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10.10.2013 - 20:33 Uhr


Fuss: "Ein 0:0? Den Zonk will ich nicht"

Nach 8 Spieltagen zieht Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss bei bundesliga.de ein erstes Saison-Fazit

Der 37-Jährige glaubt an einen Titelkampf zwischen Bayern und Dortmund: "Die machen das Rennen unter sich aus"

München - Die Bundesliga hat die ersten acht Spieltage hinter sich. Welche Tendenzen haben sich herauskristallisiert? Was sind die Überraschungen? Wird es wieder auf ein Duell zwischen dem BVB und den Bayern hinauslaufen? Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss zieht bei bundesliga.de ein erstes Saison-Fazit und spricht über den Titelkampf sowie die Torflut in der Liga.
bundesliga.de: Herr Fuss, verläuft die Bundesliga bislang so, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Wolff-Christoph Fuss: Was die Tabellenspitze betrifft, ist der erwartete Fall eingetroffen: Die Bayern und die Dortmunder punkten stetig, auch wenn sie nicht jedes Spiel gewinnen konnten. Dass Leverkusen auch mit Sami Hyypiä als alleinigem Trainer so gut funktioniert, konnte ich nicht so ganz vorhersehen. Aber Leverkusen spielt mit dem 4-3-3 ein super attraktives System, mit attraktivem Fußball. Bayer ist eine organisch gewachsene Mannschaft und klar die dritte Kraft in Deutschland. Sie sind dabei, den Wechsel zum Traditionsclub zu vollziehen.

bundesliga.de: Was sagen Sie zu den "neuen" Bayern?

Fuss: Eigentlich müssten sie die Bundesliga alleine schon kraft ihrer individuellen Klasse gewinnen. Denn keine Mannschaft - auch nicht im restlichen Europa - kann dieser Qualität im Kader annähernd Paroli bieten. Aber man spürt dieses Streben nach Perfektion. Man merkt, wie Pep Guardiola jeden Tag daran arbeitet und seine Spieler versuchen das umzusetzen. Wie sich ein Team aus Triple-Siegern nach so einer Saison wie der vergangenen noch einmal derart hinterfragt, nötigt mir großen Respekt ab. Dass es dann so ein 1:1 wie gegen Leverkusen gibt, mit klaren Vorteilen, das ist nun einfach mal so. Das ist auch das einzige, was Guardiola verzweifeln lässt, dass Fußball nicht immer logisch ist.

bundesliga.de: Und die Borussia ist derzeit arg gebeutelt, hält sich aber dennoch prächtig an der Spitze.

Fuss: Der BVB hat im Moment großes Verletzungspech. Die einzigen Mannschaften, die das kompensieren könnten, ohne A- und B-Jugendliche in den Kader zu holen, sind der FC Bayern und vielleicht noch ein bisschen Real Madrid und Barcelona. Bei den Dortmundern steht trotzdem weiter Spektakel vor Perfektion. Das ist ganz interessant: Denn in der Bundesliga gehen momentan zwei Teams einen unterschiedlichen Weg, streiten aber Seite an Seite. Und alles spitzt sich nun zu in Richtung des direkten Duells.

bundesliga.de: Was dann anders ausgehen wird als der 4:2-Erfolg des BVB gegen den FCB im Supercup?

Fuss: Ja, denn die Bayern sind dann schon länger auf dem Pfad der Guardiola-Weisheit unterwegs, auch wenn sie vielleicht noch immer nicht alles verstanden haben werden, was der katalanische Guru von ihnen haben will. Und beim BVB ist es wie immer. Kontrolliertes All-in und drauf, soweit die Füße tragen. Da ist das Motto: Vollgasveranstaltung.

bundesliga.de: Vollgasveranstaltungen passen auch gut zur Bundesliga. 998 Mal gab es in der Geschichte vor dieser Saison bislang 0:0. Auf Nummer 999 warten wir nach acht Spieltagen immer noch - das gab es noch nie.

Fuss: Und als Kommentator hofft man nur, dass man nicht derjenige sein wird, der den Zonk ziehen wird. Auf so ein 0:0 kann ich gern verzichten.

bundesliga.de: Die Bundesliga-Spieler ballern in dieser Saison auch aus allen Rohren. Mehr Tore nach acht Spieltagen gab es nur 1984/85, als am Ende mehr als 1.000 Treffer in einer Saison gefallen sind. Sind die Offensiv-Reihen besser geworden oder die Defensiv-Formationen schlechter?

Fuss: Es ist eine Mischung aus beidem. Es gab Jahre, wo die eher kleineren Vereine ausschließlich Ideen entwickelt haben, wie man Tore verhindert. In letzter Zeit ist das allerdings zunehmend Ideen gewichen, wie man das offensive Spiel gestaltet. Musterbeispiel ist 1899 Hoffenheim: Die haben nach acht Spieltagen ein Torverhältnis von 20:20. Da muss ein italienischer Trainer erst einmal auf die Couch. Alle Bundesliga-Clubs haben Interesse an Ballbesitz und können damit umgehen. Dadurch steigen Niveau und Unterhaltungswert. Klassische Hau-drauf-Clubs gibt es nicht mehr. Natürlich werden trotzdem auch mal Spieler über die Bande gebürstet, aber insgesamt steht das Spiel im Vordergrund.

bundesliga.de: Das macht sich dann auch in der Tabelle bemerkbar. Borussia Mönchengladbach auf Platz 4 hat nur fünf Zähler Vorsprung auf den HSV auf Rang 15.

Fuss: Dass es mal so spannend zuging, daran kann ich mich nicht erinnern. Da kann der HSV mit einem Heimsieg am nächsten Spieltag fast auf einen Europa-League-Platz springen. Und das würde ja auch niemanden wundern, wenn die Hamburger auf einmal anfangen würden, ihre Heimspiele zu gewinnen. Ab Platz 4 ist alles möglich. Das wird ein wahnsinniges Rennen um die Quali-Chance für die Champions League.

bundesliga.de: Und vorne, im Titelrennen?

Fuss: Da machen Dortmund und Bayern das Rennen unter sich aus. Wir sollten nur alle hoffen, dass nicht erneut deutlich vor Schluss alles entschieden ist und sich die Mannschaften sagen, dass sie sich schon früh ausschließlich auf die Champions League konzentrieren können.

Das Gespräch führte Michael Reis
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