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27.12.2013 - 17:37 Uhr


Hannover zeigt zwei Gesichter

Szabolcs Huszti (r.) ist mit sechs Treffern und vier Vorlagen bester Scorer von Hannover 96

Aber besonders auswärts läuft es für 96 nicht. Das 1:2 in Freiburg war die achte Niederlage im achten Spiel auf fremdem Platz

Als Reaktion auf die durchwachsene Hinrunde trennte sich der Verein am 27. Dezember von Trainer Mirko Slomka

Hannover - Die Null steht bei Hannover 96. Allerdings nicht hinter dem Doppelpunkt bei den Spielergebnissen, wo sie sich jeder wünscht, sondern bei den Punkten, die die Roten von ihren Auswärtsfahrten mit zurück an die Leine gebracht haben. Acht Spiele in einer Vorrunde ohne einen Zähler, das ist  zuletzt Eintracht Frankfurt vor einem Vierteljahrhundert widerfahren.

"Was wir auswärts zeigen, ist kein Erstliga-Niveau. Das ist peinlich", so Ron-Robert Zieler offen und ehrlich nach der 1:2-Pleite in Freiburg. Dabei sollte bei dem bis dahin vor eigenem Publikum noch sieglosen Tabellen-16. zumindest das Minimalziel von 20 Punkten erreicht werden.

Zwar erwies sich die Festung HDI Arena mit nur drei Niederlagen im Kalenderjahr 2013 (nur Rekordmeister Bayern München hat im eigenen Stadion seltener verloren) für die Gegner als beinahe uneinnehmbar, und mit 18 Zählern liegen die Roten in der Vorrunden-Heimtabelle punktgleich hinter Vize-Meister Borussia Dortmund auf Europa-League-Rang 6, aber vom Saisonziel Europapokal haben sich die Niedersachsen schon vor Wochen verabschiedet. Denn nur ein Dreier sprang in den letzten elf Liga-Spielen heraus.

Slomka muss gehen

"Das ist zu wenig für unsere Ansprüche", sagte Kapitän Steven Cherundolo nach dem glücklichen 3:3 am 16. Spieltag gegen den noch sieglosen 1. FC Nürnberg zu bundesliga.de. Statt in Ruhe die Weihnachtsferien genießen zu können, mussten Präsident Martin Kind, Sportdirektor Dirk Dufner und Trainer Mirko Slomka nachsitzen.

Heraus kam die Trennung von Trainer Slomka. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber gemeinsam haben wir die Überzeugung, etwas verändern zu wollen", erklärte Dufner. Gründe für die Talfahrt gibt es einige. Nicht ein Mal in 17 Spielen konnte Slomka die gleiche Startelf aufbieten. Ein in der niedersächsischen Landeshauptstadt völlig unbekanntes Gefühl. Selbst in den zwei Spielzeiten mit der Mehrfachbelastung Europa League war Rotation für Slomka ein Fremdwort.

Ya Konan wird schmerzlich vermisst

Nur Torwart Zieler und Leon Andreasen standen in allen 17 Vorrundenspielen der aktuellen Saison auf dem Platz. Besonders bitter traf die 96er der verletzungsbedingte Ausfall von Didier Ya Konan. Der Partner von Mame Diouf im Angriff konnte nur eine Partie über 90 Minuten absolvieren. Und die Zukunftshoffnung Artur Sobiech ist noch nicht so weit, den zum VfB Stuttgart abgewanderten Mohammed Abedellaoue zu ersetzen.

Neben den verletzungsbedingten Ausfällen schwächten sich die Hannoveraner auch durch Undiszipliniertheiten immer wieder selbst. 43 Gelbe, je zwei Gelb-Rote und Rote Karten bedeuten mit Abstand Platz 18 in der Fairness-Tabelle.

"So kriegen wir Probleme"

Statt nach oben richten die Spieler angesichts von zehn Punkten auf Rang 6 aber nur vier zu Relegationsplatz 16 den Blick eher nach unten. "So kriegen wir in der Rückrunde richtig Probleme", befürchtet Zieler. Denn ob die HDI Arena auch 2014 eine Festung bleibt, muss die Mannschaft gleich in den ersten vier Heimspielen der Rückrunde unter Beweis stellen. Mit Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen sind Gegner zu Gast, die dort stehen, wo Präsident Kind sein Team gern sehen würde: auf den Champions-League-Rängen.

"Für mich wäre es inakzeptabel, die Hinrunde ohne Auswärtszähler abzuschließen", hatte Slomka vor dem Freiburg-Spiel gesagt. Der Worst Case ist eingetreten. Und der Ex-Schalker, der Hannover 2010 am letzten Spieltag der Saison vor dem Abstieg rettete und danach zwei Mal in die Europa League führte, ist nun nicht mehr Trainer der Niedersachsen.

Verstärkung gesucht

So steht bis zum Trainingsauftakt am 5. Januar erst einmal die Suche nach einem Nachfolger für Slomka ganz oben auf der Agenda. Zudem wollen sich die Roten im Winter noch nach Verstärkungen umsehen. Dringend gesucht: ein erfahrener Offensivspieler, der im Optimalfall sofort weiterhilft.

Am besten mit Toren, um einen Fehlstart in die Rückrunde und ein Abrutschen in die Abstiegsränge zu vermeiden. Die Null auf fremden Plätzen soll auf jeden Fall bald Geschichte sein.

Jürgen Blöhs

TOPS

  • Zuhause Stimmt die Bilanz: Hannover holte alle 18 Punkte zu Hause (fünf Siege, drei Remis, eine Niederlage).

  • Eisvögel vor dem Tor: Kein anderes Team nutzte seine Großchancen so gut wie Hannover 96: Aus 68,8 Prozent der hundertprozentigen Möglichkeiten resultierte ein Tor (elf von 16)

  • Stark beim ruhenden Ball: Hannover 96 erzielte 39 Prozent seiner Tore nach Standardsituationen (neun von 23) – der höchste Anteil in der Liga.

  • Offensivfreudig: Hannover gab die fünftmeisten Torschüsse ab (253).

  • Viele Ecken: Hannover hatte 92 Ecken – nur vier Teams mehr.

FLOPS

  • Hinten klaffen viel zu große Lücken: Hannover 96 gestattete den Gegnern die meisten Großchancen, 38 Mal stand ein Gegner relativ frei und unbedrängt einschussbereit vor dem Tor.

  • Trantütig gegen Abwehrspieler: Hannover 96 kassierte ligaweit die meisten Gegentore durch Abwehrspieler (sechs).

  • Es geht zur Sache: Hannover 96 spielte am zweithäufigsten Foul (319 Mal, nur Hoffenheim häufiger).

  • Die Kartensammler vom Dienst: Die Spieler von Hannover 96 sahen die meisten Karten (47).

  • Der läuferische Aufwand ist ausbaufähig: Hannover 96 lief durchschnittlich nur 113,8 Kilometer pro Spiel – alle anderen Teams spulten mehr Kilometer ab (teilweise deutlich!).

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