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26.09.2013 - 14:59 Uhr


Freiburger Fußballschule: Jola rennt

Jolanta Kura (l.) betreibt mit ihrem Mann Marek die Gaststätte im "Mösle" (© Patrick Seeger)

Auch unter der Woche herrscht in Jolanta Kuras Gaststätte zumeist reger Betrieb (© Patrick Seeger)

Jolanta Kuras Arbeitsplatz - das Mösle-Stadion mitsamt Fußballschule - aus der Vogelperspektive

Koordinationsschulung im Kraftraum der Freiburger Fußballschule

In Freiburg ausgebildet und mittlerweile auch in der Königsklasse unterwegs: Ömer Toprak absolvierte 30 Zweit- und 38 Bundesligaspiele für den SC, ehe er nach Leverkusen wechselte

26 Europapokal- und zwölf Länderspiele - auch Dennis Aogo (r.) hat beim SC Freiburg den Sprung vom Jugend- zum Profispieler gemeistert - und bei Jola gespeist

Freiburg - In der "Fußballschule", dem Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg, ist Jolanta Kura für weit mehr als das leibliche Wohl der Jugendlichen verantwortlich.
Nicht einmal ein Dutzend Tische stehen hier - kein Wunder, dass die kleine Gaststube schon werktags aus allen Nähten brechen kann. Die D-Jugend des SC Freiburg hat gerade 3:0 gewonnen, bald kommt die B-Jugend vom Pokalspiel zurück und irgendwann nach 21 Uhr ist dann auch das Training der A-Jugend vorbei. Jolanta Kura, ihr Mann Marek und ein Helfer müssen dafür sorgen, dass alle satt werden. Nudeln, Gulasch und Salat für drei komplette Teams.

Auch an diesem Abend werden alle satt. Und wie an jedem Abend haben weder die Jugendlichen noch die stolzen Eltern auch nur eine blasse Vorstellung davon, welche Akkordarbeit derweil in der auch nicht eben großen Küche zu leisten ist. Wie auch? Die Frau, die die Teller nach vorne trägt, lächelt ja auch, als habe sie beim Sonntagsspaziergang nur mal eben ein forscheres Tempo angeschlagen.
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Seit 1989 in der Gaststätte

Seit 1989 betreibt Jolanta mit ihrem Mann Marek die Gaststätte im "Mösle". Erst beim Traditionsverein Freiburger FC, dann in der Fußballschule des SC, der den alten Lokalrivalen längst überrundet und ihm dessen angestammtes Stadion abgekauft hatte. Dabei wollte die Frau, die in Krakau und Myslovice Musik und Pädagogik studiert hatte, damals in Freiburg eigentlich nur ihren Sohn Philipp zur Welt bringen, dann Freiburg aber nicht mehr verlassen: "Ich freue mich heute noch oft darüber, wie schön es hier ist."

Gerade fährt wieder ein Bus vor. "Wie habt ihr gespielt?", ruft Jolanta aus der Küche. "9:0 gewonnen", verkündet der Kapitän der B-Jugend und setzt sich an den großen Tisch in der Ecke, an dem die Sportler Platz nehmen. Kurz darauf steht "Jola", wie hier alle sagen, neben ihm, zwei Teller balancierend. Jola rennt. Doch es sieht eher aus, als schwebe sie. Jolanta schlecht gelaunt? Von den Jugendlichen hier kann sich keiner erinnern, das schon einmal erlebt zu haben. Ein paar Sekunden sitzen alle Spieler vor einem dampfenden Teller mit Nudeln und Fleisch, daneben Salatschüsseln. Und Jolanta, die gerade noch wie ein Jojo zwischen Küche und Tisch hin- und hergependelt ist, lässt sich in aller Ruhe erzählen, wie das Spiel so gelaufen ist.

Offenes Ohr und starke Schulter



Jolanta, heißt es beim SC, sei die Vertrauensperson schlechthin für die Jugendlichen. Eine, die zuhört, wenn das erste Date in die Hose gegangen ist, oder der Trainer einen anderen aufgestellt hat. Eine Vier in Englisch oder eine Nichtberücksichtigung für die Stammelf können für einen 16-Jährigen gleich niederschmetternd sein. Zumindest, wenn er im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg untergebracht ist, wo man seit jeher Wert darauf legt, dass die Jugendlichen einen möglichst guten Schulabschluss hinlegen. Und wo man versucht, neben all dem Leistungsstress möglichst viel Raum fürs Zwischenmenschliche zu lassen.

Zwei Pädagogen arbeiten hier. Und Jolanta, die ein wenig herumdruckst, als man sie fragt, ob sie ihren eigenen beiden Söhnen auch eine Jugend in der Nachwuchsabteilung eines Profivereins wünschen würde. "Glück?", fragt sie, "wer das Ziel Profifußball vor Augen hat, sieht die Ausbildung hier als Glück." Nicht umsonst kämen ja die in Freiburg ausgebildeten Profis wie Ömer Toprak oder Dennis Aogo immer mal wieder auf Besuch vorbei und betonten, dass sie die glücklichste Zeit ihrer Fußballer-Jugend hier verbracht hätten. "Hier hat jeder Spieler einen Vornamen und eine Identität, sonst würde ich hier auch nicht so gerne arbeiten."

Christoph Ruf

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