, die immer nur zwischen Real und Barca entschieden wird. Zuletzt aber - angesichts der Dominanz der Bayern - hätte man sich solche Verhältnisse fast gewünscht.

Watzke: Wir hatten erneut zwei Teams unter den besten Acht in Europa, zwei Teams, die im vergangenen Jahr sogar das Finale bestritten haben. Und in diesem Jahr ist Borussia Dortmund nur extrem knapp am jetzigen Finalisten und möglichen Titelgewinner gescheitert. Ich glaube also, dass der deutsche Fußball einen sehr großen Stellenwert in Europa hat. Das ist das eine.

bundesliga.de: Und das andere?

Watzke: Wenn wir ganz ehrlich sind, haben wir echte Spannung im Meisterschaftskampf schon seit vier Jahren nicht mehr. Denn in den beiden Jahren, in denen wir den Titel geholt haben, hatten wir auch einen deutlichen Vorsprung von sieben, acht Punkten auf den Vizemeister. Es stimmt, dass der Vorsprung der Bayern in den beiden vergangenen Jahren noch krasser war. Aber bei genauer Analyse erkennt man auch, dass wir in den ersten elf und den letzten elf Spieltagen sehr nah dran waren. Dazwischen hatten wir durch die unfassbare Verletzungsserie, während der die komplette Viererkette und die Doppelsechs ausgefallen sind, ein paar Wochen, in denen wir den Anschluss verloren haben.

bundesliga.de: 19 Punkte betrug der Rückstand am Ende (Tabelle)...

Watzke: Korrekt. In der kommenden Saison wollen wir den Abstand verkürzen. Trotzdem wird der FC Bayern erneut als klarer Favorit in die Saison gehen.

bundesliga.de: Geht es für den BVB also nur darum, den Abstand weiter zu verkürzen, oder ist man - wenn auch kein Favorit - so aber doch ein Titelkandidat?

Watzke: Jede Saison hat ihre Entwicklung, deshalb lässt sich das nicht voraussagen. Borussia Dortmund trägt immer das Gen in sich, Titel gewinnen zu können. Deshalb versuchen die Bayern schon seit Jahren, uns abzuschütteln. Am Saisonende treffen sie uns aber doch immer wieder, ob 2012 in Berlin, ob im vergangenen Jahr in London oder ob nun erneut in Berlin. Fakt ist aber auch, dass sich die Bayern über fast 50 Jahre einen solchen Vorsprung erarbeitet haben, dass sie automatisch Favorit sind. Sie bewegen mit Abstand das meiste Geld, und das heißt im Klartext, dass sie auch die größten Chancen auf den Titel haben.

Das Gespräch führte Andreas Kötter 

Im ersten Teil des Interviews spricht Watzke über Nachholbedarf der inzwischen sehr erfolgreichen Marke BVB und die Stürmersuche...

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