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16.10.2013 - 20:24 Uhr


Gelebte Fußballkultur im "FanHaus"

Wenn die Fohlen spielen, ist das Gladbacher "FanHaus" der Anlaufpunkt für die Anhänger - vor und nach der Partie

Im April 2006 wurde das "FanHaus" nach englischem Vorbild passenderweise auf einem ehemaligen Kaserngelände der britischen Streitkräfte eröffnet

Dunkler Holzboden, eine extra lange Theke, unzählige Bilder, an Decke und Wänden Fanschals so weit das Auge reicht - die Vorliebe für die englische Fan-Pub-Kultur ist kaum zu übersehen

bundesliga.de-Reporter Markus Hoffmann (l.) sprach mit Fanprojekt-Geschäftsleiter Matthias Neumann über den einzigartigen Ort

Mönchengladbach - Ein kurzer Blick hinein genügt bereits, um zu erkennen, welch einzigartigen Ort das Mönchengladbacher Fanprojekt hier in Eigenregie geschaffen hat. Dunkler Holzboden, eine extra lange Theke, unzählige Bilder, die an die ruhmreiche Geschichte der Fohlenelf erinnern, an Decken und Wänden Fanschals so weit das Auge reicht. Ein Ambiente wie in einem englischen Football-Pub.
"Von Fans für Fans" steht draußen über dem Eingang. Innen werden gemeinschaftlich Siege gefeiert und Niederlagen verarbeitet. Im "FanHaus" wird Fußballkultur gelebt. Viele Anhänger von Borussia Mönchengladbach haben traditionell eine Vorliebe für die englische Fan-Kultur. Im Speziellen pflegt der Club seit den 90er Jahren engen Kontakt mit dem FC Liverpool. Die Vereine sind seit den beiden Europapokal-Endspielen in den Siebzigern (1973 UEFA-Cup, 1977 Landesmeister-Cup, beide Male siegten die "Reds") miteinander verbunden. Eine echte Freundschaft entstand, als Gladbach-Fans seinerzeit Spenden für die Opfer der Hillsborough-Katastrophe von 1989 sammelten. Seitdem besuchen sich Delegationen beider Lager regelmäßig jedes Jahr.

Alte englische Offiziersbaracke saniert



Passenderweise entstand das "FanHaus" am Borussia Park aus einer alten Offiziersunterkunft auf dem ehemaligen Kasernengelände der britischen Streitkräfte. Viele Fans haben damals mitgeholfen, die Baracke zu entkernen, um nach dem Umzug vom Bökelberg in den Borussia Park auch eine neue Anlaufstelle für Fans und neue Räumlichkeiten für das 1988 gegründete Fanprojekt - das bis dato in einem kleinen Ladenlokal im Stadtteil Eicken zu finden war - zu schaffen.

Im April 2006 wurde das "FanHaus" eröffnet. Seitdem ist es für Borussias Fanszene eine Art "heiliger Ort", wie Matthias Neumann, Geschäftsleiter des Fanprojekts, erklärt. "Unsere Fans sind unheimlich stolz darauf. Es ist eine einmalige Geschichte in Deutschland, um die uns viele Fanszenen im Land beneiden", erklärt der 34-Jährige, der damit vor allem die Eigenregie der Umsetzung, die besondere Atmosphäre an Spieltagen sowie die moderaten Preise meint.

Inspiriert von der Anfield Road



Wenn die Fohlenelf spielt, ist das "FanHaus" der Anlaufpunkt schlechthin, vor und nach der Partie. Dort tummeln sich dann häufig über 1.500 Besucher und fachsimpeln in der geräumigen Sport-Kneipe, die auch über einen großen, überdachten Außenbereich sowie einen Bolzplatz verfügt. Die Gestaltung des Interieurs wurde durch den Pub "The Albert" inspiriert, der sich direkt hinter der legendären Tribüne "The Kop" an der Liverpooler Anfield Road befindet.

"Dort hängen die Wände voller Schals, die von Fans abgegeben wurden. Bei uns ist es genauso. Wir haben inzwischen so viele Utensilien, dass wir regelmäßig austauschen und umdekorieren können", sagt Neumann. Nicht nur wegen der Schals, auch durch die vielen Bilder, Plakate und Zeitungsausschnitte an den Wänden ist Borussias ruhmreiche Geschichte allgegenwärtig.

Buntes Programm während der Woche



Während das "FanHaus" rund um die Borussia-Spiele aus allen Nähten platzt, geht es während der Woche zwar etwas ruhiger, dafür aber nicht weniger interessant zu. Talkrunden mit Spielern, Infoveranstaltungen für Fans, ein offenes Ganztagsangebot für Jugendliche, Buchlesungen, Diskussionsabende und viele weitere Dinge, die sich mit Fankultur beschäftigen, beinhaltet das Programm abseits der Spieltags-Action.

Im Gebäude ist auch der administrative Bereich des Fanprojekts untergebracht. Jugend- und Sozialarbeiter, Mitgliederverwaltung und Fanbetreuung trifft man hier an. "Die Tür ist für jeden offen. Jeder kann zu uns kommen", sagt Neumann. Sei es mit Fragen zu Auswärtstickets, Mitfahrgelegenheiten oder Charterflügen, aber auch mit Problemen wie Stadionverboten, Ärger beim Auswärtsspiel oder Suchtangelegenheiten. Sechs Festangestellte und ein Pool von insgesamt rund 50 Helfern kümmern sich jederzeit um das Wohl der Fans.

Die Fanbetreuung bei Borussia Mönchengladbach steht insgesamt auf zwei Säulen. Intern gibt es die Fanbeauftragten, die beim Club selbst angestellt sind, extern arbeitet das Fanprojekt, das über einen Kooperationsvertrag mit dem Verein verbunden ist. Das ist schon seit Manager Helmut Grasshoffs Zeiten so.

Sprachrohr der Fans



Der Supporters Club, ein eingetragener Verein mit rund 6.500 Mitgliedern, sieht sich als "Sprachrohr" aller Borussia-Fans gegenüber dem Verein Borussia Mönchengladbach, dem DFB, der Polizei, den Ordnungsdiensten und den Medien. "Der Supporters Club ist eine der stärksten Fanvertretungen in Deutschland, dessen Stimme Gewicht hat. Wir wollen mitreden und unseren Verein Borussia Mönchengladbach mitgestalten. Denn wir wissen, was in unserem Verein los ist", heißt es offiziell.

Richtig etwas los ist vor allen an den Spieltagen an diesem einzigartigen Ort mit englischem Touch, der von Fans für Fans erschaffen wurde und an dem das Feiern von Siegen noch mehr Spaß macht. Und das Verarbeiten von Niederlagen gemeinsam leichter fällt. Schließlich ticken hier aus Liebe zu ihrer Borussia alle gleich. Wie in Liverpool lautet schließlich auch im Gladbacher "FanHaus" das Motto stets "you´ll never walk alone". Deutlich wird dies schon auf den ersten Blick.

Markus Hoffmann
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