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24.04.2014 - 15:04 Uhr


Reise gegen das Vergessen

50 Teilnehmer aus allen Fanschichten des BVB besuchten im Anschluss an die Bundesliga-Partie beim FC Bayern München das ehemalige Konzentrationslager in Dachau (Foto: BVB-Fanabteilung)

Zeitzeuge Max Mannheimer (l.) beeindruckte die Dortmunder Reisegruppe mit seiner dramatischen Lebensgeschichte (Foto: BVB-Fanabteilung)

Dortmund - 50 BVB-Fans verschiedenen Alters und quer durch alle Fanschichten besuchten im Anschluss an den 3:0-Erfolg des BVB bei Bayern München das Konzentrationslager im benachbarten Dachau. Ein besonderer Tag, der allen Beteiligten unter die Haut ging.

„Tragt das, was ihr hier heute an Eindrücken gewonnen habt, mit hinaus und auch mit ins Stadion. Seid laut und zeigt, dass ihr keinen Bock auf Rassisten habt.“ Ein passender Appell, mit dem der BVB-Fanbeauftragte Daniel Lörcher den Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau beschloss. Eindrücke, wie grausam Menschen sein können und wozu Rassismus führen kann, hatten die 50 Teilnehmer zuvor genügend sammeln dürfen.

Zeitzeuge Mannheimer im Gespräch

Unter besten Umständen, mit dem Kantersieg beim FC Bayern und strahlendem Sonnenschein im Gepäck, fuhr die Gruppe am Sonntagmorgen raus vor die Tore Münchens in die Stadt Dachau. Hier findet sich das erste Konzentrationslager Nazi-Deutschlands, das heute eine Gedenkstätte beherbergt. „Arbeit macht frei“ – wie in anderen ehemaligen Lagern prangt auch hier der bekannte Spruch am Eingangstor. Hindurch geschritten, erhält man noch heute einen Blick auf ein gigantisch großes Gelände. Umzäunt finden sich hier das ehemalige SS-Ausbildungslager, die Gefängnisbaracken, Appellplatz, Wachtürme und das Krematorium.

Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude, in dem heute ein Ausstellungssaal und mehrere Seminarräume eingerichtet sind, traf die Gruppe auf Max Mannheimer. Der 94-Jährige wurde 1945 von den Alliierten aus dem KZ befreit. Zuvor hatte Mannheimer eine nahezu unglaubliche Tortur durchlitten und auch die Lager in Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Warschau überlebt. In einem Porträt schrieb einst die Süddeutsche Zeitung über den gebürtigen Tschechen: „Seinem Charme und Humor widersteht kaum jemand.“ Eine passende Charakterisierung, von der sich auch die BVB-Gruppe überzeugen durfte. Zwei Stunden lang lauschte sie gebannt den Erzählungen von Deportation, Arbeitslager und unmenschlichen Aufsehern – aber auch von seiner Leidenschaft für „Krimis, Fußball und Frauen“.

Ein Mann, der neben seinen drei Geschwistern auch seine Ehefrau und Eltern durch die Nazi-Verbrechen verlor, schaffte es auf seine ganz eigene Art, den Anwesenden das Leid von Millionen Verfolgter aus der NS-Zeit begreifbarer zu machen. Seine Botschaft an die Anwesenden: „Ihr tragt nicht die Verantwortung für das, was geschehen ist, wohl aber dafür, dass es nicht wieder geschieht.“

Häftlinge verloren ihre individuelle Identität

Die Eindrücke aus dem Gespräch mit Max Mannheimer wurden bei einer Führung über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers vertieft. Dabei verfolgte die Gruppe den Weg der Inhaftierten ab der Ankunft am zynischen „Arbeit macht frei“-Eingangsschild. Angekommen im Konzentrationslager verloren die Häftlinge ihre individuelle Identität. Ihnen wurde die Kleidung abgenommen, ihre Namen durch Nummern ersetzt und die Haare abrasiert. Eine Prozedur unfassbarer Demütigung.

Die Organisatoren von der BVB-Fanbetreuung, dem Fanprojekt Dortmund und der BVB Fan- und Förderabteilung ziehen nach der für alle Beteiligten rundum beeindruckenden und bewegenden Fahrt ein positives Fazit. Über 300 Interessenten hatten sich für die Tour angemeldet und machten die Auswahl der Mitfahrer besonders schwierig. Folglich konnten leider viele Fans nicht mitfahren. Vom 11. bis 16. Juli bietet der BVB erneut eine Gedenkstättenfahrt an. Dann führt der Weg ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Weitere Bilder und Informationen zur Fahrt nach Polen finden Sie unter bvb-fanabteilung.de

Text: BVB-Fanabteilung

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